07. Dezember 2012, 14:43 Uhr

Demente brauchen klar strukturiertes Umfeld

Gemünden-Burg-Gemünden (eva). In der Zwischenzeit ist der Begriff »Demenz« zu einem allgegenwärtigen Thema in der Gesellschaft geworden. Demenz gehört zu den folgenschwersten Alterskrankheiten und stellt Betroffene sowie Angehörige vor große Herausforderungen.
07. Dezember 2012, 14:43 Uhr
»Demenz und der Umgang damit« war das Thema des Vortrages mit Referentin Loudvinka Garweg, zu dem der Seniorenbeirat ins Dorfgemeinschaftshaus in Burg-Gemünden eingeladen hatte. (Foto: eva)

Etwa 1,2 Million Menschen in Deutschland haben diese krankheitsbedingte Hirnleistungsstörung, bei der das Gedächtnis und die Denkfähigkeit abnehmen und es ist damit zu rechnen, dass sich diese Zahl in den nächsten Jahrzehnten verdoppeln wird. Weil das Thema Demenz nach wie vor große Unsicherheit hervorruft, hatte der Seniorenbeirat Gemünden am Montag zu dem Vortrag »Demenz und der Umgang damit« ins Dorfgemeinschaftshaus in Burg-Gemünden eingeladen. Referentin des Abends war Loudvinka Garweg von der Diakoniestation Ohm-Felda, die zur Einführung einen von Seniorenbeiratsmitglied Peter Gabriel produzierten Film über das Thema Demenz vorführte, in dem Menschen, teils auch betroffene Angehörige, aus der Region zum Thema Demenz und ihren Vorstellungen zu einer demenzfreundlichen Kommune befragt wurden.

Nach wie vor, so die Referentin, sei Demenz immer noch ein Tabu-Thema in der Gesellschaft. Anstatt die Krankheit konkret beim Namen zu nennen heiße es oft: »Er ist verwirrt«, oder, »im Alter ist man halt vergesslich«. Dabei müsse man sich jedoch vor Augen halten, dass Demenz zwar keine normale Alterserscheinung sei, sondern eine Krankheit, die typischerweise im Alter vermehrt auftrete. Infolge der im Rahmen des demographischen Wandels zu erwartenden veränderten Altersstruktur der Bevölkerung und der damit einhergehenden Zunahme der Erkrankungen, sei Demenz auch ein sozialpolitisches Thema, das alle angehe. Dementsprechend war auch der Tenor des vorgeführten Filmes, in dem besonders der Wunsch der Befragten zum Ausdruck kam, dass sich die Menschen mehr mit dem Thema Demenz auseinander setzten und auch in den Kommunen entsprechende Konzepte entwickelt werden sollten.

Loudvinka Garweg stellte zentrale Aspekte der Krankheit und des Umgangs mit ihr vor. An Gedächtnis-, Orientierungs- und Aufmerksamkeitseinschränkungen sei eine Demenz am ehesten zu erkennen. Gedächtnisverlust mit zunehmendem Alter sei normal, bei einer Demenzerkrankung liege aber eine sehr beschleunigte Beeinträchtigung der geistigen Leistungsfähigkeit vor. Erste Anzeichen könnten beispielsweise Wortfindungsstörungen oder auch eine Persönlichkeitsveränderung sein.

Eine der bekanntesten und häufigsten Form sei die Alzheimer-Demenz, wobei das Nachlassen der Wahrnehmung, des Erkennens, Denkens und Schlussfolgerungen ziehen, sowie die sozialen und emotionalen Fähigkeiten besonders stark ist, die Betroffenen meist dadurch nicht mehr in der Lage seien, sich alleine im Alltag zurecht zu finden und dadurch die situative Orientierung (was geschieht um mich herum) verlieren. Während die Alzheimer-Demenz stetig fortschreite, könne es bei der gefäßbedingten vaskulären Demenz, die oft aufgrund von Durchblutungsstörungen im Gehirn (beispielsweise durch Schlaganfälle oder verengte Blutgefäße) entsteht, schlagartig gehen.

»Demenzkranke ziehen sich oft in vergangene Zeiten zurück, in denen es gut gegangen ist«, so die Referentin. Während sich die Menschen im Frühstadium der Krankheit der Veränderungen und Leistungseinschränkungen noch bewusst seien, benötigten die Patienten im mittleren Stadium der Krankheit zunehmen Hilfe bei ganz alltäglichen Dingen, den so genannten Basisaktivitäten, wie beispielsweise Essen, Trinken und Anziehen. In diesem Stadium sollte sich die Aktivierung auf den Erhalt oder den Aufbau dieser einfachen Fähigkeiten konzentrieren. Im späten Stadium der Erkrankung sei auch zunehmend das Sprechen und Verstehen eingeschränkt, was zur Folge habe, dass sich die Betroffenen oft zurückziehen würden.

Wie es auch eingangs im Film zur Sprache kam, bestätigte Loudvinka Garweg, dass für Demenzerkrankte ein klar strukturiertes und geordnetes Umfeld mit gleichbleibendem Tagesrhythmus sehr wichtig und hilfreich sei. Mindestens ebenso wichtig wie die Hilfe beim Essen oder Ankleiden seien menschliche Kontakte, die dem an Demenz erkrankten Menschen Geborgenheit, Wertschätzung und das Gefühl angenommen zu sein vermitteln. So sei beispielsweise das gemeinsame Singen eine erfolgreiche Freizeitbeschäftigung für die Demenzkranken, die sich oft an die alten Lieder erinnerten.

Weil bei vielen an Demenz erkrankte Menschen neben den typischen Symptomen wie Gedächtnis- und Orientierungsstörungen, auch körperliche Probleme, wie eingeschränktes Sehen, Schwerhörigkeit und ein unsicherer Gang hinzukommen würden, seien sie auch zahlreichen Gefahren ausgesetzt. Natürlich könne man nicht jedes Unfallrisiko ausschalten, weil dies die Freiheit des Erkrankten erheblich einschränken und es nötig machen würde, ihn rund um die Uhr zu bewachen. Daher sollte immer zwischen Unabhängigkeit und Freiheit einerseits und Sicherheit andererseits abgewogen werden.

Am Ende des Vortrages bedankte sich der Vorsitzende des Seniorenbeirates, Peter Krug, bei der Referentin und unterstrich, dass auch der Seniorenbeirat gefordert sei, sich intensiv mit dieser Thematik zu befassen, Hilfestellung zu leisten und Denkanstöße für eine »demenzfreundliche« Kommune weiterzugeben.

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