24. September 2012, 13:48 Uhr

Heiße Rennen nur mit Teamgeist zu gewinnen

Homberg (rs). Röhrende Motoren und waghalsige Drifts auf staubiger Piste – da schlagen Jungenherzen höher. Aber auch Mädchen haben Interesse an Autorennen, richten sogar mit Schraubenschlüsseln alles für den Sieg her und bilden den Kit in einem immer wieder wegen Spannungen fast auseinander fallenden Team.
24. September 2012, 13:48 Uhr
Die Szenen zum »Rennen am Galgenberg« wurden in den vergangenen Tagen auf dem weitläufigen MHI-Gelände gedreht, auf der Felskante oben erkennt man die gruselig anmutende Holzstellage. In den beiden Rennwagen sitzen die Teams, die es ins Finale geschafft haben, links das »gute« V8-Team, rechts die Barrakudas, die es auch mit Heimtücke versuchen, Erster zu werden. In der Mitte lehnt Regisseur und Drehbuchautor Joachim Masannek an der Kamera. (Foto: rs)

Homberg-Nieder-Ofleiden (rs). Röhrende Motoren, waghalsige Drifts auf staubiger Piste, rasante Fahrt durch einen Tunnel – da schlagen Jungenherzen höher. Aber auch Mädchen haben großes Interesse an Autorennen, richten sogar mit Schraubenschlüsseln alles für den Sieg her und bilden den Kit in einem immer wieder wegen Spannungen fast auseinander fallenden Team. In diesem Sinne werden die Kinobesucher im kommenden Jahr bei »V8 – Du willst der Beste sein« prickelnde Spannung rund um Autorennen erleben, und sie sehen, dass man sich manchmal zusammenraufen muss, wenn man gemeinsam ein Ziel vor Augen hat. Spannung und kindgerechte Präsentation sind garantiert, denn Regie führt Joachim Masannek, bekannt als Autor und Verfilmer von »Wilde Kerle«. Von der Außenwelt weitgehend abgeschottet lief in den vergangenen Tagen ein Teil der Dreharbeiten in dem weitläufigen Areal der Mitteldeutschen Hartstein-Industrie (MHI). Dort hatte sich ein Filmteam der Rat Pack-Produktion mit rund 100 Personen eingerichtet.

44 Jahre ist es her, dass auf dem MHI-Gelände, dem größten Basalttagebau Europas, Szenen zu einem Kinofilm gedreht wurden. Im Frühjahr 1968 ging es um »Tod im roten Jaguar«, ein Film aus der Jerry Cotton-Reihe. Jetzt haben die Location-Scouts den Steinbruch wieder entdeckt, und die Filmcrew findet ihn genial. Auf drei Ebenen wurde eine Rennpiste angelegt, auf einer vierten höhergelegenen Ebene wurden die Zelte aufgeschlagen, was in heutigen Zeiten bedeutet: Lastwagen stehen an Lastwagen, Omnibus an Omnibus. In den Fahrzeugen halten sich die Schauspieler und die Techniker auf, wird geschminkt und gegessen. Gut dass in den vergangenen Tagen noch das Wetter mitmachte, zwischen den Fahrzeugen herrschte an Biertischen die Atmosphäre einer mittleren Kirmes. Gravierender Unterschied dabei: Rund ein Viertel der Personen sind Kinder, teilweise surreal gekleidet und geschminkt.

