21. Dezember 2010, 18:16 Uhr

Temperamentvolle Musik und Schmunzelgeschichten

Homberg (eva). Mit einem stimmungsvollen und klangprächtigen Konzert mit außerordentlicher Ausdruckskraft erfreute der Silcherchor Homberg unter der musikalischen Leitung von Reiner Eder kürzlich die Besucher in der evangelischen Stadtkirche in Homberg.
21. Dezember 2010, 18:16 Uhr
Der Silcherchor begeisterte die Zuschauer beim Adventskonzert. (Fotos: eva)

Homberg (eva). Mit einem stimmungsvollen und klangprächtigen Konzert mit außerordentlicher Ausdruckskraft erfreute der Silcherchor Homberg unter der musikalischen Leitung von Reiner Eder kürzlich die Besucher in der evangelischen Stadtkirche in Homberg. Von feierlich bis beschwingt reichte die Bandbreite der Darbietungen sowohl besinn- licher, als auch fröhlicher und temperamentvoller Weisen zum Advent. Bereichert wurde das Konzert durch Gesangssoli von Elisabeth Mach- müller (Sopran), Andreas Machmüller (Bass), Susanne Gellert (Sopran) und Steffen Gellert (Tenor), dem wohlklingendem Orgelspiel von Eva Kirchner sowie durch das Orchester des Schwalmgymnasiums Treysa. Auch in diesem Jahr gelang es dem Silcherchor seinen Besuchern mit seinem Konzert eine kleine Atempause in der hektischen Vorweihnachtszeit zu schenken und auf das bevorstehende Christfest einzustimmen. Letzteres erreichten die Sängerinnen und Sänger gleich mit der ersten Darbietung, dem harmonischen »Laudate omnes gentes“, aus »Gesänge von Taizé« von Jacques Berthier.

Mit einem Zitat von Hermann Hesse: »So begierig ich auf manch anderen Wegen nach Erlösung, nach Vergessen und Befreiung suchte, gefunden habe ich alles nur in der Musik«, hieß Vorsitzende Daniela Jensen die Gäste im voll besetzten Gotteshaus willkommen, bevor Eva Kirchner auf der Orgel Johann Sebastian Bachs »Wachet auf, ruft uns die Stimme« zu Gehör brachte.

Sicher habe man bereits beim Blick in das Programmheft festgestellt, das Chorleiter Reiner Eder wie in jedem Jahr ein bisschen gezaubert habe, dergestalt, dass es ihm auch in diesem Jahr wieder gelungen sei, Musikstücke und Lieder der Chorliteratur zu finden, die man entweder so noch nie, oder aber ganz anders gehört habe, bewertete Sopranistin Susanne Gellert das Repertoire des Abends. »Insofern macht Reiner Eder auch immer wieder unsere Ohren staunen, überrascht unsere Hörgewohnheiten und öffnet und bereichert unser musikalisches Verständnis in einer Art und Weise, dass man stets hinterher das Gefühl hat, man sei reich beschenkt worden«, ihr gehe es zumindest immer so, fügte Susanne Gellert hinzu. Weil das Schenken und Beschenktwerden ja nicht erst in unseren Tagen ein zentrales Thema der Weihnachtszeit sei, schließlich habe das Kind in der Krippe bereits kostbare Geschenke durch die Heiligen drei Könige erhalten, schenke der Silcherchor den Gästen, was er in den vergangenen Wochen musikalisch erarbeitet habe. Gleichzeitig machte Susanne Gellert auf ein Novum des Abends, wie sie es nannte, aufmerksam. Man könne natürlich zwischen der Musik eine Menge erbaulicher, ernster Adventsgedichte oder -texte sprechen. Man könne aber auch etwas tun, was in den hektischen Vorweihnachtstagen nachweislich Körper und Seele extrem gut tue. »Ich spreche vom Lachen, vom vergnügten Kichern und amüsierten Schmunzeln«, so Gellert. Denn man könne sicher sein, dass Gott auch gerne lache und es viel lieber habe, wenn die, die an ihn glaubten, lachten anstatt zu weinen. Mithin sei Lachen in der Kirche keine Missachtung der Heiligkeit des Raumes, sondern Ausdruck dafür, dass sich Glaube und Humor nicht ausschließen würden. Schließlich sei Humor eine der wichtigsten Gottesgaben für die Menschen, eine wehrhafte Rüstung für das Leben und die nicht immer gleich bleibend schönen Tage auf der Erde.

Danach erklang, von Eva Kirchner auf dem Klavier begleitet, »There was a star in Davids land«, von Martin Shaw, einer aus England überlieferten Melodie aus »Oxford Book Of Carols«, gefolgt von einem spanischen Weihnachtslied »A la nanita nana«, von Gwyn Arch, Musik Segundo Cueva Celi, bevor Andre Kuß eine etwas anders nacherzählte Weihnachtsgeschichte von Udo Lindenberg vorlas, mit der Quintessenz, dass Jesus alljährlich die Wolken beiseite schiebe und sich den »Weihnachtszirkus« mit den »lamettabehangenen Alibi-Abholern einmal im Jahr« von oben anschaue.

