Gemünden

Blick in phantastische Wespenwelten

Gemünden-Burg-Gemünden (eva). Die Seniorentreffen der Kirchengemeinde Burg-Gemünden/Bleidenrod sind eine Einrichtung, die sich nach wie vor großer Beliebtheit erfreut.
22. November 2013, 15:38 Uhr
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Im Stuhlkreis las Doris Momberger den Gästen zum Abschluss die Geschichte »Die drei Bäume vor«. (Foto: eva)

Dies zeigte sich auch wieder am Donnerstag, als sich die Mitglieder der Seniorengruppe zum zweiten Treffen der Saison im Burg-Gemündener Dorfgemeinschaftshaus trafen, um miteinander ein paar schöne Stunden zu verbringen.

Der Spruch des Monats November, »Siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch« (Lukas 17,21), lag der Andacht zugrunde, mit der Pfarrerin Ursula Kadelka das Seniorentreffen eröffnete. Dies sei der wichtigste Satz Jesu zu dem, was er »Reich Gottes« nennt. Davon habe der österreichische Schriftsteller Stefan Zweig (1881-1942) in der düsteren Zeit des Nationalsozialismus geschrieben. Zweig, der aus jüdischem Haus stammte, überaus erfolgreich war und als »Weltschriftsteller« galt, sei sich seines Auftrages bewusst gewesen, als reicher Mann in der Zeit des »Dritten Reiches« denen helfen zu müssen, denen es nicht so gut ging. So habe er oft mit Geld anderen verarmten Schriftstellern geholfen und sich um Pässe zur Ausreise aus Deutschland für die bemüht, die wegen ihres jüdischen Glaubens verfolgt wurden. Diese Form der Hilfe war Stefan Zweig, bevor er selbst verfolgt und seine Bücher verbrannt wurden, nur durch sein Ansehen als Weltbürger möglich gewesen.

Stefan Zweig selbst hatte rechtzeitig nach England und später nach Brasilien ausreisen können, wie Kadelka erläuterte. »Wir müssen das »Trotzdem«, das »Trotzalledem« zum Leitwort unseres Lebens machen: die Menschen kennen und dennoch lieben«, hatte Stefan Zweig in einem Brief an den in Paris im Exil lebenden Schriftsteller Joseph Roth geschrieben.

Natürlich wisse man um all das, was Menschen anrichten können und man müsse sich auch dagegen wehren, so Pfarrerin Kadelka. Dabei sollte aber der Wunsch nach Vergeltung nicht im Vordergrund stehen. Wie immer man handle, es müsse von der Hoffnung geleitet sein aufzubauen.

Mit passenden Worten gedachte Hannelore Diegel anschließend der Menschen, die im Laufe des letzten Jahres verstorben und allen im Seniorenkreis gut bekannt gewesen waren, oder dem Kreis selbst angehört hatten Elfriede Weigl trug das Gedicht »Novembergedanken« von Lydia Gabriel vor und allen Geburtstagskindern der letzten Wochen wurde noch ein Liedwunsch erfüllt.

Phantastische Wespen-Aufnahmen

Im weiteren Verlauf des Programms erfreuten Helma Reitz und Siegfried Bausch mit dem Sketch: »Otto und Emma im Theater«. Darin werden die Peinlichkeiten geschildert, die ein Vogelsberger Ehepaar beim Theaterbesuch erlebte. Helma Reitz trug unter dem Motto »Warum denn immer nur in die Ferne schweifen«, ein ebenfalls von Lydia Gabriel in Mundart verfasstes Gedicht vor. Darin geht es um den Trend in die ganze Welt zu reisen, aber den nahen Vogelsberg nicht zu kennen.

Als Referentin nahm Dr. Gisela Ramb, Jagdpächterin von Hainbach, mit zwei bemerkenswerten Filmbeiträgen die Gäste mit auf eine faszinierende visuelle Reise durch die herrliche Natur der nahen Umgebung. Dr. Ramb war es gelungen, mit ihrer Filmkamera Szenen der heimischen Fauna und Flora im Jahreslauf einzufangen. Angefangen von der üppigen Blütenpracht im Frühjahr bis hin zu bezaubernden Winterimpressionen waren Bilder dabei, wie man sie selten zu sehen bekommt. Neben den Naturbildern kamen die Betrachter unter anderem auch in den Genus von außerordentlichen Tieraufnahmen. Zu erleben waren dabei Feldhasen, Rehe und Füchse, oder gar ein Storchenpaar. Phantastische Nahaufnahmen stellte Dr. Ramb vom geschäftigen Treiben vor einem Wespennest vor.

Mit beachtlicher Beobachtungsgabe hatte die Filmerin dabei die Momentaufnahmen der Natur mit dem Verhalten oder den Aktivitäten der Menschen (und hier insbesondere der Hainbächer Bevölkerung) in Bezug gesetzt. So setzte sie in einer Filmsequenz beispielsweise die Platzknappheit und das Gedränge in einem Wespennest in Bezug zu einem mit Schulkindern vollbesetzten Schulbus. So hatte sie eine außerordentliche Bilddokumentation geschaffen mit Blick auf das Wesentliche. Den Betrachtern wurde bewusst, wie achtlos man oft an solchen Schönheiten der Natur vorbeigeht und dies alles als eine Selbstverständlichkeit hinnimmt.

Aus Baum wurde ein Kreuz

Für weitere Unterhaltung sorgte ferner Doris Momberger, die mit den Gästen durchspielte, wie die Eichhörnchen ihre Wintervorräte anlegen. Zum Abschluss des Seniorennachmittages las sie im Stuhlkreis die Geschichte »Die drei Bäume« vor. In der Erzählung kommen drei Bäume zu Wort, von denen der erste zu einer Krippe in Bethlehem verarbeitet wird und der zweite zu einem Boot auf dem See Genezareth, das erlebte, wie Jesus einem gewaltigen Sturm Einhalt bot. Das Holz des dritten Baums wurde hingegen für ein Kreuz genutzt.

Die Senioren treffen sich wieder am Mittwoch, 11. Dezember, im Dorfgemeinschaftshaus in Burg-Gemünden. Mit dem gemeinsam gesungenen Lied »Herr deine Liebe ist wie Gras und Ufer« wurden die Gäste in den Novemberabend verabschiedet.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/vogelsbergkreis/gemuenden/art577,86721

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