08. Oktober 2010, 21:32 Uhr

»Es soll weiter Spaß machen, hier zu leben«

Gemünden-Ehringshausen (ks). Die Bevölkerungszahl fast stabil, noch drei Gaststätten im Ort - das können nur wenige Dörfer aufweisen. Ehringshausen schon - hier scheint das Landleben vielen noch attraktiv zu sein.
08. Oktober 2010, 21:32 Uhr
Ministerialdirigent Werner Müller (ganz rechts) übergab den Anerkennungsbescheid für die Dorferneuerung an Bürgermeister Lothar Bott (2. v. links) und Ortsvorsteher Günther Rühl (2. von rechts), links Erster Kreisbeigeordneter Gerhard Ruhl, in der Mitte MdL Manfred Görig. (Foto: ks)

Gemünden-Ehringshausen (ks). Die Bevölkerungszahl fast stabil, noch drei Gaststätten im Ort - das können nur wenige Dörfer aufweisen. Ehringshausen schon - hier scheint das Landleben vielen noch attraktiv zu sein. Damit das so bleibt, kommt der Ort jetzt zusammen mit dem kleinen Nachbarn Rülfenrod in die Dorferneuerung. Am Freitag übergab Ministerialdirigent Werner Müller den Anerksennungsbescheid an Bürgermeister Lothar Bott und Ortsvorsteher Günther Rühl. Bott freute sich über den Startschuss für die Dorfernerung, kritisierte aber, dass die Bescheide immer so spät kommen. Bis Ende Oktober sollten schon die Ausschreibungen für Bauvorhaben laufen, das sei kaum zu schaffen. Müller versprach den Hinweis in Wiesbaden weiter zu geben. Auch Romrod-Nieder-Breidenbach und Grebenau-Wallersdorf erhielten ihre Bescheide.

Vor Ortsbeiratsmitgliedern sagte Bürgermeister Bott, die Dorferneuerung sei sehr wichtig für den ländlichen Raum. Denn damit könne man gezielt die Infrastruktur verbessern. Parallel hatte Ehringshausen auch am Wettbewerb »Unser Dorf« teilgenommen, war aber nicht weitergekommen. Bott verwies auf eine recht stabile Bevölkerung in Ehringshausen: Waren es 2007 734 Einwohner, so wurden in diesem Juli 209 gezählt, auch das sei bemerkenswert: »Deshalb bin ich guten Mutes für die Zukunft des Ortes«. Der Ortsgemeinschaft dankte er dafür, dass sie eine tolle Bewerbung abgeliefert habe.

Ministerialdirigent Müller lobte die Dorferneuerung als gut eingeführtes Programm, das aber vor allem zur Eigeninitiative anregen soll. »Das Geld ist hier sicher gut angelegt,« meinte er. Er machte deutlich, dass es nicht mehr um reine Dorfverschönerung geht, sondern darum, die Infrastruktur in den Orten zu stabilisieren. Der neue Kurs geht auch weg von einer rein ortsteilbezogenen Dorferneuerung hin zur Zusammenarbeit auf der gesamten Gemeindeebene und sogar zwischen Gemeinden. Auch werde das Thema Innenentwicklung prägend, so hatte er beim Durchfahren von Ehringshausen einige Leerstände ausgemacht. Hier regte der Bürgermeister an, Vorhaben in Ortskernen müssten erleichtert werden, derzeit gebe es oft hohe Hürden durch Auflagen und Abrisskosten.

Erster Kreisbeigeordneter Gerhard Ruhl betonte, der Kreis habe großes Interesse daran, dass die Dorferneuerung neues Leben bringt. Die Bürger ermunterte er, das Angebot vor Ort zu nutzen »und Ihren Gastwirt zu ernähren.« Wenn Infrastruktur erst weg sei, komme sie nicht oder nur sehr schwer wieder. Der ländliche Raum sei durchaus zukunftsfähig, ist sich Ruhl sicher.

Margit Kock-Wagner vom Amt für den ländlichen Raum nannte als Ziel, Ehringshausen neben Nieder-Gemünden als zusätzliches Versorgungszentrum mit Waren und Dienstleistungen zu stärken. Gemeinsam mit Rülfenrod sollen kulturelle Aktivitäten stattfinden, was auf dem dortigen Hofgut bereits erfolgreich begonnen hat. Wegen des Bahnanschlusses und der Autobahn kann das Dorf auch bei jüngeren Leuten punkten. In beiden Orten bestehe Handlungsdruck, die landwirtschaftlich geprägten Dorfkerne mit Denkmal geschützter Bausubstanz zu erhalten. Nach Gemünden seien schon 2,7 Mio. Euro an Dorferneuerungsgeldern geflossen. Landtagsabgeordneter Manfred Görig betonte ebenfalls die Notwendigkeit des Programms. Ortsvorsteher Günther Rühl stellte das über 800 Jahre alte Dorf kurz vor. Auch hier ist der Strukturwandel deutlich zu sehen. Die landwirtschaftlichen Betriebe werden meist im Nebenbetrieb bewirtschaftet, Arbeitsplätze finden sich größtenteils außerhalb. Klar ist für ihn das Ziel der Dorferneuerung: »Unser Dorf muss so gestaltet werden, dass es auch weiter Spaß macht, hier zu leben.« Rühl lobte, dass die Vereinsgemeinschaft sehr in Ordnung sei. Vertreter der Vereine hatten auch die Bewirtung bei dem kleinen Imbiss im Dorfzentrum übernommen. In den kommenden sechs Monaten soll das Konzept für die Dorferneuerung, der »Fahrplan«, erstellt werden.

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