05. Februar 2014, 10:58 Uhr

Bauer kommt nicht aus Hof

Gemünden-Burg-Gemünden (rs). Es sind viele Umstände seit 2006 zusammengekommen, die bewirken, dass sich Landwirt Werner Schwing im Umfeld seine großen Bauernhofes an der Bleidenröder Straße demnächst nicht mehr frei bewegen kann - jedenfalls nicht mit modernem landwirtschaftlichem Gerät.
05. Februar 2014, 10:58 Uhr
Mit einem Rangierversuch demonstriert Bauer Schwing, dass er seinen Hof nur verlassen kann, wenn er das gegenüberliegende Grundstück zum Schwenken hat. (Foto: rs)

Denn ein Wiesenweg, den er in den vergangenen Jahren immer als verlängerte Ausfahrt genutzt hat, soll wegfallen. Dies ist jedenfalls das Ergebnis einer rund sechsjährigen Planung, die an vielen Stellen öffentlich verhandelt worden war und ausgelegen hatte. Davon hatte Landwirt Schwing allerdings nichts mitbekommen. Das betonte der Bauer am Samstag immer wieder bei einer Sitzung des Ausschusses für Bauen, Planen, Landwirtschaft, Umwelt und Forsten zunächst bei einem Ortstermin und dann auch bei einer längeren Sitzung im Dorfgemeinschaftshaus. Etwas ungläubig reagierten dazu die Kommunalpolitiker mit unter anderem Bürgermeister Lothar Bott, Beigeordneten, Gemeindevertretern sowie Ortsvorsteher Fritz Wittchen.

Nachbar macht Angebot

Die positive Nachricht dazu: Landwirt Werner Schwing wird mit Nachbar Rolf Köhl, der den besagten Feldweg für eine Betriebserweiterung benötigt und das Planverfahren betrieben hatte, Fahrversuche machen, um festzustellen, wie groß ein Teil des neuen Grundstückes von Köhl sein müsste, das er Bauer Schwing abtreten würde, da-
mit der mit seinen landwirtschaftlichen Geräten bei seinem Hof ein- und ausfahren kann. Und dann soll Köhl noch überschlagen, was das Befestigen eines nassen Wiesenweges mit Senke auf einer Länge von bis
zu 200 Meter kostet. Denn diese Investition wäre noch nötig, damit Schwing mit seinen Fahrzeugen auf feste Wege kommt. Wer diese Investition - so sie denn kommt .- bezahlt, ist völlig offen.

Hintergrund für den Ortstermin des Ausschusses am Samstag war das Bestreben der Firma Köhl und Rühl (Baggerbetrieb, Baustoffhandel und Transporte) seit 2006, das ursprüngliche Gelände vom Ort her kommend rechts vor der Autobahn um ein Areal dort links der Bleidenröder Straße zu erweitern. Die Planverfahren dazu wurden von der Firma bezahlt, die Unterlagen hatten nach Angaben des Bürgermeisters dreimal offen gelegen, waren zweimal im Ortsbeirat und verschiedentlich in der Gemeindevertretung behandelt worden - alles öffentlich. 2013 wurde der Bebauungsplan dann ohne Einwände beschlossen.

Erst danach hatte Bauer Schwing erkannt, dass man seinen Weg »weggeplant« hatte. Am Samstag nahm dann der Bauausschuss die »Vermittlungsgespräche« auf. Gesucht wird ein Kompromiss, denn die beiden Betroffenen »sind schließlich Nachbarn«, wie es der Bürgermeister ausdrückte. Und sie sprachen am Samstag auch ohne Anzeichen von Groll miteinander! Schwing informierte, er habe den zur Rede stehenden Wiesenweg zum mittlerweile seit fünf Jahren geteerten Parallelweg an der A5 immer schon genutzt. In den letzten Jahren war es mehr und mehr ein Muss geworden, denn mit den größer werdenden Maschinen kann Schwing auf anderen Wegen nicht mehr die Hauptstraße erreichen, sie sind zu eng, die Kurvenradien zu gering. Davon zeugt unter anderem eine verschobene Gartenmauer, die dem Güllefass im Weg war.

Wer bezahlt Ausbau
von Wiesenweg?

Auf der Hofseite in Richtung Dorfgemeinschaftshaus hat Schwing auch eine Ausfahrt, dort hat er auf einer seit 20 Jahren von der Gemeinde gepachteten Wiese hinreichend Schwenkradius, könnte über einen anderen Wiesenweg zu dem seit fünf Jahren geteerten Parallelweg an der A5 fahren. Könnte - wenn der Weg trocken ist. Denn der Weg führt zunächst in eine nasse Senke und ist dann leicht ansteigend mit Kurve bei Feuchtigkeit von schwerem Gerät nicht zu bewältigen. Schon an Samstag sah er ziemlich angegriffen aus. Die Folge: Der Weg müsste befestigt werden, aber wer bezahlt?

Bei der anschließenden Sitzung im Dorfgemeinschaftshaus machte Landwirt Schwing zu seinen Gunsten noch geltend, dass in den Planunterlagen bei der Planbeschreibung
die Parzelle des Weges nicht aufgeführt sei. Man könne von ihm als Laien nicht erwarten, dass er die Zeichnung habe lesen können, auch nicht einen von mehreren eingezeichneten Bäumen, der mitten in »seinem« Weg eingesetzt war. Zum möglichen befestigen des anderen Wiesenweges sagte der Bürgermeister, das sei ein reiner Interessentenweg, das bedeute, dass die Kosten von den Interessenten zu tragen seien. Ein öffentliches Interesse wie bei einer Straße sei nicht zu erkennen.

»Die Planung war richtig, aber die Auswirkung für den Landwirt ist negativ«, fasste Ausschussvorsitzender Peter Gabriel zusammen. Jetzt wird auf die Fahrversuche von Schwing und die Kostenschätzung von Köhl gewartet.

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