15. September 2014, 13:28 Uhr

Gemeinschaftsleistung

Gemünden-Nieder-Gemünden (eva). Großes Lob von Gemeindebrandinspektor Udo Richber für den enormen Arbeitseinsatz der Feuerwehr gab es bei der Einweihungsfeier des Erweiterungsbaues des Feuerwehrgerätehauses, die am Samstag im Rahmen des Gemeindefeuerwehrtages stattfand.
15. September 2014, 13:28 Uhr
Zum Abschluss der Einweihungsfeier gab Bürgermeister Lothar Bott (rechts) den Schlüssel an (von links) Wehrführer Jochen Schnell-Kretschmer, an Feuerwehr-Vorsitzenden Norbert Fischer und an Ortsvorsteher René Michel weiter. (Foto: eva)

»Hier wurde mit enormer Eigenleistung eine moderne und bedarfsgerechte Unterkunft geschaffen«, so Richber. Bemerkenswert sei vor allem, dass die Kameraden nicht nur Eigenleistungen im Bereich Feuerwehrgerätehaus erbracht hätten, sondern auch den Trakt des Dorfgemeinschaftshauses im Obergeschoss in Eigenleistung umgebaut hätten. Der GBI beglückwünschte die Feuerwehr zu dieser modernen Unterkunft. Richber informierte, dass im Rahmen der Baumaßnahme auch ein zentrales Schlauchlager für alle Feuerwehren der Gemeinde geschaffen worden sei. »Somit ist es uns möglich, defekte oder verschmutzte Schläuche rasch zu ersetzten«, so Richber.

Als der technische Prüfdienst den Standort der Umkleiden, die sich direkt in der Fahrzeughalle befanden, bemängelte, habe man vor fünf Jahren nach Änderung des Bedarfs- und Entwicklungsplanes die politischen Gremien von der Notwendigkeit eines Anbaues überzeugen können, informierte Wehrführer Jochen Schnell-Kretschmer. »Nachdem Finanzierung und Planung abgeschlossen waren, packten die Feuerwehrkameraden zu« unterstrich Schnell-Kretschmer vor dem Hintergrund, dass ein überragender Teil der Arbeiten an dem Erweiterungsbau, unter anderem der gesamte Innenausbau, in Eigenleistung erfolgte. »In den vielen Stunden gemeinsamer Arbeit am neuen Feuerwehrhaus haben die Nieder-Gemündener Wehrleute bewiesen, dass das Vereinsleben in unserem Ort noch intakt ist«, so der Wehrführer.

8500 Stunden Eigenleistung

Insgesamt waren nach Aussage des Feuerwehrvorsitzenden Norbert Fischer im Rahmen der Baumaßnahme innerhalb von drei Jahren, rund 8500 Stunden in Eigenleistung erbracht worden. In einer sehr emotionalen Ansprache zählte Fischer die von den Feuerwehrkameraden erbrachten Leistungen auf, die von Rückbauarbeiten im Außenbereich und der Elektroheizung, der Installation der neuen Gasheizung mit Aufbau eines Schornsteins, Verlegung von Wasserleitungsdrainagen, Erstellung von Trockenbauwänden, Einbau von neuen Fenstern und Toren, Ausführung sämtlicher Fliesen-, Scheiner-, Maler und Elektroarbeiten, bis hin zum Aufbau der neuen Spinde im Untergeschoss sowie der neuen Küche im Gemeinschaftsbereich des Feuerwehrgerätehauses reichte und auch noch weitere Maßnahmen im Außenbereich, inklusive Spielplatzgestaltung, mit einbezogen. »Ich glaube, dass in den tausenden Stunden Eigenleistung etwas Perfektes entstanden ist«, bemerkte Fischer, und er fügte hinzu, »wir haben uns das außerdem auch etwas kosten lassen, denn die Feuerwehr hat rund 10 000 Euro in dieses Gebäude investiert«.

