02. November 2021, 21:27 Uhr

Ilsdorfer gegen großen Solarpark

Solaranlagen verursachen keine Geräusche und liefern umweltfreundlich Strom, sie brauchen aber als Freiflächenanlagen viel Platz. Um Äcker zu erhalten, lehnt deshalb der Ortsbeirat Ilsdorf eine geplante Anlage an der B 49 ab. In Gemünden gibt es kritische Stimmen zu Plänen am Ortsrand von Hainbach.
02. November 2021, 21:27 Uhr
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Von Joachim Legatis
Bis zu 30 Hektar Ackerflächen könnten unter Solarmodulen verschwinden, wenn es nach Vorstellungen des französischen Energiekonzerns EDF geht. Der Stromkonzern stößt vor Ort aber auf Widerstand. Landwirte und Ortsbeirat lehnen die Pläne ab. FOTO: KS

Diese Versammlung war kurz und eindeutig: Nach kurzer Diskussion lehnte der Ortsbeirat Ilsdorf in seiner jüngsten Sitzung einstimmig die Planung für einen großen Solarpark in Richtung Ruppertenrod ab. Dadurch soll verhindert werden, dass bis zu 30 Hektar gute Ackerflächen unter Modulen verschwinden.

Die Entscheidung reiht sich ein in lauter werdende Kritik an großflächigen Solarkraftwerken. So gibt es in Gemünden kritische Stimmen zu den Planungen bei Hainbach. Die Freiflächenanlage bei Ehringshausen wurde kontrovers diskutiert, aber dann doch von der Kommunalpolitik befürwortet.

In Ulrichstein sind zwei Freiflächenanlagen errichtet worden, wobei es auch Kritik von Naturschützern an der Anlage auf der ehemaligen Erdaushubsdeponie gegeben hat. Die Ulrichsteiner Anlagen sind allerdings nicht auf landwirtschaftlichen Flächen gebaut worden, neben der Altdeponnie wird eine Gewerbefläche genutzt.

Die Kritik in Ilsdorf kommt aus der Landwirtschaft, wie in der Ortsbeiratssitzung deutlich wurde. Zunächst stellte Ortsvorsteher Torsten Adamek die Pläne vor. Demnach hat sich die deutsche Tochtergesellschaft des Energieriesen Electricité de France EDF an die Gemeinde gewandt und Interesse am Bau der Freiflächenanlage bekundet. Diese Voranfrage noch vor Beginn der konkreten Planungen bezieht sich auf einen etwa 1,2 Kilometer langen und halb so breiten Streifen an der Bundesstraße B 49 zwischen Flensungen und Ruppertenrod.

Damit will sich auch der Ortsbeirat Ruppertenrod noch befassen, die Fläche liegt in den Gemarkungen Ilsdorf und Ruppertenrod. Wie Adamek aus der Information von Bürgermeister Andreas Sommer zitierte, ist eine Fotovoltaikanlage mit einer Leistung von etwa 30 Megawatt Peak MWp angestrebt. Die Anlage würde eine Fläche von etwa 20 Hektar beanspruchen, als »Potenzialfläche« seien 28 Hektar angesetzt.

Der größere Teil der Fläche liegt im Bereich Ruppertenrod, es sind allerdings Landwirte aus Ilsdorf betroffen, wie Adamek weiter sagte. Der Gemeindevorstand hat den Ortsbeirat um eine Stellungnahme gebeten. Bei Bedarf könne auch eine Präsentation durch EDF Deutschland vereinbart werden.

Darüber haben die fünf Ortsbeiratsmitglieder bereits intern beraten, wie Adamek sagte. Deshalb gab es in der öffentlichen Sitzung ohne Diskussion eine einstimmige Ablehnung des Vorhabens.

Beigeordneter Jörg Schlosser ergänzte, dass sich der Gemeindevorstand nicht über den Beschluss des Ortsbeirats hinwegsetzen werde. Denn die Menschen vor Ort haben den Anblick über die Laufzeit einer solchen Anlage von 20 Jahren. Bereits vor einiger Zeit habe es einen Antrag für eine Anlage bei Wettsaasen gegeben.

Schlosser verwies auf die Rahmenbedingungen, in denen der Antrag steht. So sei abzusehen, dass das Regierungspräsidium mit Blick auf die Energiewende versuche, mehr Flächen für die Anlagen zu ermöglichen. Bislang ist es aber Sache der Gemeinde, darüber zu befinden. Die Vorgaben sind so gestaltet, dass Freiflächenanlagen vorrangig an bereits belasteten Stellen errichtet werden sollen. Darunter fallen Ränder von Autobahnen und Bahnstrecken, Industriebrachen und ehemalige Deponien.

Ortslandwirt Siegfried Weicker berichtete von einer Unterredung der fünf betroffenen Landwirte, die das Vorhaben ablehnen. Davon seien Äcker betroffen, kein Grünland. Er kritisierte die Versiegelung immer weiterer Flächen, die für die Produktion von Nahrungsmitteln nötig sind. So soll die B 49 bei Flensungen so umgebaut werden, dass weitere Äcker überbaut werden. »Das kostet weitere Hektar landwirtschaftliche Flächen, das wird ganz, ganz schwierig.«

Die Lage im benachbarten Gemünden ist etwas anders, wie in der Bürgerversammlung dieser Tage deutlich wurde. Im Gemeindeparlament wurde der Bau einer Anlage bei Ehringshausen genehmigt, den die Energiegenossenschaft Vogelsberg EGV beantragt hat. Nahe der Ortslage Hainbach ist eine weitere Freiflächenanlage geplant, dazu gibt es aber noch keinen Beschluss von Gemeindevorstand und Gemeindevertretung, wie Bürgermeister Lothar Bott ausführte.

Ein Besucher regte an, zu prüfen, ob die geplante Anlage weiter weg vom Ort entstehen kann. Dann würden die Anwohner nicht so beeinträchtigt.

Auch bei der geplanten PV-Anlage nahe Rülfenrod ist die parlamentarische Debatte noch nicht so weit, wie Bott erläuterte. »Da fehlt noch der Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan«, das sei Sache des Gemeindeparlaments.



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