03. Juli 2008, 20:44 Uhr

Tuten auf dem Horn - und neuer Stollen qualmte

Homberg-Nieder-Ofleiden (ks). Ein Tuten auf dem Horn, zwei ohrenbetäubende kurze Explosionen, dichter Qualm aus dem Tunnel - ganz in der Tradition der Bergmannszunft wurde gestern im Steinbruch der sogenannte Stollenanschlag gefeiert.
03. Juli 2008, 20:44 Uhr
Andreas Heinicker, einer der Sprengmeister, gibt auf dem Horn das Startsignal zur Sprengung.

Homberg-Nieder-Ofleiden (ks). Ein Tuten auf dem Horn, zwei ohrenbetäubende kurze Explosionen, dichter Qualm aus dem Tunnel - ganz in der Tradition der Bergmannszunft wurde gestern im Steinbruch der sogenannte Stollenanschlag gefeiert. Zu dem ungewöhnlichen Ereignis hatten sich zahlreiche Gäste auf dem Gelände des Basaltsteinbruchs der Mitteldeutschen Hartstein-Industrie eingefunden. Die Hessische Industriemüll GmbH (HIM) betreibt seit 1981 auf dem Gelände eine Monodeponie für Rückstände und Abfälle mineralischen Ursprungs. Diese Deponie machte es notwendig, die gesamte Entwässerungssituation zu prüfen. Der Betreiber entschied sich für den Bau eines begehbaren Entwässerungskanals. Der Stollen wird 204 Meter lang, der Bau erfolgt in der neuen österreichischen Tunnelbauweise. Projektleiter Thomas Borgerding erläuterte in der Begrüßung die Wichtigkeit des Standortes für die Region und für die Entsorgungswirtschaft. Die feierliche Segnung der Bergleute blieb den beiden evangelischen und katholischen Geistlichen Dekan Dr. Jürgen Sauer und Jerzy Dmytruk vorbehalten.

Borgerding verwies darauf, dass die Deponie wächst, so habe die Firma Fritz Winter aus dem nahen Stadtallendorf großes Interesse am Erhalt des Standortes. Sie lagert dort sogenannte Formsande - Rückstände aus der Gießereiproduktion - ein, bis heute rund vier Millionen Tonnen. Der Vorstandsvorsitzende der MHI Holding AG (Hanau), Georg Hagemeier, sagte, dass am Standort Nieder-Ofleiden bis heute schon an die zehn Millionen Tonnen Gestein gebrochen worden sind. Der Steinbruch (»ein Kernbetrieb der MHI«), ist seit 100 Jahren in Betrieb, er sei heute auf dem Gebiet der alten BRD der größte Lieferant von Schotter an die Deutsche Bahn AG. »Wir haben hier eine sichere und funktionstüchtige Deponie,« so Hagemeier, und die Investition von mehreren Millionen Euro für den Entwässerungsstollen zeige deutlich, dass der Betrieb der Deponie noch weitere Jahrzehnte vorgesehen sei. »Das sichert auch ortsnah Arbeitsplätze.«

Bürgermeister Volker Orth stellte Homberg vor und ging kurz auf Anspielungen seines Vorredners ein, dass die Stadt in früheren Zeiten nicht immer wohlwollend auf die Ablagerungen auf dem Gelände reagiert hat. »Wir haben uns hart, aber fair auseinandergesetzt,« so Orth. Er verwies auf die nahende Stein-Expo Anfang September auf dem Gelände und empfahl einen Besuch im Brauhausmuseum, wo Exponate aus einer Zeit gezeigt werden, »als wirklich noch mühsam Stein für Stein gebrochen wurde.«

Ekkehart Daute, technischer Geschäftsführer der Arge Stollen, welche die Arbeiten ausführt, wünschte in einem Grußwort dem Tunnelprojekt gutes Gelingen und wirtschaftlichen Erfolg. Die Geistlichen Dr. Jürgen Sauer und Jerzy Dmytruk gaben neben einer Statue der Heiligen Barbara, der Schutzpatronin der Bergleute, dem Vorhaben den geistlichen Segen. Ursula Hagemeier hatte sich Vorfeld der Feier zur Übernahme der Tunnelpatenschaft bereit erklärt und sprach als Namensgeberin des künftigen »Ursula-Stollens« den Mineuren für ihre Arbeit unter Tage viel Glück und Erfolg aus und vor allem wünschte sie, »dass alle wieder heil und gesund ans Tageslicht kommen.«

Dann löste sie mit Hilfe eines Sprengmeisters die sogenannte Abschlagssprengung aus und dann wurde gemeinsam das Bergmannslied »Glück auf der Steiger kommt« gesungen. Eine anschließende Besichtigung der bereits hergestellten Stollenstrecke war möglich, nachdem sich der Qualm verzogen hatte. Im eigens aufgebauten »Bergmannszelt« wurde sodann ein zünftiges »Steigerbuffet« serviert.



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