28. April 2014, 14:28 Uhr

Karl Pitzer verabschiedet – Schill rückt an SPD-Spitze

Gemünden (pm). Thomas Schill ist neuer Vorsitzender der SPD Gemünden. Er löste am Freitag in der Mitgliederversammlung des SPD-Ortsvereins Karl Pitzer ab.
28. April 2014, 14:28 Uhr
Dank an Karl Pitzer für 22 Jahre Einsatz für die SPD und Begrüßung des neuen Vorsitzenden Thomas Schill – von links: Uwe Langohr, Schill, Pitzer, Swen Bastian. (Foto: pm)

Pitzer hatte mit Blick auf eine Vielzahl an ausgeübten Ämtern erklärt, dass er den Vorsitz abgebe. In seiner Rückschau bedauerte er es, dass die Zahl der Mitglieder in diesen 22 Jahren zurückgegangen sei. Positiv sei es, dass die SPD durchweg eine Frau in den Gemeindevorstand entsandte - als einzige Fraktion. Positiv begonnen habe die Bürgermeisterwahl 2000, später habe die SPD dann die Abwahl Paul Webers vorangetrieben. Pitzer sagte mit Blick auf die Landes- und Bundestagswahl 2013, dass die SPD in Gemünden gegenüber den letzten Wahlen zulegte. Dennoch sei die CDU stärkste Kraft geworden. Bei der Landtagswahl unterlag Swen Bastian in Gemünden mit fast 43 % nur sehr knapp Kurt Wiegel mit 43,48 %.

Aus der Arbeit der SPD-Fraktion berichtete Thomas Schill von der Debatte um die Wasserversorgungssatzung. In einer Versammlung hätten sich Bürger, die ihre Interessen nachteilig berührt sahen, informiert und ihrem Unmut Luft verschafft. Nun war die Versuchung groß, in Form einer Klientelpolitik dem politischen Druck nachzugeben. Er sehe sich einem grundsätzlichen Wert der Sozialdemokratie, der Gerechtigkeit, verpflichtet. Das sei schwierig angesichts immer teurer werdender Leitungen und Hochbehälter bei immer weniger Bewohnern. Beim Ausgleich der Interessen müsse man Gewerbetreibende oder Familien mit Kindern und hohem Wasserbedarf sowie den »Single-Senioren«-Haushalt mit geringem Wasserverbrauch berücksichtigen. Ziel sei ein Konsens über Parteigrenzen hinweg, so Schill.

Die Gemeindevertreter der SPD hätten auch über Armut und Chancen durch erneuerbaren Energien beraten. Da gehe es um Windenergie und ein Absinken der Lebensqualität. Trotz aller Fragen sieht Schill zukünftig Chancen für die Region durch erneuerbare Energien. Der Umbau der Straßenbelaternen mit energieeffizienteren LED-Leuchten fand bei aller Fragwürdigkeit die Zustimmung einer Mehrheit der SPD-Fraktion. Chancen ergreifen trotz schmerzlicher Schrumpfungsprozesse in unserer Region und dabei fair mit sich und anderen umzugehen sei Grundlage des Handelns.

Grenzen bei Kindergarten erreicht

Der Gemeindevorstand hat sich mit Beschlussvorlagen für die Gemeindevertretung, Anträgen auf Stundung von Gebührenzahlungen und Vergabe von Aufträgen für Baumaßnahmen befasst, wie Eberhard Wicke berichtete. Man beriet über das Dorferneuerungsprogramm Ehringshausen/Rülfenrod und das SILEK-Programm. Die Wasserversorgungssatzung wurde mehrfach ausgiebig beraten, besonders nachdem in der Gemeindevertretung heftige Kritik an der durch die Verwaltung vorbereiteten Beschlussvorlage geäußert worden war.

Breiten Raum nahm die Diskussion von Personalfragen im Kindergartenbereich ein, da vorläufige Genehmigungen für Überschreitungen der vorgeschriebenen Gruppengrößen ausgelaufen sind, so Wicke weiter. Der Kindergarten erreicht bei den Belegzahlen die Grenzen seiner Aufnahmekapazität, so dass die weitere Entwicklung spannend sei. Der Dauerbrenner der Vergangenheit, die Einrichtung eines Seniorentreffs, kam zu einem glücklichen Ende.

Teilweise sehr kontrovers seien Zuwendungen für übergemeindliche soziale Einrichtungen behandelt worden. So entzündete sich an Zuschussanträgen der Jugend- und Drogenberatung sowie der Vogelsberger Lebensräume eine ausgiebige Diskussion. Nach kontroverser Diskussion gab es eine knappe Mehrheit für einen Zuschuss an die Jugend- und Drogenberatung in Höhe von 100 Euro, was »gegenüber der Verweigerungshaltung der Vergangenheit« schon ein Fortschritt sei. In naher Zukunft werde man sich mit dem Kindergartenbeitrag befassen, so Wicke. Ziel sei eine vereinfachten Beitragssatzung.

Bei den Vorstandswahlen unter Leitung von Willi Langhammer wurde Thomas Schill einstimmig zum Vorsitzenden bestimmt. Er arbeitete als Pfarrer sieben Jahre im Kirchspiel Nieder-Ohmen, seit 2003 in Nieder-Gemünden. Schill gehört der Gemeindevertretung seit 2011 an, seit Januar 2013 ist er SPD-Fraktionsvorsitzender. Gewählt wurde auch Uwe Langohr zum stellvertretenden Ortsvereinsvorsitzenden und als Geschäftsführer, Christoph Schad wurde stellvertretender Ortsvereinsvorsitzender, Klaus Seip Rechner, Sigrid Voigt Schriftführerin. Beisitzer sind Peter Gabriel, Herbert Kömpf, Luise Müller, Katrin Pitzer und Eberhard Wicke. Alle Ergebnisse waren einstimmig.

Schill: Für buntes Gemünden

Der SPD-Kreisvorsitzende Swen Bastian dankte Karl Pitzer für 22-jähriges Engagement als Vorsitzender der SPD Gemünden. »Karl Pitzer hat die SPD stets mit Leidenschaft geführt und das Bild der Partei in Gemünden entscheidend mit geprägt«, so Bastian. Thomas Schill wünschte der SPD-Unterbezirksvorsitzende Ausdauer, Hartnäckigkeit und die Fähigkeit Kritik ertragen zu können. »Wenn man einen Vorschlag macht ist es ganz normal, dass sich unmittelbar auch Kritiker zu Wort melden, die andere Interessen vertreten. Hiervon sollte man sich im eigenen Tun nicht beirren lassen, wenn man davon überzeugt ist, den richtigen Weg zu beschreiten«, sagte Bastian.

Selbstkritisch meinte Bastian, die Parteien verwalteten sich zu sehr selbst statt den Dialog mit den Bürgern zu suchen, um sie für ein Engagement zu begeistern. Parteien seien gefordert sich aktiver in das örtliche Leben einzubringen.

In seinem Schlusswort wünschte sich Schill ein Gemünden, das »weltoffen, demokratisch und bunt« sei. Er forderte alle auf, an Konzepten für eine Energiewende mitzuarbeiten. Die Europawahl solle in der Kommunalpolitik mehr Beachtung finden. Doch Europapolitik schaltet sich zusehends in den Alltag ein, so über Gesetzgebungen. Da sei eine Perspektive über »über den eigenen Kirchturm hinaus« sinnvoll – »wollen wir nicht von im Moment noch schleichenden Entwicklungen überrollt werden, wenn diese Fahrt aufnehmen«.

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