03. September 2021, 21:49 Uhr

»Hier bin ich Mensch«

Geboren ist er in Usbekistan, über Stationen in Armenien und Moskau kam Wladir Arutti als Kind mit seinen Eltern nach Hessen. Seit einiger Zeit nun schon ist der Frankfurter Designer und Künstler Wahl-Groß-Eichener und damit sehr zufrieden. »Es ist toll hier«, sagt er aus vollem Herzen. Zwar hat die Corona-Krise geschäftlich Spuren hinterlassen, doch der Schaffensdrang des 36-Jährigen ist ungebremst.
03. September 2021, 21:49 Uhr
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Von Kerstin Schneider
Wladimir Arutti in seinem Haus in Groß-Eichen mit einem Teil seiner Handtaschenkollektion. FOTO: KS

Am Gartentor begrüßt zuerst ein kleines Fellknäuel die Besucher, Hündchen Luis gehört zum Haus. Hinter der Pforte öffnet sich eine bunte Welt, welche von der schöpferischen Kreativität des Hausbewohners zeugt. Denn Wladimir Arutti ist nicht nur Mode- und Handtaschendesigner, sondern entwirft auch Möbel und Schmuck sowie Kunstwerke in vielfältiger Form, etwa als Maler oder Bildhauer.

Sein Elternhaus steht in Bad Vilbel. Vor einiger Zeit fand seine Familie, die Mutter lebt in Homberg/Ohm, der Bruder ist ebenfalls Kreativ-Arbeiter, das Haus mit Garten in Groß-Eichen. Schön früh war klar, dass er sich für alles interessierte, was mit Handwerk und Design zu tun hat. »Ich entdecke mich gern immer wieder neu« ist zu einem Lebensmotto des Designers geworden.

Modenschau wird nachgeholt

Erste Erfahrungen mit der Mode machte er unter anderem, als er Kostüme für eine Vilbeler Tanzgruppe nähte. Nach dem Abschluss der Modeschule in Frankfurt/Main galt es eine Durststrecke zu überwinden, denn um in der schnelllebigen Modewelt mit ihrem hohen Konkurrenzdruck Fuß zu fassen, ist vor allem eines wichtig, sagt er rückblickend: »Durchhalten!«

So gelang es schließlich, einen Laden mit Kreationen aufzubauen, »bei denen mindestens 51 Prozent mit Nadel und Faden per Hand genäht werden.« Das ist nicht für jeden Geldbeutel etwas, aber er fand Kundinnen, die solche Qualitätsarbeit zu schätzen wissen. Auch seine Kollektion mit extravagant gestalteten Ledertaschen kam an, etliche Geschäfte wollten sie ins Sortiment nehmen. Dann kam die Corona-Krise und hat ihn wie viele Selbstständige »ganz schön in die Knie gezwungen,« wie er erzählt. Geschäfte mussten pandemiebedingt schließen, Messen fanden nicht mehr statt und eine in seinem Groß-Eichener Garten geplante Modenschau zur Frankfurter Fashion Week fiel aus (»Die hole ich nach!«).

So widmete er sich in den vergangenen Monaten mehr seiner Kunst, experimentierte unter anderem mit Arbeit aus Betonguss. Einige davon zieren jetzt das Haus: »Ich bin Künstler und muss immer etwas in dieser Richtung machen«. Das hat auch geholfen, die Corona-Pandemie durchzustehen.«

So füllte sich das obere Stockwerk im Haus schnell mit Dekorationsgegenständen, die er in der Weihnachtszeit im benachbarten Edeka-Markt Fuchs vorstellte.

Einen Ausgleich zum Leben in Frankfurt, wo er nach wie vor eine Bleibe hat, findet er in Groß-Eichen, Fluchtburg und Rückzugsort mit viel Natur und netten Nachbarn. »Wenn ich aus Frankfurt zurückfahre, dann wächst immer schon die Vorfreude.« Manchmal beherbergt das Haus auch Prominente aus Fernsehen und sozialen Medien, wenn etwa ein Fotoshooting oder ein Videodreh rund um seine Kreationen ansteht.

Dorfleben gefällt

Sein Modelabel hatte er 2016 mit seinem Bruder Georg gegründet. Damit wollen sie nach eigenen Worten unter anderem »architektonische Designelemente spielerisch in die Mode einbinden.«

Seine Mode und seine Taschen hat Arutti schon in Städten wie New York präsentiert, aber für ihn steht fest: Im beschaulichen Groß-Eichen »kann ich so sein wie ich bin. Es gibt hier zudem einfach mehr Gemeinschaft als in der Stadt.«



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