09. Juli 2012, 17:53 Uhr

Hilfe für winzige Kerlchen mit Knopfaugen

Homberg (ks). Entspannt paddelt das Kerlchen durch seinen Tümpel und genießt die feuchte Wärme. Sein gelbschwarz-gesprenkelter Bauch, der gerade kielunten im Wasser dümpelt, und die herzförmigen Pupillen in den schönen Knopfaugen versetzen Naturschützer in Entzücken.
09. Juli 2012, 17:53 Uhr
Auftakt für das Artenschutzprojekt des NABU Hessen. Dabei waren neben Naturschützern auch Mitarbeiter der Firma Rhysse und von Hessen-Forst. In den kleinen Tümpeln auf den Sandgruben finden die Gelbbauchunken ein Biotop. (Fotos: ks/NABU)

Und die Menschen, die an diesem Montag an einer Sandgrube der Firma Walter Rhysse bei Homberg stehen, scheinen die Gelbbauchunke nicht zu stören. Natürlich weiß sie auch nichts davon, dass sie zu einer extrem bedrohten Amphibienart gehört, deren Aufkommen in nur 15 Jahren um 80% zurückgegangen ist. Mark Harthun, Referent beim Naturschutzbund (NABU) Hessen, macht die Dramatik klar: »Ohne aktiven Schutz stirkt uns diese Tierart unter den Fingern weg.«

Der NABU Hessen gab deshalb in Homberg den Startschuss für ein sechsjähriges Hilfsprojekt für die Gelbbauchunke. In Mittel- und Südhessen soll die Amphibie durch das Anlegen vieler kleiner Gewässer wieder heimisch werden. »Schon kleine Pfützen wirken Wunder,« so Harthun.

Durch die Regulierung von Flüssen und die immer »ordentlicheren« Landschaften sind die Lebensräume der Unken verloren gegangen. Vorübergehend fanden sie neue Biotope auf Truppenübungsplätzen, aber auch die sind weitgehend verschwunden. So bleiben Sandgruben und Steinbrüche, wo sie sich die Unke in kleinen Tümpeln und wassergefüllten Baggerspuren erfolgreich fortpflanzt. Ziel ist es, die Gelbbauchunke auf Dauer wieder an naturnah gestalteten Flussläufen wie Ohm und Lahn anzusiedeln. Für den Ankauf von Flächen stellen das Bundesamt für Naturschutz und das Bundesumweltministerium in den nächsten Jahren hessenweit rund 500 000 Euro zu Verfügung.

»Unkenruf zum Feierabendausklang«

Sehr erfreut ist der NABU über Abbauunternehmer Steffen Rhysse, der die kleinen Bewohner der Sandgruben seit Jahrzehnten hegt und pflegt. »Wir haben Ihnen viel zu verdanken,« so Harthun wörtlich. Mit viel Liebe und Fingerspitzengefühl sorge der Unternehmer für das Überleben der Tierchen zwischen großen Baggern. Die nach dem Moorfrosch bedrohteste Amphibienart in Hessen hat ein Problem: Sie besiedelt am liebsten frische Pfützen, wo sich noch keine Molche oder Libellen tummeln, die meist schneller sind. Und gerade in trockenen Sommern gibt es »riesige Verluste bei den Populationen.« Der NABU hofft deshalb auch auf Hessen-Forst als Partner. Auf Windwurfflächen etwa sollen so genannte Trittsteine eingerichtet werden, damit die Unken aus den Tümpeln wieder Richtung Flussauen wandern, ihr eigentliches Revier. »Wir wollen der Gelbbauchunke auf die Sprünge helfen.«

Steffen Rhysse erinnerte an die lange Tradition des Tonabbaues in der Ohmstadt (»Homberg war eine Töpferstadt«) und seine Bemühungen seit den 1970er Jahren um die winzigen Pfützen- und Tümpelsiedler. »Oft habe ich eimerweise Wasser hingetragen.« Später zeigte sich ein besseres Verfahren: Rhysse weist die Fahrer an, im noch feuchten Frühjahr mit dem Radlader noch einmal durch vorhandene Spuren zu fahren.

In die so geschaffenen Mini-Bachläufe ziehen die Amphibien gern ein, »sie fühlen sich dort richtig wohl,« freut sich der Firmenchef. Im Sommer geht er dann gern »statt irgendwo hin zu fahren« zur Grube und guckt, wer dort gerade seinen grünen oder braunen Rücken in die Sonne streckt.

Von diesem Engagement sehr angetan ist auch der NABU-Kreisvorsitzende Karl-Heinz Zobich. Nachdem die Unke in Kirtorf auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz ausgestorben war, hat sie im Homberger Raum eine echte Heimat. »Ohne Steffen Rhysse würde es die Unke hier nicht mehr geben,« so Zobich. Im März legte der Unternehmer mit schwerem Gerät bereits 15 kleine Tümpel an. Ihn stören die tierischen Mitbewohner auf dem Betriebsgelände kein bisschen: »Unkenrufe und Glöckchen der Geburtshelferkröten sind ein schöner Feierabend-Ausklang. « Und der Erfolg gibt ihm recht. Die kleine Unke pflanzt sich recht fröhlich fort. In den neuen Pfützen wurden schon 18 ausgewachsene Tiere und 450 Kaulquappen gefunden.



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