05. April 2011, 17:20 Uhr

»Miteinander Lachen und Weinen«

Homberg (kli). Wenn man das eigene Leiden mit anderen teilen kann, ist schon ein Teil des Drucks weg. In diesem Sinne haben sich dieser Tage die Aktiven der Frauenselbsthilfe nach Krebs in Homberg getroffen.
05. April 2011, 17:20 Uhr
Hilde Schulte beim Vortrag während der Tagung. (Foto: kli)

Homberg (kli). Am Wochenende hatte der Landesverband Hessen der Frauenselbsthilfe nach Krebs zur Landestagung ins AOK-Bildungszentrum eingeladen. Sie stand unter der Überschrift »Das Leiden ist schon halb geteilt, hat man es and'ren mitgeteilt« von Eugen Roth. Wertvolle Hinweise und Hilfen gibt es mit dem neuen Buch »Warum trägt Mama im Sommer eine Mütze«. Die Staatssekretärin im Hessischen Sozialministerium, Petra Müller-Klepper, stellte es bei der Landestagung vor. »Das Buch ist ein Ratgeber für den Familienalltag mit der Diagnose Brustkrebs. Diese kann das Familienleben auf den Kopf stellen. Trotzdem ist es wichtig, den Zusammenhalt und die Hoffnung nicht zu verlieren«, so die Staatssekretärin. »Stabilität in der Familie lässt die die Bewältigung der Krankheit leichter werden«. Gerade jüngere Kinder bräuchten Erklärungen, Halt und Fürsorge in einer solch schwierigen Situation.

Das Buch sei nicht nur eine Vorlesegeschichte für die Familie. »Eltern bekommen die Chance durch die guten Vorschläge in diesem Buch ihren Kindern die Diagnose Krebs besser zu erklären«, unterstrich Müller-Klepper. »Ich wünsche mir, dass dieses Buch Familien in schweren Zeiten eine gute Unterstützung sein kann, damit sie die beste Medizin - Zusammensein, miteinander reden, gemeinsames Lachen und Weinen - erfahren können.«

Das Hessische Sozialministerium hat gemeinsam mit der Barmer GEK und dem Verein »Mehr Zeit für Kinder« 5000 Exemplare des Buches produziert. Mit Hilfe der »Frauenselbsthilfe nach Krebs« und der hessischen Krebsgesellschaft werden die Bücher an betroffene Frauen und ihre Familien verteilt. Heidemarie Haase, Vorsitzende der »Frauenselbsthilfe nach Krebs« unterstrich bei der Übergabe: »Ich freue mich sehr, dass so viele verschiedene Einrichtungen zum Wohl krebskranker Frauen erfolgreich zusammengearbeitet haben.«

Bei der Überreichung des Buches waren auch Dr. Catherina Maulbecker-Armstrong als Referatsleiterin im hessischen Ministerium für Gesundheit, Dr. Ursula Haupt, Geschäftsführerin der hessischen Krebsgesellschaft, Norbert Sudhoff, Landesgeschäftsführer der Barmer BEK in Hessen, und Katrin Bunk vom Verein »Mehr Zeit für Kinder.« Selbsthilfegruppen seien sehr wichtig in der Arbeit, lobte die Staatssekretärin.

Die Landestagung eröffneten Vorsitzende Heidemarie Haase und ihre Vertreterin Marlies Dingel. Stadträtin Barbara Österreich übermittelte Grüße im Namen der städtischen Gremien. Barbara Reckers, Vorsitzende des Bundesverbandes, überbrachte Grüße und stellte das Selbsthilfenetz Hessen vor. Das Ziel der Selbsthilfegruppen sei es, Betroffene aufzufangen und durch ihren Weg mit Krebs zu begleiten, zu stützen und ihnen zu helfen, Selbsthilfe sei Lotsenfunktion. Das Internet könne die Informationsarbeit nicht ersetzen, aber vereinfachen. Die Landesvorsitzende ergänzte die Darstellungen mit Positionen zur Krankheitsversorgung.

Menschliche Zuwendung soll helfen, mit dem Krebs zu leben. Das helfe auch die Angst vor weiteren Untersuchungen und Behandlungen zu überwinden. Des Weiteren gab es Vorschläge aus dem Bereich Ernährung und Bewegung zur Stärkung der Widerstandskraft.

Sehr wichtig sind Informationen über soziale Hilfen, zum Beispiel Versicherungs- und Schwerbehindertenrecht, auch zur Anschlussheilbehandlung, Rehabilitation, Pflegeversicherung, Renten und mehr. Zu leicht würden die Interessenvertretungen Krebskranker sozial- und gesundheitspolitisch vergessen, wurde bedauert.

Die ehemalige Bundesvorsitzende Hilde Schulte setzte das Programm mit ihrem Vortrag »Von Schuhgrößen und anderen Irrtümern« fort. Der Inhalt sollte Mut dazu machen, Vorstandspersonen zu gewinnen und in die Verbandsarbeit einzusteigen. Die Referentin profitierte vom großen eigenen Erfahrungsschatz. Erfreulich sei die Tatsache, dass es nicht immer so mit dem Gewohnten weitergehen muss, das sehe man am Beispiel der Mächtigen aus der arabischen Welt. Das Fenster für Veränderungen sei in der Organisation nie so groß wie in der Phase eines Stabwechsels. Sie kam dann zur Suche nach einem Nachfolger in einer Organisation. »Ich find ja keinen« bedeute das Problem wegschieben, das sei dann so, wenn man noch nicht loslassen wolle. »Die Neue will vieles anders machen«, dies zuzulassen ist eine weitere Hürde.

Auch gutes Timing sei wichtig. Wenn der richtige Zeitpunkt verpasst ist, werde es Zeit, das Amt zu vergeben. Das Ehrenamt solle attraktiver gemacht werden, forderte Schulte.

Die Landestagung hatte insgesamt ein anspruchsvolles Programm mit Fachvorträgen unter anderem zum Thema Krebserkrankung und »Anästhesieverfahren bei Eingriffen« von Dr. Philipp aus Melsungen, einem Vortrag von Dr. Baumann aus Marburg über Vor- und Nachsorge sowie Prävention und von Ute Hartmann über »Lebendige Zeichen - Bedeutung und Entwicklung von Ritualen.« Am Sonntag hieß es bei Ulrike Lang aus Offenbach »Gib uns mehr Licht« und es ging um die Gestaltung der sogenannten Lucia-Andachten, bei denen der krebskranken Frauen gedacht wurde.

Nach der Pause ging es bei Alf von Kries aus Wiesbaden um die Schnittstelle Psychoonkologie-Selbsthilfe. Die Landesvorsitzende Heidemarie Haase dankte den Referenten und besonders Hilde Schulte für ihren bemerkenswerten Vortrag, der auch für andere Verbände und Gruppen als Wegweiser gesehen werden könnte.

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