16. Februar 2021, 21:36 Uhr

Hausärzte raten zum Impfen

Wann kommt genügend Impfstoff? Soll ich mich impfen lassen? Kann ich den Impfstoffen vertrauen? Was ist, wenn sie nicht gegen neue Mutationen des Virus wirken? Es gibt viele Fragen. Heimische Hausärzte haben darauf Antworten.
16. Februar 2021, 21:36 Uhr
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Von Rolf Schwickert
»Lassen Sie sich impfen, und zwar so schnell wie möglich. Wer irgendwie in der Lage ist, ein Impfzentrum aufzusuchen, sollte dies tun«, appellieren die Hausärzte Dr. Jörg Jewert (l.) und Michael Buff. FOTO: PM

Die Verunsicherung ist groß: Die Impfstoffe sind neu, Langzeiterfahrungen gibt es keine. Also heißt es vertrauen. Hausärzte aus dem Verbreitungsgebiet der Alsfelder Allgemeinen Zeitung haben seit fast einem Jahr Erfahrungen gesammelt, mit ihren Patienten und vor allem mit den Impfungen und den Nachwirkungen - und sie nehmen Stellung.

Susanne Sommer ist eine der Ärztinnen, die für die Hausarztpraxen in Ruppertenrod und Bobenhausen verantwortlich sind. »Menschen, die erkrankten, können einen leichten Verlauf, aber auch einen schweren Verlauf der Erkrankung haben«, sagt sie. Umso älter und umso kränker, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, einen schweren Krankheitsverlauf zu erleiden, der sogar mit dem Tod enden kann.

Dabei ist die Alterstufe ab 70 Jahren besonders betroffen. Aber auch schon mit 50 und Risikofaktoren kann es passieren, einen schweren Krankheitsverlauf zu haben. Das bringe das Gesundheitssystem in eine schwierige Lage. Die stark Erkrankten benötigen eine lange intensivmedizinische Betreuung. Liegezeiten von mehreren Wochen führen dazu, dass Kliniken keine neuen Patienten aufnehmen können. Deshalb sei es wichtig, die Zahlen möglichst niedrig zu halten.

Sommer: »Ich bin bei den Impfungen in den Altenheimen beteiligt, somit habe ich einen Einblick in die bisher aufgetretenen Nebenwirkungen.« Die Impfungen wurden gut vertragen. Vereinzelt sei es bei der zweiten Impfung zu einer lokalen Reaktion an der Impfstelle gekommen und Fieber für einen Tag. Schwere Reaktionen sein in der Region nicht beschrieben worden. Es handelt sich um einen Impfstoff, der alle Phasen der Überprüfung durchlaufen hat. »Es gab keine schweren Zwischenfälle.«

Sommer fragt weiter: »Wie soll unser Leben aussehen, wenn wir keine Impfung haben?« Das könne Isolation, nur wenige soziale Kontakte, weiteres Herunterfahren des öffentlichen Lebens bedeuten. Das wolle eigentlich keiner mehr schon nach dieser kurzen Zeit. »Man sollte seine Ängste ablegen und sich impfen lassen.« Sie wünscht sich darüber hinaus, dass auch die Hausärzte zügig geimpft werden. Denn 85 Prozent der Covid-Fälle werden in ihren Praxen behandelt. »Wir machen Tests, sehen Kranke in der Infektionssprechstunde und besuchen infektiöse Patienten zu Hause.«

Michael Buff und Dr. Jörg Jewert von der Hausärztepraxis Gleen-Felda in Kirtorf und Nieder-Gemünden sind im Auftrag des Kreises als Impfärzte unterwegs und haben bisher in Homberg und Schotten Impfungen gegen Corona durchgeführt. Sie fassen ihre Erfahrungen so zusammen: »Nach der ersten Impfung gab es bis auf Schmerzen im Arm keine wesentlichen Reaktionen, nach der zweiten Impfung entwickelten einige Menschen insbesondere mittleren Alters einen Tag Fieber, Glieder- und Kopfschmerzen, waren aber einen weiteren Tag später wieder beschwerdefrei.«

»Wir als impfende Ärzte hatten das Privileg, mit einer nicht eingeplanten Dosis geimpft zu werden«, berichtet Michael Buff. »Ich selbst hatte bis auf Schmerzen im Arm und etwas Müdigkeit am nächsten Tag keine Beschwerden.« Sein Kollege dagegen hatte nach der zweiten Impfung einen Abend Fieber. »Da hat mein Immunsystem mal richtig gearbeitet« meint Jewert. »Wir sehen täglich Patienten mit Covid-19 in unserer Praxis.

Die meisten Krankheitsverläufe sind harmlos oder wie bei einer leichten bis schweren Grippe, einige Ältere aber sind mit oder an Covid-19 verstorben, manche jüngere Patienten berichten über anhaltende Müdigkeit, fehlende Belastbarkeit, Herzrasen und Konzentrationsstörungen. Bei Covid-19 handelt es sich um eine sehr ernst zu nehmende Erkrankung«, so Michael Buff.

Impfung daheim kann noch dauern

Da es derzeit kein Medikament gebe, welches die Erkrankung heilt, sei die Impfung die einzige Chance, diese Pandemie zu besiegen. Der Impfstoff basiert auf Forschungen, die seit 25 Jahren betrieben werden. Theoretisch sei er nicht gefährlicher als andere Impfstoffe, er sei aber wesentlich effektiver. Man könne nicht mit Sicherheit sagen, dass bei der millionenfachen Anwendung unerwartete Ereignisse auftreten, »vielleicht nach einem längeren Zeitraum«. Das werde ständig beobachtet. Allerdings beginnen sogenannte Spätfolgen innerhalb von sechs Wochen nach der Impfung, es wurde bisher keine statistische Häufung beobachtet«, berichtet Michael Buff.

So steht das Risiko einer Covid-19-Erkrankung gegen ein theoretisches, aber bisher nicht beobachtetes Risiko einer relevanten Schädigung durch die Impfung. Für uns ist da die Entscheidung klar«, meinen Buff und Jewert. »Lassen Sie sich impfen, und zwar so schnell wie möglich. Wer irgendwie in der Lage ist, ein Impfzentrum aufzusuchen, sollte dies tun. Bis die Impfungen zu Hause erfolgen, wird es noch eine Weile dauern.«

»Wir möchten gern bald zusammen im Impfzentrum in Alsfeld mitarbeiten und sehen hier eine große Chance, in Zukunft wieder ein Stück Normalität in unser Leben einkehren zu lassen«, schreiben Birgit Beyer, Fachärztin für Allgemeinmedizin, und ihre Tochter Franziska, die als Medizinische Fachangestellte in der Praxis mitarbeitet.

»Wir setzen uns tagtäglich kritisch mit der aktuellen Datenlage zur Sicherheit und Wirksamkeit der verfügbaren Impfstoffe auseinander und empfehlen deshalb unseren Patienten ausdrücklich, die Corona-Impfung in Anspruch zu nehmen«, betonen die beiden Frauen von der Landarztpraxis Feldatal.



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