02. Juli 2008, 20:22 Uhr

In den Mauern war es nur in warmer Jahreszeit erträglich

Kirtorf-Lehrbach (kli). Am Samstagabend fand rund um und in der Lehrbacher Kemenate ein Dorffest statt. Im historischen Ambiente ließ sich gut feiern, denn die mächtigen Mauern und alten Parkbäume sorgten für Windschutz und Dach. Lichterketten waren aufgespannt und für den Gaumen hatte man sommerliche Genüsse parat.
02. Juli 2008, 20:22 Uhr
Die Gesangsgruppe der Betziesdorfer Rittersleut beim Vortrag von mittelalterlichem Liedgut. (Foto: kli)

Kirtorf-Lehrbach (kli). Am Samstagabend fand rund um und in der Lehrbacher Kemenate ein Dorffest statt. Im historischen Ambiente ließ sich gut feiern, denn die mächtigen Mauern und alten Parkbäume sorgten für Windschutz und Dach. Lichterketten waren aufgespannt und für den Gaumen hatte man sommerliche Genüsse parat. Der Heimatkundliche Kreis Lehrbach war auch diesmal der Veranstalter und dessen Vorsitzender Karl Wilhelm Becker führte engagiert wie immer durchs Programm. Als Mitwirkende stellte er die Ritterschaft vom Uhlenhorst zu Betziesdorf vor, die mit Rittern, Söldnern, Burgvogt anwesend waren und gleich mehrfach ihr Können in Kampfspielen unter Beweis stellten.

Becker meinte bei der Ansprache, dass die romantische Anlage eine Belebung erfahre. Besonders wurde Professor Elmar Altwasser von der Uni Marburg begrüßt, der mit Studenten die Kemenate vermessen hatte. Der Posaunenchor Lehrbach eröffnete mit musikalischen Grüßen unter der Leitung von Reiner Männl das Fest. Das applausfreudige Publikum spendete jeweils allen Mitwirkenden starken Beifall. Lukas Rechmann und Nick Pimper erzählten dann aus den Fenstern der Kemenate heraus über das Leben auf der Burg, wie es früher war.

In den Mauern sei es nur in der warmen Jahreszeit erträglich gewesen. Krankheiten gehörten zu den Hauptproblemen, die zum Teil aus der einfachen Lebensweise resultierten. Feuer und Wärme gab es nur über den Kamin, ansonsten mussten die Menschen nahe zusammenrücken, um sich gegenseitig zu wärmen. Angezündete Späne sorgten für düsteres Licht. Die Körperpflege im heutigen Maß kannte man nicht, Trinkwasser holte man im Brunnen. Auch die Mahlzeiten sahen anders aus. Getreidebrei und Brot sowie Hülsenfrüchte kamen auf den Tisch, Wildfleisch war dem Burgherren und seinen Gästen vorbehalten. Mit Messer und Löffeln nahm man die Mahlzeiten zu sich. Gabeln gab es noch nicht.

Dirigentin Victoria Lanz-Winter leitete die Chorgemeinschaft Kirtorf/Lehrbach. Mit bestens durch erstklassige Männerstimmen vorgetragenen Liedern glänzte der Chor. »Über sieben Brücken musst du gehen« wurde von beiden Chören gebracht. Die Kirtorf/Lehrbacher bewiesen wieder einmal mehr ihre große Klasse mit bestens ausgeprägten Stimmen, wobei der erste Tenor und der zweite Bass hervortraten. Ein Spiel über die Geschichte der Lehrbacher Ritter aus dem Jahre 1372 im Sternerkrieg brachten Vanessa Lanz, Karoline Becker und Peter Ebke, der hoch zu Ross im Ritterkleid die Damen zur Rede stellte. Interessant war das Spiel gerade wegen des Ausblickes in die Zukunft und gar bis in das 21. Jahrhundert mit dem Ende des Rittergeschlechts und dem Wandel von Burg und Dorf Lehrbach.

Die Betziesdorfer Ritterschaft führte unglaublich echt erscheinende Kampfszenen vor. Zum einen mit Streitaxt und Lanze und zum anderen mit einem Schwertkampf. Die Zuschauer konnten sich mit Met und »Ochsenblut« ebenfalls in diese Zeit versetzten und zwar mit dem mittelalterlichen Geschmack. Die Betziesdorfer boten auch musikalisches Liedgut, das dieser Zeit entsprechen sollte und begleiteten mit Klampfe und Trommelkiste Lieder mit besonderen Titeln, unter anderem »He Wirt roll das Metfass rein« und »So trolln wir uns«.

Heinz und Uli Nebhut aus Bad Nauheim hat vor sechs Jahren der Mittelaltervirus gepackt und sie flanierten in Kleidung aus dieser Zeit.

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