27. November 2009, 19:58 Uhr

Sanierungsarbeiten in Michaeliskirche beendet

Gemünden-Ehringshausen (ek). Rund ein halbes Jahr konnten die Bürger ihre Michaeliskirche wegen umfangreicher Renovierungsarbeiten nicht nutzen, Gottesdienste wurden in der St. Martinskirche im benachbarten Rülfenrod abgehalten.
27. November 2009, 19:58 Uhr
Blick in den ansprechenden und in neuem Glanz erstrahlenden Altarraum. (Foto: ek)

Gemünden-Ehringshausen (ek). Rund ein halbes Jahr konnten die Bürger ihre Michaeliskirche wegen umfangreicher Renovierungsarbeiten nicht nutzen, Gottesdienste wurden in der St. Martinskirche im benachbarten Rülfenrod abgehalten. Hintergrund der vorübergehenden Schließung der Kirche waren Arbeiten am Kircheninneren sowie an der historischen Orgel. Bereits seit 2002 beschäftigen Renovierungs- und Sanierungsarbeiten den Kirchenvorstand, aber auch die Kirchenverwaltung in Darmstadt. Seit dieser Zeit gab es regen Schriftverkehr und immer wieder zeitliche Verzögerungen, die unterschiedliche Ursachen hatten.

Nach Vorliegen der Genehmigung und Mittelbereitstellung konnte im Jahre 2005 die umfangreiche Dachbodensanierung erfolgen, wobei in diesen Abschnitt die Neuanschaffung der fehlenden vierten Glocke fiel. In der Folgezeit wurden Kostenvoranschläge zur Orgelsanierung eingeholt. Die Orgel wurde in vielen Bereichen restauriert, mechanische Teile wurden, wo notwendig ersetzt, und zum Abschluss wurde das Instrument neu gestimmt. Hinzu kommt eine neue Gestaltung in farblicher Hinsicht, eine Entscheidung die erst kurz vor Abschluss der Bauarbeiten fiel, sich aber als sinnvoll erwies.

Im Jahre 2007, so Pfarrer Thomas Harsch, erfolgte eine sehr umfassende Befunduntersuchung der kompletten Innenraumschale, eine sehr zeitaufwendige und wissenschaftliche Arbeit, deren Ergebnis in einem viele Seiten umfassenden Gutachten vorliegt. Herausragend dabei ist die Tatsache, dass bei dieser Untersuchung insgesamt fünf verschiedene Farbanstriche im Innenbereich gefunden wurden. Diese sehr unterschiedlichen Farben wurden offensichtlich immer wieder überstrichen und gerieten im Laufe der Jahre in Vergessenheit. Die Farben gehen von ganz dunkel bis zu sehr heller und freundlicher Farbgebung. Im Jahre 2007 begannen nach Vorliegen des Gutachtens die notwendigen Verhandlungen mit der Kirchenverwaltung in Darmstadt und es erfolgte die Beauftragung eines Architektenbüros aus Bad Hersfeld, welchem die Baubegleitung übertragen wurde.

»Die in den vergangenen Monaten durchgeführten Arbeiten sind durchweg Maßnahmen der Renovierung«, wie Harsch betonte. So wurde der vorhandene Holzfußboden abgeschliffen und die Wände erfuhren eine Auffrischung. Risse in den Wänden wurden zugeschlemmt. In diesem Zusammenhang stellten die Experten fest, dass der Putz im Innenbereich der Kirche zwar rissig war, aber dennoch so gut erhalten, dass eine Renovierung ausreichte - der alte Putz folglich nicht vorher entfernt werden musste.

Insgesamt könne man feststellen, so betonte Pfarrer Harsch, dass im Rahmen der umfangreichen Arbeiten keine Probleme mit der Statik auftraten beziehungsweise augenscheinlich wurden. Der gesamte Bodenbereich wurde im weiteren Verlauf sorgfältig abgedeckt und speziell im Bereich des Altarraumes wurde maroder Putz im erforderlichen Umfang abgeschlagen. Umfangreiche Maßnahmen gegen die steigende Feuchtigkeit wurden ebenso getroffen, wie eine Überarbeitung der im Kirchenschiff stehenden, tragenden Holzsäulen. Diese erhielten einen neuen Farbanstrich, der sich aber erst beim zweiten Blick erkennen lässt. Nach dem Errichten eines großen Gerüstes im Innenbereich konnte man die sehr hohe Decke erreichen, entsprechend bearbeiten und auch die Elektroleitungen wurden wo erforderlich neu verlegt, beziehungsweise auch erneuert.

Eine besonders schöne Idee wurde im Zusammenhang mit der Innenraumsanierung umgesetzt. An der Wand am Treppenaufgang wurden Bilder der früheren Pfarrer der Kirchengemeinde, soweit solche Bilder vorhanden waren, aufgehängt. So werden mit den sieben dort zu findenden Porträts viele Jahrzehnte Pfarrgeschichte Ehringshausen auf eine ganz besondere Weise in Erinnerung gerufen und für den Betrachter präsent.

