25. März 2014, 19:33 Uhr

Arme Renter als Drogenkuriere

Gemünden-Ehringshausen (ek). Auf ihr 30-jähriges Bestehen blickt in diesem Jahr die örtliche Laienspielgruppe. Aus diesem Anlass fand am letzten Wochenende die Jahresversammlung des Landesverbandes hessischer Amateurbühnen in der Mehrzweckhalle in Nieder-Gemünden statt.
25. März 2014, 19:33 Uhr
Szene mit »Edgar und Irmi«, die am Wochenende mit viel Herzblut und Professionalität auf der Ehringshäuser Bühne das Publikum begeisterten. (Foto: ek)

In diesem Zusammenhang stand dann auch das zweite besondere Ereignis, das sich die örtliche Laienspielgruppe mit einem glänzenden Polit- und Gesellschaftskabarett »geschenkt« hatte.

»Theaterklause« geplant

Winfried Keßler, der Vorsitzende des Jubiläumsvereins, hob dann auch zu Beginn der Veranstaltung auf der Bühne im Saal der früheren Gaststätte »Schott« hervor, dass man erstmals in der 30-jährigen Vereinsgeschichte Gäste auf die Bühne eingeladen habe. Keßler verwies aber auch auf die »Theaterklause«, die Räumlichkeiten der ehemaligen Gaststätte, die man farbenfroh gestaltet und optisch aufgepeppt hatte. Man hoffe, dass man sie im Verlaufe der kommenden Monate mit Leben erfüllen könne und dass dies dann auch von der Bevölkerung entsprechend angenommen werde. Diesbezüglich gebe es auch bereits konkrete Pläne in Bezug auf eine Öffnung, die vermutlich an jedem zweiten und vierten Freitag eines Monats erfolgen könnte. Die »Theaterklause« würde dann Vereinen ebenso zur Verfügung stehen wie Privatpersonen zum zwanglosen Treffen, für Kurzweil und Unterhaltung. Ein genauer Starttermin für dieses Angebot gebe es zwar noch nicht, aber man werde auf den offiziellen Start der »Theaterklause« rechtzeitig hinweisen, so Keßler weiter.

In der Folge ging er auf den Bühnenauftritt von »Edgar und Irmi« näher ein, die danach das Publikum mit ihrem Programm »Deutschland – Achtung Baustelle« zu begeistern verstanden. Das Durchschnittsehepaar aus der fränkischen Rhön schaute in seinem ansprechenden Programm hinter die Kulissen von Politik, Wirtschaft und Gesellschaftsleben und entführte das aufmerksame Publikum in die Welt des Politik- und Gesellschaftskabaretts. Was afghanische Teppiche mit Rentnern zu tun haben, die ihr spärliches Auskommen als Drogenkuriere aufbessern müssen, oder warum gerade Autofahrer die besseren Gutmenschen sind, oder wie man das Ruhegehalt eines Ex-Bundespräsidenten auf Null hätte fahren können, das und vieles mehr erfuhren die begeisterten Besucher dieser Veranstaltung. Immer wieder deutlich wurde bei den Dialogen des Paares aber auch, wie unklar die Formulierungen deutscher Sprache sind, wie sie zu Irritationen »unglaublichen Ausmaßes« führen können.

VHS Rückzugsort für Frauen

Unmissverständlich deutlich machten die beiden begnadeten Kabarettisten allerdings, dass Politik ein einziges Theater ist, bei der im Gegensatz zu echten Bühnenakteuren die »Schauspieler« überaus gut bezahlt würden. Da wurde dann auch schon mal die Linken-Spitzenpolitikerin Sarah Wagenknecht als »Rosa-Luxemburg-Verschnitt« bezeichnet. Auch vor der Kirche machten die Kabarettisten nicht halt und beleuchten gnadenlos das Geschehen im Vatikan. Ihre ausgesprochene Profieigenschaften bewiesen die beiden Akteure bei einem kurzzeitigen Technikausfall, der sie nicht aus der Ruhe bringen konnte. Einblicke in die bayerische Filzwirtschaft, Schwachsinn im deutschen Fernsehen, Auswüchse ökologischen Denkens, die Volkshochschule, letzter Rückzugsort für die kulturell und menschlich unterforderte Frau, und das nervenaufreibende Shoppen in Deutschlands größtem Psychotherapiezentrum für Frauen, bei Ikea, wurden kabarettistisch, satirisch und musikalisch gekonnt und mit viel Humor aufgearbeitet. Das Publikum dankte mit viel Szenenapplaus und mit lang anhaltenden Ovationen. Die Laienspielgruppe aus Ehringshausen konnte mit dieser rundum gelungenen Präsentation zweifelsfrei einen weiteren Höhepunkt in ihrer 30-jährigen Geschichte verbuchen. Dass am Ende nicht alle Plätze besetzt waren lag sicherlich nicht am Engagement der Vereins und ganz sicher nicht an »Edgar und Irmi«, es war möglicherweise der Uhrzeit geschuldet, die aber vielen Teilnehmern am Landesverbandstreffen der hessischen Amateurbühnen einen Besuch dieses Theaterereignisses ermöglichst hatte und damit einen gelungen Schlusspunkt dieses Theaterwochenendes setzte.

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