21. Februar 2010, 20:06 Uhr

Fasching für Franzosen erst mal etwas befremdlich

Homberg (kli). Homberg hat eine Partnerschaft mit der französischen Stadt Thouaré, die besonders durch die Schüleraustausche belebt wird. Dieser Tage trafen die Austauschschüler aus Frankreich ein und erlebten ganz neue Aspekte des Kennenlernens, die im Besonderen durch den Fasching und den Schneereichtum geprägt waren.
21. Februar 2010, 20:06 Uhr
Gruppenfoto an der Dampfmaschine mit den französischen Gästen und Dietrich Schulze-Horn sowie der Dolmetscherin Barbara Yeo-emde. (Foto: kli)

Homberg (kli). Homberg hat eine Partnerschaft mit der französischen Stadt Thouaré, die besonders durch die Schulen und Schüleraustausche belebt und gefördert wird. So war im Herbst eine Gruppe aus Homberg in der Partnerstadt nahe Nantes und erlebte die Gegend um Thouaré sowie die freundschaftlichen Beziehungen mit den Franzosen. Dieser Tage trafen die Austauschschüler aus Frankreich in Homberg ein und erlebten ganz neue Aspekte des Kennenlernens, die im Besonderen durch den Fasching und den Schneereichtum geprägt waren. Es handelte sich um vollständig fremde Gegebenheiten, mit denen man durch die Gasteltern und die Homberger Schule bald vertraut gemacht wurde. Teile des vorgesehenen Programms, das von Kommissionsmitgliedern ausgearbeitet und mitgetragen wurde, gehörten dazu.

Neben dem Empfang im Homberger Rathaus durch Bürgermeister Volker Orth am vergangenen Montag wurde unter der Begleitung von Kommissionsmitglied Horst Speckhardt Marburg besucht und der dortige Rosenmontagszug angesehen. Allerdings kamen die wärmeverwöhnten Gäste aus Thouaré durch die ungewöhnliche Kälte nur langsam in Fahrt, dennoch kamen sie wieder begeistert zurück. Am Dienstag stand der Besuch des Liebigmuseums in Gießen auf dem Programm. Fasziniert schaute man sich Versuche in den Originalräumen, wo einst Justus von Liebig wirkte, an. Dieser Programmpunkt kam gleichermaßen gut bei Schülern und Betreuern an. Am Nachmittag fuhren die Gäste aus dem Nachbarland nach Gemünden-Ehringshausen zum Karnevalsumzug und wurden zum Teil mit eingebunden. Austauschschüler hatten dafür gesorgt, und so war es nicht verwunderlich, dass die Jugendlichen übereinstimmend den Karnevalsumzug in Ehringshausen an die erste Stelle der Bewertungsliste setzten. An zweiter Stelle stand die Besichtigung des Besucherbergwerkes in Merkers. Am Mittwoch gab es deutsch-französische Sportereignisse in der Schulsporthalle mit Völkerball und dem Spiel »Läufer und Werfer« unter der Leitung von Frederike und Maximilian Feyh. Am Nachmittag gab es Kegeln im Güntersteiner Hof sowie die Besichtigung des Feuerwehr-Stützpunktes gegenüber in Kleingruppen. Danach besichtigte man den Luftschutzbunker unter der Schule, wobei sogar manche Lehrkräfte überrascht waren, weil sie von diesem Bauwerk nichts wussten. Ein wenig unheimlich war es in den Räumen schon.

Die Vorbereitungen für den Abschlussabend erfolgten bei Freistunden sowie bei der Tagung der beiden Kommissionen. Sehr gut kam auch das Schülerradio mit Holger Schäddel und Referendar Björn Skrybzek an. Die Vorbereitung dazu wurden von der Klasse 10G und der AG Schulradio geleistet. Dazu wurden die französischen Gäste interviewt und mit einer Bildershow in die Jugendaustauschfahrt vom Oktober 2009 eingebunden. Die Interviews erfolgten deutsch-französisch und sorgten für Nachahmung.

Am Donnerstag fuhr man nach Merkers ins Besucherbergwerk und erlebte die unterirdische Welt sowie die Geschichte des Abbaus unter Tage. Diese Führung nahm etwa drei Stunden in Anspruch und wurde begeistert aufgenommen. Am Freitag erfolgte dann der gemeinsame Ausflug von deutschen und französischen Jugendlichen nach Wettenberg-Wißmar ins Holz-Technik-Museum und nach Gießen mit Freizeit zum Geschenkeinkauf für Gasteltern und die Lieben zu Hause.

