03. August 2009, 19:08 Uhr

Wie ist eigentlich das »Felsenmeer« entstanden?

Homberg (kli). Der Tier- und Naturschutzverein beteiligte sich jetzt zum 23. Mal an den Ferienspielen der Stadt und hatte sich mit dem Thema »Geologie zum Anfassen« beworben.
03. August 2009, 19:08 Uhr
Spannend fanden die Ferienspielkinder die alte Schafstränke unter mächtigen Linden. (Foto: kli)

Homberg (kli). Der Tier- und Naturschutzverein beteiligte sich jetzt zum 23. Mal an den Ferienspielen der Stadt und hatte sich mit dem Thema »Geologie zum Anfassen« beworben. 20 Kinder und acht Betreuer hatten sich dazu am Freitagnachmittag an den Dicken Steinen oberhalb von Nieder-Ofleiden eingefunden, um sich mit dem Thema an markanter Stelle vertraut zu machen. Später wurde auch noch auf Pflanzen und allgemeine Wachstumsbedingungen eingegangen. Die Leitung lag in den Händen der Vorstandsmitglieder Kurt Linker und Karl-Heinz Zobich.

Nach der Begrüßung stellte man den Kindern die Buntsandsteinformation Naturdenkmal Dicke Steine vor und erklärte die Entstehung, die unmittelbar auch mit der Geschichte des Felsenmeeres oder des Handsteinsgrabens in Verbindung gebracht wird. Auf einer Hinweistafel stand in Kurzfassung die Entstehungsgeschichte aus verschiedenen geologischen Zeitaltern. Im älteren Tertiär - vor etwa 40 Millionen Jahren - lagerten sich auch im Felsenmeer zunächst mächtige Sandbänke ab, die in späteren Perioden durch die vulkanischen Gesteinsmassen des Hohen Berges teilweise überdeckt wurden. Im jüngeren Tertiär - vor etwa drei bis vier Millionen Jahren - kam es durch ständige Überflutungen zu weiteren Ablagerungen. Aus den zumeist kieselhaltigen Schichtungen bildete sich eine mächtige Steinbank heraus, die Jahrtausende später von einem Bachlauf kerbartig unterspült wurde. Es entstand zunehmend ein Hohlraum, sodass die ehemals durchgehende Steinbank einstürzte und als so genanntes Felsenmeer auf den Hangseiten des Tälchens liegen blieb.

Relativ einfach gelang es, den interessierten Kindern ein Stück Erdgeschichte näher zubringen. Dies geschah auch mit Hinweisen zu passenden Pflanzen und den Wachstumsbedingungen im Wald und Feldbereich. Linker zeigte den Mutterboden als Auflage, mit dem das Wachstum erst möglich ist. Er war gut am schwarzen Humusanteil zu erkennen. Darunter lagen weißer und roter Sand, der fast kein Pflanzenwachstum (außer Pionierarten) zulässt. Im Bereich des Felsenmeeres zeigten sich der Hainsauerklee und der Rippenfarn neben Moosarten als Erstbesiedler. Dazu, so Linker, ist auch ein gewisser Feuchtigkeitsgrad erforderlich, der aus porösem Gestein austritt oder durch einen hohen Luftfeuchtigkeitsgehalt zur Verfügung steht. Auf dem grabenbegleitenden idyllischem Pfad wanderte die Gruppe weiter in das Feld und stoppte im Schatten des Waldrandes. Zum einen weil Karl-Heinz Zobich mit der Becherlupe Dung- und Marienkäfer vorstellte und zum anderen weil Roter Holunder fruchtend und Bärenklau blühend zu bestaunen war. Dann kam der Moment, um mit kleinen Sandsteinplatten das einfachste Werkzeug vorzustellen. Diese fanden früher als Reibesteine eine Verwendung. Die Kinder probierten das Verreiben von Weizenkörnern zu Mehl ausgiebig, und es gelang. Durch das Feld führte die Wanderroute weiter, und auf artenreichen Grünlandstandorten blühte eine Vielzahl von Sommerpflanzen, die wiederum Tagfalter, Bienen und Schwebfliegen anzogen. Besonders beeindruckend waren die mächtigen alten Linden oberhalb der Schafstränke. Diese Tränkestelle war freigemäht worden und konnte vorgestellt werden. Leider fehlt es noch an den Quellanschlüssen, damit ein geschichtlich markanter Ort wieder so wie einst erscheint. Natürlich interessierte diese Steinrinne die Teilnehmer besonders.

Die Vorstandsmitglieder hatten sich bemüht all das Interessante am Wegrand kindgerecht zu erklären und konnten damit begeistern. Im Schatten der Linden gab es noch einen stärkenden Imbiss und Getränke.



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