Dank auch an »Putzeinheit«

So ein hohes Maß an Eigenleistungen für ein öffentliches Projekt sei heute durchaus keine Selbstverständlichkeit mehr, daher gebühre dem Aktionsteam Anerkennung, so Ortsvorsteher René Michel. »Ich nenne heute absichtlich keine Namen, denn jeder, der sich mit dem Projekt beschäftigt hat weiß, wer hier seine Kraft und Energie rein gesteckt hat«, sagte Michel, der auch der Alters- und Ehrenabteilung der Feuerwehr dankte, die in den letzten Wochen dem Altbau mit Ausbesserungen und einem neuen Anstrich wieder zu neuem Glanz verholfen haben. Und Dank gelte auch denjenigen, die immer wieder, wenn während der Baumaßnahme Staub und Dreck Überhand genommen hatten, eine »Putzeinheit«, wie Michel es nannte, eingelegt hatten.

Viele Anläufe zum Umbau...

1985 wurde das Feuerwehrgerätehaus gebaut, 1999 und 2001 habe es geplante Um- und Ausbauvarianten gegeben, für die sogar schon Baugenehmigungen vorlagen, die jedoch nicht ausgeführt wurden, so Bürgermeister Lothar Bott in einem kurzen Rückblick auf die Baugeschichte des Feuerwehrgerätehauses. Im Jahre 2004 war mit viel Eigenleistung eine Innenrenovierung aller Räumlichkeiten einschließlich Abschleifen und Versiegelung des Parketts im Gemeinschaftsraum durchgeführt worden. Allerdings war keine Behindertentoilette vorhanden, und auch die Barrierefreiheit für den Gemeinschaftsbereich war nicht gegeben, weil sich sämtliche Sanitäranlagen im Untergeschoss befanden und auch die Küche sehr klein war.

Im Laufe der danach folgenden und über einige Jahre andauernden Beratungen habe man versucht, nicht nur den im Bedarfs- und Entwicklungsplan der Feuerwehr festgeschriebenen baulichen Maßnahmen Rechnung zu tragen, sondern auch die immer schon gegebene multifunktionale Nutzung des Gebäudes beizubehalten und zu optimieren. Mit eingeflossen sei weiterhin, dass sich zwischenzeitlich der Ortsbeirat für eine Verlegung des Spielplatzes in den Außenbereich des Gemeinschafts- und Feuerwehrgerätehauses ausgesprochen habe, um die Attraktivität auch für das weitere Umfeld mit Jugendraum, Festplatz und Sportplatz bei Veranstaltungen zu erhöhen.

Nach Bewilligungsbescheiden über eine finanzielle Förderung, die der Vogelsbergkreis für den feuerwehrspezifischen Teil beim Land Hessen gestellt hatte, erfolgte im April 2010 die Vergabe des Planungsauftrages an das Architekturbüro Ruhl und Geißler in Alsfeld.

Ursprünglich, so Bott, war für die Baumaßnahme ein Gesamtkostenrahmen von 400 000 Euro ohne Außenanlagen und Spielplatz angesetzt worden. Doch man könne jetzt schon sagen, dass diese finanzielle Höchstgrenze durch den immensen Anteil an Eigenleistungen unterschritten werde. Art und Umfang der Eigenleistungen habe es auch erst möglich gemacht, dass die Gemeindevertretung in mehreren nachfolgenden Beschlüssen weitere Mittel für ursprünglich nicht vorgesehene Maßnahmen bereitgestellt habe. Folglich hätten zusätzlich alle Fenster im Altbau ausgetauscht, die Außenfassade neu gestrichen und Verschieferungen im Bereich der Wetterseiten angebracht werden können, und abschließend sei auch noch die Herstellung der Außenanlagen und des Spielplatzes mit Ausstattung der Spielgeräte bewilligt worden.