Besuch des Holztechnik-Museums

in Wettenberg-Wißmar faszinierte

Sehr viel Mühe gaben sich die Führungskräfte im Holz-Technik-Museum in Wettenberg-Wißmar, um der gemischten Gruppe mit französischen und deutschen Jugendlichen die Holztechnik aus vergangener Zeit sowie die Produktpalette, die aus Holz geschaffen wird, vorzustellen. Vom Träger des Museums ,der Heimatvereinigung Wißmar, waren Professor Eberhard Seidel, Dietrich Schulze-Horn und der ehemalige Förster Leicht zugegen und führten in drei Gruppen die Gäste durch das Museum am Ortsrand von Wißmar. Die französische Gruppe wurde von Dolmetscherin Barbara Yeo-emde begleitet, die gut verständlich alles Wissenswerte weitervermittelte. Zu den Besonderheiten zählten die einzelnen Abteilungen mit dem Gatterraum, der Dampfmaschine, dem Energieraum, dem Mitmachraum und vielem mehr. Auf den Bildwänden wurde der große Krofdorfer Forst vorgestellt, daneben die Waldarbeit von der Pflanzung bis zur Holzernte und der Verarbeitung bis hin zum Fachwerkhausbau. Die Besucher lernten die ehemalige Variante mit den Mannverstrebungen und die moderne Verstrebung mittels stabilen Spanplatten kennen. Wie zu erfahren war, gibt es Sägewerke mit Gattern nur noch ganz selten, diese seien durch riesige Kreis- oder Bandsägen abgelöst worden. Sie hätten weniger Rüstzeiten und schafften größere Durchsatzmengen.

Der gigantische Dampfkessel und seine Funktion mit der Weitergabe von Energie an einen Generator (riesiger Dynamo) konnte am praktischen Beispiel miterlebt werden. Die Dampfmaschinen ermöglichten in vergangenen Jahrhunderten bereits eine industrielle Mechanisierung mit hohen Arbeitsleistungen und veränderten damit auch das Arbeitsplatzgefüge, weg vom Wasserantrieb mit Mühlrädern hin zur Elektrizität. Die Dampfmaschine im Museum stammt aus dem Jahr 1937 und ist immer noch funktionsfähig. Sie leistet 100 PS. Aus dem Jahr 1690 datiere die erste Beschreibung einer mit Dampf betriebenen Kolbenmaschine. Nach dem Prinzip der Dampfmaschine würden heute 90 Prozent des Stromes in Deutschland erzeugt, hieß es. In einem Produktebaum gab es Hohlräume, in denen viele aus Holz hergestellte Materialien zu sehen waren. Erstaunt erfuhren die Jugendlichen, dass es Stoffe aus Holz oder mit Holzanteilen gibt. Auch die Ölherstellung aus Holz wurde gezeigt und alles was aus Zellulose gefertigt werden kann. Als Beispiel nannten die Führer Papier in unterschiedlichen Qualitäten. Im Erlebnisraum konnten durch Mikroskope Zellstrukturen aus nächster Nähe angesehen werden. Anhand von Jahresringen einer alten Eiche stieg man in die jeweiligen geschichtsträchtigen Jahre ein. Es zeigte sich damit ein lebendiger und einzigartiger Kalender der Geschichte.

Der Gang durchs Mitmachmuseum war von der Mechanik und den Holzverarbeitungs- und Antriebsmaschinen geprägt. Im Energieraum konnte man seine Kräfte messen und erfuhr wie viel Kilowatt in welcher Zeit dabei erarbeitet würden. Zur Energiegewinnung aus Holz gab es weitere Hinweise am Beispiel Eichenholz oder über das Wachsen von Holz und Steinkohle in unterschiedlich langen Zeitabschnitten. Die Entstehung von Kohlen richte sich nach Alter und Lagerschichten. Der Ausdruck Energie laute übersetzt »gespeichertes Arbeitsvermögen«.

Die Führer bescheinigten den Schülern aus Homberg und Thouaré einen hohen Aufmerksamkeitsgrad, viel Interesse und viel bereits vorhandenes Wissen. Der ehemalige Förster Leicht formulierte, es habe Freude gemacht mit diesen Gruppen das Museum zu erleben.

Am Nachmittag erfolgte die Fahrt nach Gießen und die Erkundung vieler Geschäfte. Am Abend traf man sich in der Aula der Ohmtalschule zum Abschiedsabend.



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