Vogelsbergkreis

Im feuerfesten Stahlschrank

Alsfeld (lkl). Als Angelo Micino am Abend des 14. November 2019 in der Konrad Adenauer Straße 9 ankam, hatte die Nachricht vom brennenden Zustellstützpunkt (ZSP) der Deutschen Post längst via WhatsApp die Runde gemacht. »Dort hinten standen schon viele Zusteller«, sagt der ZSP-Leiter und deutet auf die Fläche oberhalb des Gebäudes. »Viele kommen ja aus Alsfeld.«
08. Oktober 2021, 21:48 Uhr
LKL
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Alsfeld (lkl). Als Angelo Micino am Abend des 14. November 2019 in der Konrad Adenauer Straße 9 ankam, hatte die Nachricht vom brennenden Zustellstützpunkt (ZSP) der Deutschen Post längst via WhatsApp die Runde gemacht. »Dort hinten standen schon viele Zusteller«, sagt der ZSP-Leiter und deutet auf die Fläche oberhalb des Gebäudes. »Viele kommen ja aus Alsfeld.«

Er hingegen hatte eine gute Stunde Fahrt bis zum Unglücksort. »Als ich hier ankam, brannte der vordere Teil des Gebäudes lichterloh«, erinnert er sich anlässlich der offiziellen Wiedereröffnung des Stützpunktes, zu der neben Bürgermeister Stephan Paule unter anderem Stadtbrandinspektor Daniel Schäfer sowie Vertreter von Polizei und Feuerwehr gekommen waren.

»Uns geht es heute darum, allen zu danken, die uns nach dem Brand gehofen haben«, erklärt Post-Pressesprecher Thomas Kutsch. Das gelte für die Zusteller vor Ort, die damals dazu beitrugen, dass schon am zweiten Tag nach dem Brand in Alsfeld wieder Post zugestellt wurde, sowie für die Leitung, der es innerhalb von kürzester Zeit gelungen war, dies zu organisieren. Aber nicht nur: »Die Unterstützung ging weit über die Post-Familie hinaus«, betont Kutscher.

Stützpunkt bereits wieder in Betrieb

Nachdem über 100 Feuerwehrleute die Flammen in der Nacht durch ihren Einsatz unter Kontrolle gebracht hatten, konnte bereits am nächsten Tag mit dem ehemaligen Hafu-Markt eine Immobilie gefunden werden, die die Post vorübergehend nutzen konnte. Und am darauffolgenden Samstag legten die Zusteller schon wieder los.

Da es keine Spinde gab, mit denen die Briefe üblicherweise auf Gangfolge sortiert werden, mussten sie die Post zunächst aus dem Kopf vorsortieren.

Doch Dank einiger Spenden besserte sich die Situation recht schnell. »Nach einer Woche hatte sich alles so eingespielt, dass wir komplett arbeitsfähig waren«, sagt Micino.

Dann wurde alles wieder aufgebaut - und zwar fast exakt so wie zuvor. Schließlich war der Stützpunkt erst 2015 eingeweiht worden. »Wir haben einen modernen Standort im Grunde genommen genauso wieder aufgebaut, nur etwas optimiert«, sagt Kutscher.

So habe man der gestiegenden Zahl an Paketsendungen Rechnung getragen und in diesem Bereich etwas mehr Platz geschaffen, berichtet er. Migino ergänzt, dass ein nicht benötigter Büroraum gestrichen wurde, zudem gab es Umstrukturierungen im Bereich der Umkleiden und Toiletten. Im Großen und Ganzen kann man jedoch sagen: Alles wieder beim Alten.

Der Post war durch den Brand 2019 »ein Millionenschaden« entstanden, wie Dirk Merz, Leiter der Niederlassung Kassel, zu der Alsfeld gehört, berichtete. Dass die offizielle Wiedereröffnung des Zustellstützpunktes erst knapp zwei Jahre nach dem Brand erfolgen konnte, lag jedoch nicht an den entstandenen Schäden, sondern an der Pandemie, die solche Events lange nicht zuließ. Denn in Betrieb ist der ZSP Alsfeld bereits seit fast einem Jahr wieder.

Entsprechend läuft für die Mitarbeiter an diesem Morgen der ganz normale Arbeitsalltag. Unterbrochen wird er nur für die Grußworte und einen kurzen Snack, dann werden weiter Briefe sortiert und Autos mit Paketen beladen. Durchschnittlich 92 000 Briefsendungen und 14 000 Pakete gilt es es wöchentlich zu bearbeiten, um damit Kunden in Alsfeld, Schwalmtal, Kirtorf, Grebenau, Feldatal, Antrifttal und Romrod zu versorgen. »Hier fährt alles quasi rein elektrisch«, sagt Pressesprecher Kutsch und deutet auf die Autos, von denen noch einige neben dem Gebäude stehen. 18 der 26 Transporter sind sogenannte »Street-Scooter«. Das sind die vollelektrischen Kleintransporter, die von einer Tochter-Firma der Post hergestellt werden.

Am Abend des Brandes hatten die Zusteller geistesgegenwärtig die Autos in Sicherheit gebracht - und damit wohl größeren Schaden vermieden. »Nicht nur finanziell«, sagt Kutsch. Explodierende E-Akkus sind nämlich nicht ungefährlich.

Mit den deutlich kleineren Akkus von E-Bikes war das zum Teil passiert. Ein Defekt an einer Ladestation gilt zudem als Brandursache. Dagegen sieht sich die Post jetzt besser gerüstet. »Diese sind nun gesichert in feuerfesten Stahlschränken und es wurde ein neues Sicherheitskonzept erstellt, dass so etwas nicht mehr passieren kann, auch andernorts nicht mehr«, sagt Kutsch.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/vogelsbergkreis/im-feuerfesten-stahlschrank;art74,757035

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