04. Juni 2021, 21:50 Uhr

Autobahnbau und Prozess gegen Baumbesetzerin

Junge Aktivistin ist keine Schwerverbrecherin

04. Juni 2021, 21:50 Uhr
Avatar_neutral
Aus der Redaktion
Protestierende vor dem Amtsgericht: Dort geht nächste Woche das Verfahren gegen eine Baumbesetzerin weiter. FOTO: KS

Der Gerichtssaal ist voll mit Kameras, Sat 1, HR, ZDF, verschiedene Sender sind vertreten. Als die junge Aktivistin den Gerichtssaal betritt, ruft eine Besucherin »Klimaschutz ist kein Verbrechen«. Wenn man der Anklage der Staatsanwältin zuhört, hat man das Gefühl, man habe es mit einer Schwerverbrecherin zu tun. Auf 15 Metern Höhe soll die kleine Person zwei SEK-Beamten schwere Körperverletzungen zugefügt haben. Sie selbst verweigert ihre Identität, aus Solidarität mit Menschen ohne Papiere, aber auch aus der Überzeugung, dass sie stellvertretend für viele Menschen für die Zukunft kämpft. Mit keinem Wort erwähnt die Staatsanwaltschaft, dass im Dannenröder Forst 400 000 Liter Trinkwasser in einem Flora-Fauna-Habitat zerstört werden, der die Zukunft der Region bedroht.

Nach der Anklageschrift kommt die Angeklagte zu Wort. Sie hält eine lange Rede, darin heißt es ausschnittsweise: »Wir stehen mit allem in Wechselwirkung. Das bedeutet, wenn ein Teil des Waldes beschnitten wird, ein Teil von uns beschnitten wird. Aber wenn wir ein Ökosystem retten, ist alles andere auch beschützt. Notwendig ist für die Menschheit, dass sie den Respekt lernt. Ob es um gefährdete Fledermausarten geht oder um 300-jährige Eichen, alles ist miteinander verbunden. Wir müssen verstehen, dass wir einander brauchen. Das eigene Interesse ist das Interesse der anderen, das haben wir als Gruppe versucht, im Danni zu leben. Während die Umweltzerstörung und die Klimakrise sich zeigt, werden Biotope zerstört. Kostbare Arten sterben, Erde wird abgetragen, die Temperatur steigt, Gletscher schmelzen, viele werden gezwungen zu fliehen«.

Tronje Döhmer, der Anwalt der Angeklagten, erwiderte nach der Erklärung, dass die Polizisten unzureichend gesichert waren, obwohl dies zu ihrem Job und ihren Dienstanweisungen gehört, und sie von unten versucht hätten, die Person von einer Traverse, einem quer gespannten Sicherungsseil, aus der Höhe herunterzuholen. Dabei haben sie statt den Hubwagen zu nehmen, die junge Frau in dieser Höhe eingekesselt. In den vorherigen Wochen hatten Beamte bei Räumungen bereits Sicherungsseile durchgeschnitten, es gab mehrere schwere Verletzungen, was die jungen Menschen zusätzlich bei der Räumung verunsicherte. Er führte auf, dass die Anklagepunkte, Schläge ins Gesicht der Polizisten, Tritte und weitere Angriffe, auf den Videos nicht zu sehen seien.

Der Richter zeigte ein Video von der Räumung. Zweimal schlägt ein Polizist der jungen Frau ins Gesicht, einmal weicht sie der Hand aus, die sie vom Seil ziehen will und tritt die Hand. Als sie wie eine Mumie gefesselt in einen Tragesack verpackt wird, kann man erkennen, dass sie nach hinten unten kippt, als der Polizist ihr Sicherungsseil durchtrennt und ihre Füße nach oben schnellen, aber das ist kein Treten, sondern sie kippt mit gefesselten Hände nach hinten. Langsam wird sie aus der Höhe nach unten geleitet und unten trennen Beamte ihre fest um die Hände gebundenen dünnen Schnüre mit einer Zange ab, um ihr Handschellen anzulegen.

Um den Weiterbau der A 49 wird viel gestritten, jetzt ist eindeutig klar geworden, dass die Menschen im Vogelsberg belogen und betrogen wurden, um die sogenannten demokratischen Mehrheiten für den Weiterbau zu bekommen.

Anja Kraus, Grebenau



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos