26. August 2013, 14:28 Uhr

Wie hält man Jugend in der Region?

Gemünden-Otterbach (ek). Zum ersten Unternehmerfrühstück konnte am Sonntagmorgen Bürgermeister Lothar Bott Vertreter der heimischen Wirtschaft und aus der Kommunalpolitik im Dorfgemeinschaftshaus begrüßen. Eingeladen zu dieser Premiereveranstaltung hatte der Gemeindevorstand nach einen Antrag der UBL-Fraktion.
26. August 2013, 14:28 Uhr
Neben Vertretern aus vielen Bereichen der heimischen Wirtschaft waren auch Mitglieder aller Parlamentsfraktionen, sowie vom Gemeindevorstand der Einladung zum Unternehmerfrühstück gefolgt. (Foto: ek)

Neben Vertretern aus vielen Bereichen der heimischen Wirtschaft waren auch Mitglieder aller Parlamentsfraktionen, sowie vom Gemeindevorstand der Einladung gefolgt. Als Referenten hatte Bürgermeister Bott Dr. Frank Wendzinski (Geschäftsführer der IHK Gießen-Friedberg) und Thomas Schaumberg (Geschäftsführer der Vogelsberg Consult) gewinnen können, die mit zwei Kurzvorträgen nicht nur interessante Einblicke in die Arbeit ihrer Organisationen gaben. Bewirtet von Mitgliedern der örtlichen Freiwilligen Feuerwehr und Gemeindebediensteten gab es im Verlaufe der Veranstaltung reichlich Gelegenheit zu Gesprächen, wovon in lockerer Runde auch reger Gebrauch gemacht wurde.

»Wirtschaft und Unternehmer an einem Tisch mit politisch Verantwortlichen der Gemeinde«, so Bürgermeister Lothar Bott eingangs seiner Begrüßung, »sei wichtig für beide Seiten«. Bott machte in diesem Zusammenhang deutlich, dass Belange der heimischen Wirtschaft immer »Chefsache« seien und man als Gemeinde immer bereit sei dort zu helfen, wo eine Gemeinde helfen könne. Die Anwesenden ermutigte er das Gespräch zu suchen, sich auszutauschen und diese ungezwungene Möglichkeit im Interesse der gemeindlichen Weiterentwicklung zu nutzen. Eingeladen habe man alle Gewerbebetriebe, Gewerbetreibende und Unternehmen, die aktuell in Gemünden ansässig seien. Er persönlich habe gehofft, dass die Resonanz noch etwas größer ausgefallen wäre, gleichwohl sei dies ein wichtiger und auch richtiger Anfang, den es gelte weiter auszubauen.

176 Gemündener sind Mitglied bei der IHK

Nach einer kleinen Stärkung und einer
ersten lockeren Gesprächsrunde berichtete Dr. Wendzinski über die Arbeit der »Unternehmer-Mitmachorganisation« IHK im Allgemeinen und stellte dabei deren vielfältigen Aufgaben und Arbeitsfelder näher vor. In diesem Zusammenhang wies er auch auf das Projekt »Fachkräftesicherung im Vogelsberg« hin, welches ein wichtiger Baustein werden soll, um zukünftig junge Menschen in der Region zu halten, und welches in nächster Zeit starten wird. Mehr am Rande erwähnte er dabei eine aktuelle Zahl, wonach 176 Gemündener als Mitglied bei der IHK registriert sind. Eine Zahl die doch den ein oder anderen Zuhörer verwunderte, angesichts der auf den ersten Blick relativ kleinen Anzahl von Gewerbetreibenden und Unternehmen in Gemünden.

Der Referent verwies auf den demografischen Wandel, auf den sich auch die Unternehmen im Vogelsbergkreis zukünftig einstellen müssten, beziehungsweise schon einstellen mussten. Der Nachwuchskräftemangel werde spürbar, und auch in der Belegschaft von Unternehmen komme es zu einer weiter zunehmenden Überalterung. In diesem Zusammenhang besonders wichtig sei die Ausbildung von Nachwuchskräften. Für diesen Bereich stellte Dr. Wendzinski diverse Handlungsfelder vor. Diese gehen von Werbung durch Unternehmen in Schulen, von entsprechender Unternehmenspräsentation, bis hin zu ansprechenden Internetauftritten, beziehungsweise einer Internetplattform für Stellenangebote. In diesem Zusammenhang zu sehen sei auch das Projekt »Fachkräftesicherung im Vogelsberg«, mit dem man schon in den kommenden Wochen an die Öffentlichkeit gehen werde und Unternehmen im Vogelsberg einbinden wolle. In mehreren Workshops werde man zukunftsorientiert an Strategien arbeiten, die dann helfen sollen Fachkräfte in der Region zu halten. Weil dies nur in sehr enger Verzahnung und damit gemeinsam mit den Unternehmen geschehen könne, rief der Referent dazu auf sich bei entsprechendem Interesse für die Teilnahme in den anstehenden Workshops zu melden und damit aktiv an dem Problem mit zu arbeiten.

Gemünden kann mit vielen Vorzügen werben

In der Aussprache wurde von Peter Gabriel (SPD-Fraktion) die im Vogelsberg geringere Bezahlung von Auszubildenden aufgeworfen. Mehr Geld könne da aus seiner Sicht zu mehr Bereitschaft zum Verbleib in der Region führen. Dieser These wurde aus allen Richtungen vehement widersprochen. In Ballungsräumen sei der Wohnraum wesentlich teurer, die Lebenshaltung erfordere mehr Geld, so dass »unter dem Strich« dem dortigen Azubi weitaus weniger Geld zur Verfügung stehe, als in der hiesigen Region, so die Aussage vieler Anwesender. Dr. Wendzinski verwies darauf, dass man solche Dinge nicht separat sehen könne, es sei immer eine Kombination vieler Faktoren, die zum Tragen kämen und die man berücksichtigen müsse, wenn es um solche Beurteilungen gehe. Bürgermeister Bott rief dazu auf, dass es notwendig sei die Möglichkeiten der Gemeinde positiv darzustellen und man nicht hergehen dürfe alles ins Negative umzukehren. Dies unterstrich auch UBL-Fraktionsvorsitzender Klaus-Dieter Jensen, der deutlich machte, dass Gemünden viel zu bieten habe, angefangen vom günstigen Wohnraum, günstigen Grundstücken, preiswerten Kindergartenplätzen bis hin zur intakten Natur. Solche Vorzüge kombiniert mit Jobangeboten könne eine erfolgversprechende Verbindung sein, auf die man gemeinsam aufbauen könne und die durchaus geeignet sei zu überzeugen.

Für Jugend: Praktikums- und Ausbildungsbörse im Internet

Für die Vogelsberg Consult berichtete Thomas Schaumberg zunächst von der Arbeit seiner Organisation im Allgemeinen, sowie im weiteren Verlauf von den Anstrengungen, mit denen man eine Fachkräftesicherung in der Region erreichen möchte. Er erläuterte die Analysen und Bestandsaufnahmen, die zunächst erforderlich waren um den »Ist-Zustand« zu dokumentieren. Am Beispiel einer Befragung von mehr als 100 Azubis aus der Kreisregion machte er deutlich, welche Anstrengungen notwendig sind, um junge Menschen für Ausbildungsplätze in der ländlich strukturierten Region Vogelsberg zu gewinnen. Als Beispiele notwendiger Maßnahmen, deren Umsetzung in vollem Gange ist, nannte er eine Praktikums- und Ausbildungsbörse im Internet. Dabei führte er aus, dass das Angebot von Praktikumsplätzen einen ersten wichtigen Schritt für eine Fachkräftesicherung darstelle. In diesem Zusammenhang machte der Referent an einer Landkarte an der Leinwand deutlich, dass in Gemünden aktuell keine solchen Plätze angeboten werden.

Familienfreundlichkeit ist Wettbewerbsvorteil

Als weiteres großes Feld sprach der Vertreter der Vogelsberg Consult das schnelle Internet an, welches für viele Betriebe als existenziell anzusehen sei. Schaumberg erläuterte dabei die Planungen in enger Zusammenarbeit mit der OVAG, die erst vor wenigen Wochen bekannt gemacht wurden und die Hoffnung darauf machen, dass schnelles Internet in den ländlichen Regionen durchaus machbar und auch umsetzbar ist, gleichwohl aber flächendeckend noch ein wenig Zeit beanspruchen wird. Schließlich nannte der Referent auch die Vereinbarkeit zwischen Familie und Beruf als einen wichtigen Baustein für eine erfolgreiche Fachkräftesicherung. Familienfreundlichkeit sei für Arbeitgeber zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil geworden, insbesondere dann, wenn es um die Bindung und Gewinnung von Fachkräften gehe. Es gebe dabei eine große Vielfalt von Modellen, wie man dies umsetzen könne, so der Referent abschließend.

Zum Ende der beiden Fachvorträge, die von den Anwesenden mit großem Interesse verfolgt wurden, dankte Bürgermeister Lothar Bott für die Teilnahme an diesem ersten Gemündener Unternehmerfrühstück und ermunterte dazu die Gespräche in lockerer Runde noch etwas fortzuführen, sich auszutauschen und in eine für alle Seiten fruchtbare Diskussion einzutreten.

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