»Jedes Bauwerk hat tragende Säulen«, so Bott weiter und so sei es auch bei den Eigenleistungen gewesen. Bei diesem Objekt sei ohne Zweifel der Vorsitzende der Feuerwehr Norbert Fischer diese tragende Säule gewesen, der mit Abstand die meisten Stunden geleistet habe und bei dem letztlich alle Fäden zusammengelaufen seien. Ohne die Einsatzbereitschaft des Kernteams sowie allen weiteren Helfern aus den Reihen der Feuerwehr aber auch aus der Ortsgemeinschaft schmälern zu wollen, gebühre Norbert Fischer ganz besonderer Dank. Denn ohne sein beispielhaftes Vorweggehen wäre eine Realisierung der Baumaßnahme in diesem Umfang nicht möglich gewesen. »Persönlich kann ich nur feststellen, dass hier ein Werk gelungen ist, welches uns alle mit großem Stolz erfüllen kann«, betonte Bott, der den Gebäudekomplex Feuerwehrgerätehaus mit integriertem Dorfgemeinschaftsraum als einen Kommunikationsmittelpunkt in Nieder-Gemünden bezeichnete.

Grußworte

Landrat Manfred Göring, der ebenso wie Kreisbrandinspektor Dr. Sven Holland an der Einweihungsfeier teilnahm, sagte, in Nieder-Gemünden sei es durch den enormen Anteil an Eigenleistungen gelungen gemeinsam etwas auf den Weg zu bringen. Doch habe es sich dabei auch gezeigt, wie wichtig es sei, dass einer vorne weggehen müsse, wie es in Nieder-Gemünden Norbert Fischer dankenswerter Weise getan habe. KBI Dr. Sven Holland schloss sich dem Lob an und erwähnte, dass ihm Nieder-Gemünden noch aus der Jugendfeuerwehrzeit her sehr bekannt sei.

Danach war es soweit. Unter dem Beifall der großen Gästeschar fand die offizielle Schlüsselübergabe an Bürgermeister Lothar Bott durch den ausführenden Architekten, Dipl. Ing. Karlheinz Geißler statt. Er freue sich, dass der Bau nun nach mehrjähriger Planung und Ausführung fertiggestellt sei, sagte Geißler in seiner Ansprache. Eingehend auf die einzelnen baulichen Veränderungen und Erweiterungen, hob er vor allem den neue geschaffenen Küchenbereich, die barrierefreien und auch behindertengerechten Toilettenanlagen und die vollkommen separat geschaffen Einheit für die Feuerwehr hervor, die neben einem weiteren Fahrzeugraum nun auch über Umkleidemöglichkeiten für die Feuerwehraktiven verfüge, die dem vorgeschriebenen Standard entsprechen. Er hoffe, so Geißler, ein Haus geschaffen zu haben, in dem sich alle zukünftigen Nutzer wohlfühlen, dankte für die gute Zusammenarbeit und sprach ebenfalls ein großes Lob an die unermüdlichen ehrenamtlichen Helfer, allen voran an Norbert Fischer, aus.

In weiteren Grußworten gratulierten der Vorsitzende der Gemeindevertretung Karl Pitzer, der auch im Namen der SPD-Fraktion sprach, sowie Jürgen Lutz für die UBL-Fraktion und Sylvia Hild für die BGG-Fraktion, den Nieder-Gemündenern und vor allem auch der Feuerwehr zu dem erfolgreichen Projekt, wobei sie nochmals den ehrenamtlichen Einsatz besonders hervorhoben. »Möge in diesem Haus immer der Geist der Kameradschaft und Freundschaft herrschen«, so Karl Pitzer, der an die Bürger appellierte, das Haus mit Leben zu erfüllen.

Zum Abschluss der Einweihungsfeier gab Bürgermeister Bott den Schlüssel an Ortsvorsteher René Michel, Feuerwehrvorsitzenden Norbert Fischer und Wehrführer Jochen Schnell-Kretschmer weiter.



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos