05. Mai 2013, 16:38 Uhr

»Drogeriemarkt ist lebensnotwendig«

Homberg (ks). Ob diese Entscheidung bis zum Sommer steht? Das wünscht sich jedenfalls Bürgermeister Béla Dören, der dann eine Bebauungsplanänderung für die Bereiche Friedrichstraße und Bahnhofsgelände in der Kernstadt auf den Weg bringen möchte.
05. Mai 2013, 16:38 Uhr
Bürgermeister Bela Dören, links neben ihm Architekt Markus Rathke, der Pläne für das Grundstück Friedrichstraße und das Bahnhofsgelände vorstellte.

Doch in einer neuerlichen öffentlichen Veranstaltung zeigte sich am Freitag Abend in der Stadthalle, dass die Auffassungen unterschiedlich sind, welcher Weg zur Belebung der Innenstadt gegangen werden soll. So wurden mehrfach in der Diskussion heftige Fronten deutlich: »Das war ein schwieriger Abend«, fasste es denn der Rathauschef am Ende auch eher enttäuscht zusammen. Zuvor hatten die Architekten Herbod Gans (Homberg) und Markus Rathke (Wuppertal) Pläne für die unterschiedlichen Grundstücke vorgestellt. Für die Firmen Fleischmann Bau und Recona Investment übernahm das der Bürgermeister, deren Vertreter hatten sich entschuldigen lassen.

Mit rund 50 Teilnehmern hatten sich diesmal weniger Interessierte als beim Auftakt des Workshops in der Stadthalle eingefunden. Es ging darum, noch einmal die unterschiedlichen Konzepte zu präsentieren, die schon einmal im Ausschuss vorgestellt wurden (die AAZ berichtete). Für die Nassauische Heimstätte fasste deren Vertreter Linke Ergebnisse des ersten Treffens zusammen. Danach waren Hauptkritikpunkte der Homberger eine mangelnde überregionale Anbindung beim öffentlichen Personennahverkehr, ein mangelhafter Zustand der Innenstadt mit vielen Leerständen, zu wenig Parkplätze, zu wenig alten- und familiengerechtes Wohnen und das Fehlen eines Cafés und eines Drogeriemarktes.

Bei Gewerbeverein steht noch interne Diskussion an

Gleich zu Beginn musste sich der Bürgermeister der Kritik erwehren, die Gewerbetreibenden würden zur Sache nicht ausreichend gehört. Sie fühlen sich nicht ernst genommen, meinte Klaus Kirbach. Bürgermeister Dören sagte, zunächst sollten alle Vorschläge öffentlich präsentieren werden »und heute Abend ist hier die Öffentlichkeit, da kann doch jeder kommen.« Nach dem Schlagabtausch mit einem weiteren Zuhörer mahnte der früheren Vorsitzende des Gewerbevereins, Heinrich Prediger, das Vorgehen beim Gewerbeverein solle an anderer Stelle geklärt werden.

Herbod Gans legte seine Pläne für das Pfeile-Ernst-Grundstück (ehemaliger Bauernhof in der Frankfurter Straße neben Optik Prediger) vor, wo neben Wohnungen und einer Arztpraxis (»Wir bekommen wieder eine Fachärztin«; so der Architekt erfreut) ein Markt entstehen solle. Es gebe zwar Probleme mit Parkplätzen, diese seien aber für einen Drogeriemarkt nicht ganz so wichtig. Ein solcher Markt sei an dieser Stelle »lebensnotwendig« für die Innenstadt, warb der Homberger für das Vorhaben. Die Friedrichstraße sei zu weit weg, um einen Impuls für das Zentrum geben zu können. Die dortige alte Schule (»mit wertvollem Graffiti«) sei erhaltenswert und könne für alten- und familiengerechtes Wohnen umgebaut und genutzt werden. Den Bereich am alten Bahnhof solle die Stadt auf jeden Fall für eine mögliche neue Stadthalle vorhalten und derzeit nicht bebauen.

Bürgermeister Dören stellte die Planungen der Firmen Fleischmann und Recona vor, die auf den Grundstücken Friedrichstraße und alter Bahnhof jeweils Wohnungen mit einem Markt kombiniert vorsehen.

Patricia Boos (Schoofs Immobilien GmbH) und Architekt Markus Rathke präsentierten eine weitere Planung für die beiden Grundstücke. Was einen Markt angeht, so führe man Gespräche mit Aldi, Netto und Rossmann. Was die Friedrichstraße betrifft, so meinte der Architekt, der Lkw-Anlieferbereich werde eingehaust (»Wir schieben die Märkte wie eine Schublade in den Hang«), so dass davon keine Lärmbelästigung zu fürchten sei.

Diskussion um Rossmann in der Frankfurter Straße

In der folgenden Diskussion wurde aber deutlich, dass durchaus viele Anlieger der Friedrichstraße genau diese Lärmbelästigung fürchten. Bürgermeister Dören verwies darauf, der Bereich sei Mischgebiet, das gelte nur für eine Straßenseite, nicht für die andere, die reines Wohngebiet sei, wandte Ehrenbürgermeister Walter Seitz ein. Zwischen Bürgermeister Dören und Architekt Gans entwickelte sich dann erneut eine heftige Auseinandersetzung, weil der Homberger dem Verwaltungschef vorhält, dieser habe Pläne zur Ansiedlung eines Drogeriemarktes auf dem Pfeile-Ernst-Grundstück in der Frankfurter Straße vereitelt. Rossmann sei »sehr an der Frankfurter Straße interessiert gewesen« und hätte den Standort trotz Flächenbegrenzung akzeptiert, so Gans. Nachdem die Vertragsvorbereitungen schon angelaufen waren, sei ihm dann gesagt worden, der Bürgermeister habe Rossmann einen besseren Standort in Aussicht gestellt. Das wies Dören als nicht wahr zurück, er habe lange gewartet, dass auf dem Standort etwas vorangehe, aber es habe sich nichts getan. Er habe auch nicht vorher mit der Firma Rossmann verhandelt.

»Märkte in der Friedrichstraße bringen Innenstadt gar nichts«

Von den Zuhörern kam insbesondere von Heinrich Prediger noch einmal der ganz deutliche Hinweis, dass ein Markt in der Friedrichstraße »der Innenstadt gar nichts bringt.« Von dort aus werde niemand zu Fuß in die Innenstadt gehen, »und wenn in der Friedrichstraße gebaut wird, dann kann ich meinen Laden zumachen.« In die Friedrichstraße Wohnen und in die Frankfurter Straße den Markt, dafür plädierte Klaus Kirbach, dann umgehe man auch das Problem mit der Lärmbelastung. Karl Christ plädierte für das Modell »In die Friedrichstraße den Aldi und einen Drogeriemarkt in die Frankfurter Straße.« Bürgermeister Dören hatte aber zuvor geäußert, sowohl DM als auch Rossmann wollten nur mit einem Lebensmittelmarkt »im Doppelpack« kommen und dafür sei in der Frankfurter Straße zu wenig Platz. Angeregt wurde, noch einmal das Gespräch mit den Drogerieketten zu suchen.

Zum weiteren Fahrplan sagte der Bürgermeister, eigentlich solle es ab kommendem Jahr, also 2014, in die Umsetzungsphase gehen. Denn auch Aldi habe der Stadt eine Frist gesetzt, weil der Discounter einen neuen Standort will.



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