27. Mai 2021, 21:52 Uhr

In alte Zeiten eintauchen

Das Bauernhofmuseum in Homberg-Erbenhausen öffnet nach einer längeren Pause wieder. Bei einer Führung kann man in das Leben früherer Zeiten eintauchen, das oft hart und beschwerlich war. Aber auch die Nostalgie kommt nicht zu kurz.
27. Mai 2021, 21:52 Uhr
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Aus der Redaktion
Der alte Landauer, eine Kutsche, gehört zu den Top-Ausstellungstücken.

Am kommenden Dienstag, dem 1. Juni, wird es nach einer längeren Pause ein Wiedersehen geben mit dem privaten Bauernhofmuseum in Homberg-Erbenhausen - und es kann bei einem Besuch wieder ein wenig Flair aus der »guten alten Zeit« aufleben. Wie kam es eigentlich zur Einrichtung des Museums? Dazu ein Blick in die Geschichte. In den Jahren von 1924 bis 1926 hatte Wilhelm Krug auf der heute denkmalgeschützten Hofanlage Ehringshäuser Straße 4 eine stattliche Steinscheune errichtet.

Das Ehepaar Klara und Ernst Krug hat sie dann später in jahrelanger Arbeit und mit viel Liebe und Sachverstand zu einem Bauernhofmuseum ausgebaut. Auf vier Ebenen sind wohl einige Zehntausend Exponate aus dem früheren Alltag der Bauern und ihrem ländlichen Umfeld zu sehen. Für uns heute eher romantisch verklärt bedeutete diese sogenannte gute alte Zeit in der Wirklichkeit oft lebenslange Not und Entbehrung, gerade dann, wenn etwa die Ernte schlecht ausfiel.

Harte Arbeit und Krankheiten führten zu einem frühen Verschleiß der Menschen. Männer wurden durchschnittlich nur 35 Jahre alt, Frauen 38 Jahre, von der hohen Kindersterblichkeit ganz zu schweigen. Gezeigt werden im Museum in Erbenhausen bäuerliche Gerätschaften aus Haus und Garten und der Feldflur, eine komplette Schmiede und ein Wohnzimmer mit dem früher beliebten Vertiko (eine große Kommode mit viel Stauraum) und Spitzendeckchen und vieles mehr, darunter interessante Raritäten.

Viele Stücke hat man früher aus Sparsamkeit immer wieder ausgebessert, erneuert und geflickt. Wie wurde Flachs bereitet, Butter hergestellt, wie Wäsche gewaschen? Auch das kann man anhand von Gerätschaften sehen. Badezuber, Wurstmaschine und »Hubload« kennt heute niemand mehr. Und wie versorgte man sich mit Licht, Wasser und Wärme? Mobilität bedeutete, mit Bollerwagen, Leiterwagen oder mit einer Kutsche über steinige und staubige Landstraßen zu holpern.

Der Landauer - eine herrschaftliche Kutsche aus dem Jahr 1657 - ist ein echter Hingucker im Museum. All das und vieles mehr lässt den Betrachter eintauchen in eine vergangene Welt.

Die oberste Ebene der alten Scheune ist einem Weltkriegsthema gewidmet. Militärisch Interessierte können sich mithilfe von Dokumenten, Exponaten und einem Diorama über eine der blutigsten Schlachten des Zweiten Weltkriegs informieren.

Im Jahr 1944 starben rund um das Kloster Monte Cassino in Süditalien über 130 000 Menschen. Im Bombenhagel der Alliierten versank das Kloster in Schutt und Asche, heute Erinnerung und Mahnung zugleich.

Das Bauernhofmuseum wurde vor über 20 Jahren im Jahr 2001 eröffnet und konnte seitdem zahlreiche Besuchergruppen verzeichnen. Dann ist es etwa still geworden um dieses einzigartige Projekt. Hausherr Ernst Krug legte eine Denkpause ein.

Er lässt es nun dank anderer Rahmenbedingungen und neuer Impulse wieder auferstehen. Inzwischen hatten die Schlosspatrioten in Homberg neues kulturelles Leben hervorgebracht und Akzente im Tourismus gesetzt. Das Thema »Bäuerliches Leben« betrachtet Ernst Krug als die dazu passende Ergänzung.

Die Besichtigung ist nur in Gruppen mit einer Führung möglich und dauert mindestens zwei Stunden. Hausherr Ernst Krug führt persönlich durch die Räumlichkeiten, denn viele Stücke erschließen sich dem Betrachter nur mit einer Erklärung.



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