Starkes Team gegen Heimtücke

Die Geschichte ist kindgerecht fantastisch: David (Georg A. Sulzer) will Rennfahrer werden, aber der Traum vom eigenen Kart scheitert - auch wegen seiner kleinen Schwester Luca (Maya Lauterbach). Da fällt ihnen eine Münze zu, verschafft ihnen so den Zutritt zur geheimnisvollen Burg, wo sich die Sieger geheimer Autorennen treffen. Zu den Geschwistern gesellen sich aus der gefährlichen Südstadt der Schnösel Robin (Samuel Jakob) und die komische Schrauberin Kiki Lilou (Klara Merkel). So unterschiedlich die vier auch sind, als V8-Team müssen sie zusammenhalten, wollen sie gegen das heimtückisch agierende Barrakuda-Team siegen... Wie setzt man Kinderphantasien in bewegte Bilder um? Regisseur und Drehbuchautor Masannek hat da einschlägige Erfahrung, als Kinderbuchautor (Die Wilden Kerle) und als Vater. So hatte er mal vor Jahren seine Kinder beim Indianerspielen im Wohnzimmer gefilmt, ihnen den Film hinterher gezeigt. Aber die Kinder erkannten ihr Spiel nicht. Denn in ihrer Fantasie hatte es weder Couch noch Tisch gegeben, sie hatten als Indianer zwischen Zelt und Pferden agiert. Und genau diese Atmosphäre will Masannek in seinen Filmen aufbauen, die Kulisse muss kindgerecht sein, die handelnden Kinder allerdings eher erwachsen agierend. Denn – auch das hat Masannek festgestellt – Kinder fühlen sich in ihrer Phantasiewelt nicht als Kinder, sie versetzen sich nicht in die Rolle eines kleinen Helden, sie fühlen sich als der erwachsene Held. »Dann fühlen sie sich sicher«, betonte Masannek bei einem Pressetermin. In diesem Sinne greifen die Erwachsenen (darunter auch Stars wie Heiner Lauterbach) im neuen Film auch nur als allerletzte Instanz ein. Denn Regisseur Masannek wendet sich auch gegen den Trend der Vermeidung jeglichen Risikos: Er hält es für falsch, dass die Gesellschaft dem Einzelnen immer mehr Sicherheit gebe, aber trotzdem immer weniger Halt.

Gleichwohl muss am Set alles sehr reglementiert ablaufen, denn auch filmen ist für Kinder Kinderarbeit, und dabei sieht der Gesetzgeber enge Grenzen vor. Acht Stunden können die Kinder am Set sein, davon die Hälfte drehen. Darauf achtet ein ganze Reihe von Kinderbetreuern, die sich auch darum kümmern, dass die jungen Filmstars nicht den Anschluss an die Schule verlieren. Wegen der eingeschränkten Verfügbarkeit haben die Kinderstars auch Doubles, damit Szenen mit ihnen etwa von hinten gefilmt nicht mit ihnen gedreht werden müssen. Wie kommt man als Zwölfjähriger zum Film? »Ich habe schon Werbung gemacht«, lautet eine der Antworten aus der jungen Schauspielerriege. Einer ist schon seit dem fünften Lebensjahr immer wieder mal beim Film, hat bereits in einer Dschungelbuchversion mitgewirkt.

Mit rund 90 Minuten Länge soll der Film im kommenden Jahr in die Kinos kommen, dafür wurden über 40 Drehtage eingeplant, macht zwischen zwei und drei Minuten Film täglich. Da kommen enorme Kosten zusammen, die unter anderem über die Filmförderung des Bundesländer getragen werden. So ist HessenInvest Film mit 450000 Euro im Boot, nicht nur zur reinen Kulturförderung sondern auch mit einem Auge darauf, dass der Film zu großen Teilen auch in Hessen gedreht wird (es ist rund ein Drittel), Geld auch wieder ins Hessenland fließt. Bei dem Film »V8« wird mit einem Umsatz in Hessen zwischen 1,5 und zwei Millionen Euro gerechnet, dabei geht es um Personal, Material und Unterkünfte. Übrigens wurde der erfolgreiche Streifen »Das Haus der Krokodile« komplett in Hessen gedreht. Erfolgreich gilt allerdings nur für den DVD-Vertrieb, an die Kinokassen wurden lediglich rund 250000 Zuschauer gelockt. Da möchte Regisseur Masannek mit dem »V8«-Streifen im kommenden Jahr erfolgreicher sein, er möchte wieder mehr Kinder ins Kino locken, und natürlich auch die Eltern.

Den neuen Film in Kino ansehen werden jedenfalls sicher neben den Mitarbeitern der MHI natürlich auch die als Komparsen wirkenden Kinder mit ihren Eltern. Auch aus dem Vogelsbergkreis und Kirchhain waren einige junge Darsteller bei den Filmaufnahmen, sie stellen die Fans bei den Autorennen dar. Alle Statisten sollen, das sicherte Regisseur Joachim Masannek zu, im Film gut zu erkennen sein.



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