20. Mai 2021, 21:37 Uhr

Gut für Bauern und Natur

Gegen Uferrandstreifen gibt es oft Kritik aus der Landwirtschaft. Denn dadurch liegen zehn Meter breite Bereiche an Bächen brach und können nicht mehr für den Anbau von Nahrungsmitteln und Viehfutter genutzt werden. Bei Windhausen läuft das geräuschlos, weil über die Flurneuordnung Ersatzflächen für Landwirte verteilt werden. So verbinden sich Naturschutz und Landwirtschaft ohne große Konflikte.
20. Mai 2021, 21:37 Uhr
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Von Joachim Legatis
Auch das ist Flurneuordnung: Zehn Meter am Ufer des Göringer Bachs werden nicht mehr bewirtschaftet. Der Pfosten mit dem weißen Kopf im Hintergrund markiert die Grenze zum Wiesenweg und Acker, am Ufer Thomas Steuernagel, Bernhard Grimm und Stefan Sudmeier (v. l.). FOTO: JOL

Sie zieht sich über zehn Jahre und mehr, kostet gut zwei Millionen Euro und hilft Landwirten, den Strukturwandel zu bewältigen. Die Flurneuordnung ist ein langer Prozess, der die Landschaft verändert. Sie dient dazu, kleine Äcker und Wiesen zu größeren Landwirtschaftsflächen zusammenzulegen. Und sie ist ein Motor für Naturschutz, wie sich in Feldatal zeigt.

Wer wissen will, was Flurbereinigung schafft, sollte sich den Leichweg bei Windhausen genauer anschauen. Der Feldweg an der Gemarkungsgrenze von Kestrich und Windhausen ist asphaltiert, durchquert den neuen Uferrandstreifen am Göringer Bach und berührt ein junges Feldgehölz. Dort bilden Sträucher und Bäumchen bereits ein dichtes Gestrüpp, das Tieren einen Öko-Trittstein zwischen Wiesen und Äckern bietet.

Erkennbar ist auch, dass relativ große Äcker in einem Stück bearbeitet werden, was die Arbeit für die Landwirte deutlich erleichtert.

Bereits seit 2004 läuft das Flurbereinigungsverfahren Windhausen und bietet auch für die Ortsbewohner einen Mehrwert. So ist in den vergangenen Monaten ein Naturlehrpfad bei Kestrich entstanden, der die Schönheiten der heimischen Natur in den Mittelpunkt stellt.

Viele Pläne gewälzt

Flurbereinigung ist also deutlich mehr als nur eine Unterstützung für Landwirte. Das sieht auch Thomas Steuernagel so, der Vorsitzende der Teilnehmergemeinschaft. »Dabei wird die Chance genutzt, Splitterparzellen zu größeren Grundstücken zusammenzulegen.« Die lassen sich leichter mit den zunehmend größeren modernen Maschinen bearbeiten. Zudem werden die Wirtschaftswege ausgebaut.

Für die Gemeinde ergibt sich der Vorteil, mit 80 Prozent Förderung die Feldwege auszubauen. Zudem gibt es diese hohe Förderung beim Kauf von Uferrandstreifen, wie Stefan Sudmeier vom Amt für Bodenmanagement erläutert. Das Geld kommt von der EU, dem Bund und dem Land. Die Kommune ist verantwortlich dafür, die europaweite Wasserrahmenrichtlinie umzusetzen. Diese schreibt vor, dass an einem Bach oder Graben ein zehn Meter breiter Streifen nicht mehr bewirtschaftet wird. Das würde die Bauern hart treffen, immerhin umfasst das im Bereich der Flurneuordnung rund 15 Hektar Acker und Grünland.

Weil aber bei einem Flurbereinigungsverfahren die eingebrachten Flächen umverteilt werden, entsteht den Landwirten kein Verlust. Denn sie bekommen am Ende des Verfahrens ein gleichwertiges Grundstück oder einen finanziellen Ausgleich. Lediglich 0,8 Prozent der eingebrachten Grundstücke werden nicht verteilt, dieser Flächenanteil wird benötigt für Wege, Feldgehölze oder Uferstreifen.

Solch eine Flurneuordnung bedeutet viel Arbeit, wie Bernhard Grimm vom Amt für Bodenmanagement verdeutlicht. Nach dem Start im Jahre 2004 mussten zunächst alle Grundstücke im Grundbuch erfasst werden. Vor der Neugestaltung mussten Flächennutzungplan, Pläne von Wasserschutzgebieten, Windkraftanlagen inklusive der Stromleitungen und andere Unterlagen aufgenommen werden. Darauf fußt ein Wege- und Gewässerplan. Bis zu einer Anhörung von Behörden und Naturschutzverbänden sind da bereits fünf Jahre ins Land gegangen, berichtet Grimm.

Erst 2009 startete man mit dem Bau der neuen Wege, darunter der nun asphaltierte Leichweg. Allein von 2011 bis 2016 planten die Fachleute des Amts die Uferrandstreifen an Antreff, Göringer Bach und Roßbach.

In den Jahren 2017 und 2018 stand die Umverteilung der Grundstücke an. Aus 1055 Flurstücken wurden 580 gemacht. »Es muss mit jedem Teilnehmer eine Vereinbarung getroffen werden, schon um nachher möglichst wenige Widersprüche gegen den Plan zu haben«, sagt Sudmeier. Das Ergebnis dieses mühseligen Verfahrens ist erfreulich, »ich habe keine Kritik gehört«, wie Steuernagel anfügt.

Das liegt vielleicht auch daran, dass die Teilnehmer in all den Jahren über den Vorstand der Teilnehmergemeinschaft eingebunden sind. Dem gehören neben Thomas Steuernagel noch Helmut Scharch, Axel Steuernagel, Armin Rühl und Hartmut Emmrich an.



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