06. Februar 2014, 16:48 Uhr

»Wir öffnen jetzt das Internet«

Homberg/Gemünden (ks). »Wenn meine Frau das erklärt, geht es zackzack. Das ist mir ein bisschen zu schnell.« Kein Problem für Leon, Robin oder Markus, die inzwischen Experten im Erklären sind. Die Schüler an der Ohmtalschule stehen »ihren« Betreuungssenioren bei Problemchen rund um PC und Internet geduldig zur Seite.
06. Februar 2014, 16:48 Uhr
Konzentriert bei der Sache, schließlich wollen alle etwas lernen. (Foto: ks)

Getreu dem schön falschen Werbespruch »Hier werden Sie geholfen« bietet der Seniorenbeirat Gemünden mit der Ohmtalschule seit Mittwoch erneut einen Kurs an, in dem ältere Menschen dank Anleitung ihrer junger Assistenten sicher durch die Netzwelt surfen lernen. Dabei geht es jede Woche im Klassensaal im zweiten Stock an der Ohmtalschule ziemlich locker zu. Dort legen zumindest die Neulinge unter den älteren Damen und Herren langsam ihre Scheu vor der Kiste auf dem Schreibtisch vor ihnen ab. Manche sind auch schon echte »alte Hasen«, waren bereits mehrfach dabei und haben Spaß daran, noch mehr zu lernen.

Das Ganze ist kein Vhs-Kurs, jeder darf machen und lernen, was er will. Und wenn man aus welchen Grund auch immer mal schwänzt, ist das nicht schlimm, betont Fachlehrerin Helmi Herbst aus Heimertshausen, die resolut-beherzt die Zügel in der Hand hält und auch selber berät. Und sie beruhigt: »Wir wissen auch nicht alles.«

Zum Einstieg hat sie den rund 15 Teilnehmern aus Gemünden, Homberg und Mücke klargemacht, dass der gegenseitige Austausch ganz wichtig ist. Denn die Teilnehmer des Seniorenkurses profitieren nicht nur vom Wissen der jungen Leute rund um moderne Medien. So ist es schon vorgekommen, dass ein älterer Besucher einem Schüler einen Ausbildungsplatz vermittelt hat.

Beim Besuch am ersten Kurstag fällt die entspannte Art auf, wie Schüler und Senioren miteinander umgehen. Einige kennen sich schon, Wünsche nach dem Lieblingsbetreuer werden geäußert. Die Schüler widmen sich ihrer Aufgabe mit bemerkenswerter Hingabe. Das reizt zur Belohnung. Aber: »Auch wenn unsere jungen Leute wirklich nett sind – stecken Sie Ihnen bitte nichts zu, außer vielleicht Süßigkeiten,« hat Lehrerin Herbst eingangs augenzwinkernd gemahnt. Es hat sich aber eingebürgert, dass jeder nach eigenem Belieben am Ende des Kurses einen kleinen Beitrag entrichtet. Dann können die Schüler mit einem Teil davon Pizza essen gehen, ein anderer Teil fließt in Anschaffungen für den Seniorenbeirat Gemünden. Dieser Weg ist als praktikabel anerkannt »und für uns ist das hier ja wirklich günstig,« merkt eine Teilnehmerin an. Ein Dankeschön geht auch an die Schule, schließlich werden für den Kurs zwei Stunden zur Verfügung gestellt, je eine mit Schülern und eine mit Lehrerin.

Schon geht es los: »Wir öffnen jetzt das Internet« lautet die lustige Anweisung, aber jeder weiß, was gemeint ist. Denn auf der vom Seniorenbeiratsvorsitzenden Peter Krug liebevoll gepflegte Seite sollen die Teilnehmer immer mittwochs vor Kursbeginn nachschauen, ob es etwas Neues gibt. »Und wie kommen wir ran?« Damit sind wir wieder beim Thema. Rasch auf die bunte Kugel geklickt, die Adressleiste gesucht – und die Adresse des Seniorenbeirates Gemünden eingegeben. Wer denkt, gut, das war’s, der wird eines Besseren belehrt. Der Dinge, die gelernt werden wollen, gibt es noch viele. Und auch die Interessen, so sucht jemand Schmuckvorlagen für Ostergrüße. Helmi Herbst jedenfalls ist auch nach dem vierten Kurs dieser Art überzeugt vom Erfolg des Konzeptes, von dem offenkundig alle profitieren.

Sie erzählt von einem älteren Herrn aus einem früheren Kurs, der sich PC und Kamera anschaffte und alle Lernschritte filmte. Am Ende hat er dann seine komplette Schallplattensammlung digitalisiert – »das könnte ich ja nicht,« staunt Fachlehrerin Helmi Herbst immer noch.

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