10. September 2021, 21:49 Uhr

Hochwasserschutz wird geprüft

10. September 2021, 21:49 Uhr
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Von Rolf Schwickert
Die Hochwasser führende Felda an der Rosselmühle in Nieder-Gemünden. FOTO: EVA

Gemünden (rs). Die Bilder aus dem Ahrtal gingen um die Welt, in Deutschland haben sie erst einen Schock und dann eine Debatte ausgelöst: Wie steht es um Hochwasserschutz vor dem Hintergrund von immer mehr Wetterextremen? Diese Frage beschäftigt auch die Gemündener Kommunalpolitiker. Denn aus gegebenem Anlass wünscht die BGG die Ausarbeitung eines Konzepts zum Hochwasserschutz. Man sollte auf verschiedene Eskalationsstufen reagieren können, heißt es in dem Antrag. Der westliche Vogelsbergkreis entwässere über Ohm und Felda, und beide Bäche würden sich in der Aue unterhalb von Burg- und Nieder-Gemünden vereinigen. Deshalb hatte man vor rund 30 Jahren die große Kläranlage hinter Erdwällen gesichert.

Lukas Becker (SPD) befürwortete die Anregung grundsätzlich. Man könne aber festhalten, dass die vorhandene Infrastruktur mit den im Ahrtal niedergegangenen Wassermassen nicht fertig würde. Andererseits sei aber die Topografie in Gemünden so ausgelegt, dass es nicht zu den Schäden komme, die das enge Ahrtal begünstigt habe.

Neu: App »Mein Ort«

Bürgermeister Lothar Bott regte an, einen Vertreter der Unteren Wasserbehörde in einen Ausschuss zu laden. »Ja, wir haben Hochwasser, aber in den Orten sind historisch begründet die Häuser oft hoch heraus gebaut«, machte der Bürgermeister auf Maßnahmen der Altvorderen aufmerksam. Zudem sei die Kanalisation sehr groß dimensioniert, weil man mal gedacht hatte, dass der gesamte westliche Vogelsbergkreis bei Gemünden entsorgt werde.

Jürgen Lutz signalisierte Zustimmung von der UBL, aber es sei die Frage, was dabei herauskommen könne. Eine Folgerung könne sein, dass Zonen definiert würden, wo nicht mehr gebaut werden dürfe. Zudem könne es auf die richtige Bewirtschaftung von Ackerfläche in Hanglage ankommen. Tobias Reitz (BGG) ergänzte, solche Naturereignisse könne man nicht verhindern, aber man sollte vorbereitet sein. Das Thema wurde einstimmig in den Bauausschuss verwiesen.

Hatte das Thema Hochwasserschutz den Klimawandel zum Hintergrund, so berieten die Gemeindevertreter in der Folge auch ein Thema wegen eines Wandels der Mediennutzung. Denn die BGG regte an, die App »Mein Ort« einzuführen. Sie könne ein Ersatz sein für das seitherige Gemeindeblättchen (»Ohmtalbote«), das immer weniger bezogen und von den Vereinen genutzt werde, wie Tim Henkel begründete. Von der UBL äußerte Dunja Werneburg, wahrscheinlich komme mit der App auf die Gemeinde monatlich ein Betrag rund 200 Euro zu. Im Vogelsbergkreis nutze das Angebot bisher Feldatal. Sie sei sehr dafür, das zu testen, aber man müsse überlegen, ob man dafür auch Geld bezahlen wolle. Bei vier Enthaltungen wurde der Antrag angenommen.

Zum Vertrag der Gemeinde mit der DEGES (Bau der A 49) zur Nutzung von Wegen zum Umlegen der Gasleitung sagte Bott, es seien auch kommunale Wege betroffen, die im Planfeststellungsbeschluss nicht enthalten seien. Man könne als Ausgleich eine Erneuerung des asphaltierten Weges zwischen Nieder-Gemünden und Rülfenrod bekommen und zusätzlich das Asphaltieren eines rund 700 Meter langen Schotterweges. Weiterhin bekomme man eine Verwaltungskostenpauschale von 15 Prozent der Bausumme. Tobias Reitz von der BGG nannte eine Entschädigung selbstverständlich. Allerdings habe die BGG sich bemüht, jemanden zu finden, der von dem neu zu asphaltierenden Weg zwischen zwei Maisfeldern einen Nutzen habe, aber niemanden gefunden. Deshalb wolle man sich den Abschnitt vor Ort ansehen und das Thema im Bauausschuss behandeln. Bürgermeister Bott entgegnete, dass ein geschotterter Weg in schlechtem Zustand sicher nicht genutzt werde. Sei der Weg aber in Ordnung, werde ihn die Bevölkerung annehmen. Zudem sei der Weg eine sinnvolle Querverbindung für die Landwirte. Bürgermeister Bott zog eine Parallele zum mittlerweile geteerten Weg zwischen Burg-Gemünden entlang der Vogelsbergbahn zur Kläranlage. Den ursprünglichen Feldweg habe auch kaum jemand genutzt, aber geteert erlebe er einen großen Zulauf. Jürgen Lutz (UBL) lobte Bürgermeister Bott für seinen Einsatz zur Verbesserung der Infrastruktur.

Nach einer Sitzungsunterbrechung signalisierte Tobias Reitz für die BGG Zustimmung, und der Vorgehensweise des Bürgermeisters wurde bei drei Enthaltungen aus der UBL einstimmig statt gegeben.



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