Wie Harsch zu den Arbeiten an der Orgel näher ausführte, habe man bei Beginn der Maßnahme, verbunden mit dem Ausbau der Orgelpfeifen, feststellen müssen, dass sich im Innern der Orgel im Verlaufe der letzten Jahrzehnte viel Schmutz und Staub angesammelt hatte. Eine umfassende Sanierung, Reinigung und Aufarbeitung der Orgel sei also dringend geboten gewesen. Bereits beim Ausbau der alten Holzpfeifen habe man feststellen müssen, dass zum Teil ein erheblicher Holzwurmbefall vorhanden war. Alle Pfeifen wurden gereinigt und wieder auf Hochglanz gebracht. Eine Besonderheit stellen dabei die aus Zink bestehenden Prospektpfeifen dar, also all jene Orgelpfeifen die man als Betrachter oberhalb der Orgeltastatur bewundern kann.

Bei der Orgel in der Michaeliskirche handelt es sich um eine sogenannte Bernhardsche Orgel aus dem Jahre 1841, deren Prospektpfeifen im Urzustand alle aus Zinn gefertigt waren. Aber wie bei zahlreichen anderen Orgeln auch, wurden im Verlaufe des zweiten Weltkrieges die ursprünglichen Zinnpfeifen ausgebaut und eingeschmolzen, um so das wertvolle Zinn für andere Zwecke zu gewinnen. Ersetzt wurden die Pfeifen dann mit dem wesentlich »billigeren« Material Zink. So geschehen auch in der Michaeliskirche, wie bereits bei der Besichtigung durch einen Orgelgutachter festgestellt worden war. Für die Kirchengemeinde stellte sich nach Ausbau der Orgelpfeifen die Frage, ob man den Originalzustand der alten Orgel wieder herstellen möchte, beziehungsweise dies aus finanzieller Sicht stemmen kann, oder ob eine Aufarbeitung der vorhandenen Zink-Pfeifen möglich ist. Letztendlich, so Pfarrer Harsch weiter, gab in dieser Sache die Kostenfrage den Ausschlag. Eine komplette Erneuerung, einen Austausch der Prospektpfeifen in Zinn, hätte man seitens der Gemeinde nicht finanzieren können. So entschied man sich in Absprache mit der Fachfirma zu einer Aufarbeitung der vorhandenen Zinkpfeifen, die nach einem besonderen Verfahren danach wieder glanzvoll erstrahlen und optisch kaum einen Unterschied zu den Original-Zinnpfeifen aufweisen. Auch im Klang stehen die Zink-Pfeifen den wesentlich teureren Zinn-Pfeifen in nichts nach. Ein weiterer Schwerpunkt bei der Orgelrenovierung bildete die abschließende Farbgebung für das Außengehäuse, die der Kirchenvorstand zusammen mit einem Restaurator und dem beauftragten Malermeister erarbeitet hatte. Die dezent farbliche Gestaltung sowie die Reinigung der Orgel und der Einbau der polierten Orgelpfeifen waren die letzten Arbeiten, bevor das große Musikinstrument in der Michaeliskirche wieder in gewohnter Weise, in voller Klangfülle, ertönen wird.

Zwar liegen noch nicht alle Schlussrechnungen vor, aber die Einhaltung der Finanzplanungen, so beantwortete Pfarrer Harsch die Frage nach den Kosten dieser umfangreichen Arbeiten, könne man zu diesem Zeitpunkt durchaus bestätigen. So wurden für die Sanierung des Kircheninnenbereiches einschließlich der Orgelsanierung rund 100 000 Euro veranschlagt, wobei auf die Orgel dabei laut vorliegendem Gutachten rund 20 000 Euro entfallen werden. Zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang, dass in diesem Betrag nicht die Anschaffung der vierten Glocke im Jahre 2005 enthalten ist, diese wurde von der Kirchengemeinde selbstständig finanziert. Ebenfalls in den 100 000 Euro nicht enthalten ist die bereits vor Jahren erfolgte Dachstuhlsanierung.

Aber nicht nur in der Kirche, auch im Außenbereich wurden und werden mit tatkräftiger Hilfe von zahlreichen Kirchenvorstandsmitgliedern verschiedene Renovierungs- und Sanierungsarbeiten vorgenommen, wie Pfarrer Harsch erläuterte.

Der feierliche Eröffnungsgottesdienst mit Orgelweihe und festlicher Orgelmusik in der neu renovierten Kirche wird am Sonntag, dem 6. Dezember, um 10 Uhr stattfinden. Neben zahlreichen Mitgliedern der Kirchengemeinde werden dazu auch Gäste von Außerhalb mit dem Dekan Dr. Jürgen Sauer an der Spitze erwartet. Der Gesangverein wird mit zwei Chören ebenso an der festlichen Gestaltung des Gottesdienstes mitwirken, wie Kristin Tiede und Elisabeth Well an der Orgel.



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