08. August 2021, 20:42 Uhr

Grundwasserpegel sinkt weiter

08. August 2021, 20:42 Uhr
Dr. Wolfgang Dennhöfer (li.) und Hans-Jürgen Rupp freuen sich über die naturnahe Eifaquelle. FOTO: PM

Ein Quellzufluss der Eifa darf wieder natürlich fließen, aber die Grundwasserstände geben Grund zur Sorge um die Bäume. Auf Anregung der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald wurde in dem Waldstück bei Alsfeld-Eifa die natürliche Verbindung von Bach und Grundwasser wieder hergestellt. Jahrzehntelang war dort der Eichborn gefasst, das bedeutet, dass ein Plastikrohr in einem mächtigen Schachtring endete, der mit einem Betondeckel abgedeckt war.

Naturschützer Dr. Wolfgang Dennhöfer freut sich über die naturnahe Quelle. »Das sind sind fantastische Lebensräume.« Viele Mikroorganismen und spezialisierte Grundwassertiere sind daran beteiligt, dass aus Regenwasser das wichtigste Lebensmittel wird. Aus dem Grundwasser wandern manche dieser Spezialisten des Nachts in die Quellen und manche Bachbewohner retten sich ins Grundwasser, wenn das Bächlein trocken fällt. Deshalb ist es für den biologen sehr wichtig, dass »verbaute« Quellen renaturiert werden. Zu dieser besonderen Lebensgemeinschaft gehören auch seltene Libellen und Feuersalamander, deren Larven kühles, sauerstoffreiches Wasser brauchen.

Hans-Jürgen Rupp als Vorsitzender der SDW Vogelsberg ffreut sich über die Freilegung der Quelle. Die nahe Forststraße ist ein viel genutzter Spazierweg, inzwischen verläuft dort der Lutherweg. Die Menschen können dort wieder Quell-Natur erleben. Nun sollen noch eine Schautafel aufggestelt werden. Basaltblöcke sollen als Tritt- und Sitzsteine am Rand der Quelle aufgestellt werden.

Gegen Pools

Rupp und Dennhöfer ziehen eine direkte Verbindung zwischen Quellen und Grundwasser. »Der Grundwasserstand macht uns große Sorgen.« So verweist Rupp auf Messdaten aus einem Brunnen bei Ohmes für das »Messnetz des Landesgrundwasserdienstes«. Dort sinkt der Pegel seit Jahren. Vor 2014 stand der Wasserspiegel etwa 55 Meter unter der Oberfläche. Im Frühjahr 2020 hatte er den niedrigsten Stand seit langem. In diesem Jahr wird ein neuer Negativ-Rekord mit 59,30 Metern verzeichnet. Das bedeutet eine Absenkung des Grundwasserspiegels um mehr als 4 Meter, wie Rupp aus den Beobachtungen eines SDW-Mitglieds zitiert.

»Überall dort, wo Bäume mit dem Grundwasserstockwerk in Kontakt sind, ist eine Absenkung um vier Meter eine Katastrophe.« Obwohl der letzte Winter nicht so übel war, was die Niederschläge angeht: verschwindet unser Wasser-Defizit einfach nicht.

Der Kreisverband Vogelsberg der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald appelliert deshalb an die Vogelsberger Politiker, insbesondere an die Abgeordneten im Landtag: »lasst nicht nach im Kampf um das Vogelsberger Grundwasser«. Waldschutz im Zeichen des Klimawandels bedeutet, nicht nur klimageschädigte Fichten aus dem Wald hinaus zu fahren. »Wir brauchen einen klima-und natur-bewußte Wasserwirtschaft - also zum Beispiel ein extra Leitungsnetz für Nicht-Trinkwasser in den Neubaugebieten in Frankfurt und Umgebung.«

Mit Sorge sehen die Naturschützer auch, wie sich in jüngerer Zeit Tieflader mit Swimming-Pools durch Vogelsberger Orte gequält haben. Eigene Pools sind kein verantwortungsvoller Umgang mit wertvollem Wasser. Wir müssen schleunigst umsteuern beim Umgang mit dem Wasser, fordert Dennhöfer.

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