Ebenfalls von Gwyn Arch, Musik J. Fred Coots, Text Haven Gillespie, folgte unter Klavierbegleitung »Santa Clause is coming to town«, gesungen von Elisabeth Machmüller, Susanne Gellert (beide Sopran), Andreas Machmüller (Bass) und Steffen Gellert (Tenor) sowie im Anschluss Ralf Grösslers »Holy« aus »Mass of Joy«, gemeinsam dargebracht vom Chor und Solistin Elisabeth Machmüller, sowie Eva Kirchner am Klavier, die nachfolgend »Präludium G-Dur« von Mendelssohn-Bartholdy auf der Orgel spielte.

Zwischendurch hatte Susanne Gellert mit der Schmunzelgeschichte »Weihnachtliche Festbeleuchtung« die Auswirkungen einer übertriebenen Weihnachtsillumination in der Reihenhaussiedlung im imaginären »Önkelstieg« in ebensolchem Landkreis »Stenkelfeld« geschildert, wo durch den übertriebenen Wettbewerb der Weihnachtsillumination ein Kraftwerk explodierte - und das alles nur, weil den Menschen eine Kerze auf dem Adventskranz nicht genug war.

Nach dem adventlichen Chorstück »Übers Gebirge Maria geht«, von Johannes Eccard erschallte stimmgewaltig, harmonisch und wunderschön »Gegrüßet Maria, du Mutter der Gnaden«, von Johannes Brahms, gefolgt von dem Spiritual »Glorious Kingdom« von Wolfgang Kelber. Jeweils im Solopart und unter Klavierbegleitung war von Andreas Machmüller aus Weihnachtslieder von Peter Cornelius »Simeon« und anschließend von Steffen Gellert »Die Könige« zu hören.

Für »Adeste fideles« (Nun freuet euch ihr Christen) von Thomas Gabriel, Musik John Francis Wade, gemeinsam dargebracht vom Chor, Eva Kirchner am Klavier und Sologesang von Sopranistin Elisabeth Machmüller, gab Maestro Eder den Dirigentenstab an Daniela Jensen weiter. Es folgte »Lobt Gott, ihr Christen« von Leonhart Schröter und »Singet all’ zur Weihnacht« einem Weihnachtslied aus Frankreich.

Vor »Silent night« von Thomas Gabriel, Musik Franz Xaver Gruber, regte Susanne Gellert mit der Parabel »Es war einmal...« zum Nachdenken an, denn irgendwann drei Tage vor Weihnachten hatten alle Ausländer, einschließlich der Auslandsimporte, angefangen vom Kaffee, Kakao, Obst, bis hin zu Seidenartikeln, Öl, Benzin oder Kupfer die Beschimpfungen satt, verließen Deutschland und gingen zurück in ihre Heimatländer Nach drei Tagen war Deutschland ausländerfrei aber auch ohne befestigte Straßen, ohne Autos oder Unterhaltungselektronik und vielem mehr. Aber Tannenbäume gab es noch, auch Äpfel sowie Nüsse und »Stille Nacht« durfte mit Ausnahmegenehmigung gesungen werden, denn das Lied kommt ja aus Österreich. Doch Maria, Josef und das Kind waren geblieben, obwohl sie Juden waren. »Wir bleiben«, hatte Maria gesagt, denn »wenn wir aus diesem Lande gehen, wer will ihnen dann noch den Weg zurück zeigen, den Weg zurück zur Vernunft und zur Menschlichkeit?«.

Den Abschluss des meisterhaften Konzertes, sollte das musikalische Werk »Das neugeborene Kindlein« von Dietrich Buxtehude bilden, das aussagestark gemeinsam vom Chor und dem Orchester des Schwalmgymnasiums Treysa dargebracht wurde. Doch lang anhaltender Applaus am Ende der brillanten Darbietungen, die »geforderte« Zugabe, sowie große Anerkennung des Publikums waren auch bei diesem Konzert wieder eindrucksvoller Beweis für die hervor- ragende musikalische Präsentation. Die stimmliche Vielfalt, die Klarheit der Stimmen, ob als Solisten oder im Chor, der musikalische Beitrag des Orchesters, sowie die spürbare Harmonie zwischen Chor und Dirigent hinterließen erneut einen bleibenden Eindruck bei den Konzertbesuchern.

Dank kam auch von Seiten des Chores an das Publikum mit einer Passage aus einem Lied von Reinhard Mey: »Da waren freundliche Gesichter, und es war gut ein Lächeln zu sehn«. Die guten Wünsche für das kommende Jahr verband Susanne Gellert mit einer Aussage von Joachim Ringelnatz auf die Frage, was er tun würde, wenn er das neue Jahr regieren könnte. »Ich würde vor Aufregung wahrscheinlich die ersten Nächte schlaflos verbringen und darauf tagelang ängstlich und kleinlich ganz dumme, selbstsüchtige Pläne schwingen. Dann- hoffentlich - aber laut lachen und endlich den lieben Gott abends leise bitte, doch wieder nach seiner Weise das neue Jahr göttlich selber zu machen.«

Mit einem weiteren Dankeschön in Form eines Blumengrußes, den Vorsitzende Andrea Deeg an Reiner Eder und die Solisten überreichte, sowie der allerletzten Zugabe »Tollite hostias« aus dem Weihnachtsoratorium »de Noë« von C. Saint Saë, verabschiedeten sich Chor und Orchester von den Konzertbesuchern an diesem winterlichen Adventabend.

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