30. September 2009, 16:32 Uhr

Für Jugendbeirat und Kindergarten-Erweiterung

Gemünden (rs). Der Anteil von Kindern in der Bevölkerung nimmt stetig ab. Diesem allgemeinen Trend in Deutschland Einhalt zu gebieten oder gar gegenzusteuern haben sich viele Instanzen vorgenommen. In Gemünden hat sich die Kommunalpolitik des Themas angenommen. So standen bei einer Sitzung des Ausschusses für Jugend, Senioren, Soziales, Kultur und Sport am Dienstag Abend gleich vier entsprechende Themen auf der Tagesordnung.
30. September 2009, 16:32 Uhr
Das Modell der zweitplatzierten studentischen Ausarbeitung sieht zwischen dem alten Gebäudeteil (links) und dem Anbau (rechts) einen Gang vor, den der Ausschuss als Ergänzung zur Umsetzung des 1. Platzes für sinnvoll hält. (Foto: rs)

Gemünden (rs). Der Anteil von Kindern in der Bevölkerung nimmt stetig ab. Diesem allgemeinen Trend in Deutschland Einhalt zu gebieten oder gar gegenzusteuern haben sich viele Instanzen vorgenommen. In Gemünden hat sich die Kommunalpolitik des Themas angenommen. So standen bei einer Sitzung des Ausschusses für Jugend, Senioren, Soziales, Kultur und Sport am Dienstag Abend gleich vier entsprechende Themen auf der Tagesordnung. Im Dorfgemeinschaftshaus von Elpenrod wurde über das Einrichten eines Kinder- und Jugendbeirates, das Einführen eines Begrüßungsgeldes für Neugeborene sowie über den Kindergarten in Hinblick auf Erweiterung und personelle Ausstattung gesprochen.

Das Ergebnis in Kürze: Ein Beirat soll eingerichtet werden, das Begrüßungsgeld soll kommen, der Kindergarten erweitert und der Personaleinsatz dort ausgeweitet werden.

Zum SPD-Antrag für das Einrichten eines Kinder- und Jugendbeirates begründete Fraktionsvorsitzender Eberhard Wicke, es sei für die Kommunalpolitik sinnvoll, einen Ansprechpartner für die Anliegen aus sieben Ortsteilen zu haben. Zudem könne so eine Einrichtung das Interesse der jungen Leute an Politik wecken.

Analog zum kürzlich eingerichteten Seniorenbeirat solle auch das Jugendgremium eine beratende Funktion haben. Die Zeit dränge, denn in den Ortsteilen Ehringshausen und Elpenrod hätten die Jugendgruppen bereits Nachwuchsprobleme. Das veranlasste Vorsitzende Bianca Graaf zu dem Hinweis, »es sind einfach keine (Kinder und Jugendlichen) da«, und Wicke ergänzte: »Und um die wenigen, die da sind, muss man sich intensiv kümmern.«

Die von den Kommunalpolitikern anvisierte Zielgruppe umfasst rund 250 bis 270 Menschen, wie Bürgermeister Lothar Bott überschlägig befand, und er ergänzte, Leute für ein Ehrenamt ließen sich immer weniger finden. Und wenn man auf ehrenamtliche Aktivitäten stoße, treffe man meist einen identischen Personenkreis an. Das sei wohl ein gesamtgesellschaftliches Problem, für das bereits im Elternhaus der Grundstein gelegt werde.

Eine Jugendversammlung einzuberufen, um abzuklären, ob ein Kinder- und Jugendbeirat überhaupt gewünscht wird, hielt Vorsitzende Graaf für sinnvoll. Nach längerer Diskussion kam der Ausschuss überein, die entsprechenden Jahrgänge anzuschreiben und den Brief an Dorfgemeinschaftshäusern, Sportheimen und Jugendtreffs auszuhängen.

Das Thema Begrüßungsgeld für Neugeborene ging gleichfalls auf einen SPD-Antrag zurück, wozu Fraktionsvorsitzender Wicke erläuterte, die Aufmerksamkeit der Kommune in Höhe von bis zu 200 Euro könne nur einen symbolischen Charakter haben. Aber aus vielen kleinen familienfreundlichen Bausteinen entstehe ein anzustrebendes positives Bild von Gemünden. Bürgermeister Bott wertete so eine Gabe als klassische freiwillige Leistung, die in der angespannten Finanzsituation ein Beratungspunkt für den Haushalt 2010 sein müsse. Beispielsweise habe die Nachbarstadt Homberg des Baukindergeld mittlerweile einstellen müssen. Den starken Rückgang bei den Geburten verdeutlichen die Zahlen von 2004 und dem vergangenen Jahr, die Zahl der Geburten ging von über 30 auf 17 zurück. Im Ausschuss kam man überein, dass man bestenfalls von 20 Geburten im Jahr sprechen könne. Als Begrüßungsgeld wurden 50 Euro vorgeschlagen, zusätzlich solle für Neugeborene ein Body mit Gemeindewappen und dem Aufdruck »Schön dass Du da bist« vergeben werden. Zur Erweiterung des Kindergartens informierte Bürgermeister Bott über den studentischen Wettbewerb, zu dem kürzlich die Preisübergabe stattgefunden hatte (die AZ berichtete).

Anlass für eine Erweiterung sei die aktuelle provisorische Krabbelgruppe, für die es bei einem Neubau bei bis zu zehn Kindern einen Bundeszuschuss von 14500 Euro je Kind gebe. Das bedeute einen Zuschuss von 145000 Euro, zehn Prozent der Investitionssumme müsse die Gemeinde tragen, außerdem die Planungskosten. Bei geschätzten 128 000 Euro Kosten für eine Umsetzung des 1. Preises aus dem Wettbewerb könne die Gemeinde mit geringem finanziellen Einsatz viel bewirken.

Mit der Erweiterung gehe insgesamt eine qualitative Verbesserung einher. Msan sei in Hinblick auf Gruppen für unter Zweijährige (bis 2013 nötig) gerüstet, und das Kindergartenpersonal müsse nicht in einen Sozialraum im nahe gelegenen Bauhof in der Mehrzweckhalle gehen. Zur Erweiterung hielt der Bürgermeister eine Kombination aus dem 1. und dem 2. Platz des Wettbewerbes für sinnvoll. Der 2. Platz sieht zwischen Altbau und Neubau zur Bergseite hin noch einen Quergang vor. Einstimmig wurde der Gemeindevorstand beauftragt, die Planung für die Erweiterung aufzunehmen. Zum Thema Kindergartenpersonal prallten erneut zwei Sichtweisen aufeinander: Einerseits die SPD, der sich letztlich auch die anderen Fraktionen anschlossen, und andererseits Bürgermeister Bott, der allerdings ausdrücklich darauf hinwies, als Sprecher des Gemeindevorstandes zu fungieren, der den aktuellen Personalzuschnitt einstimmig befürwortet habe.

Für die SPD sagte Monika Lein, derzeit werde mit der Minimalvorgabe von 1,5 Fachkräften je Gruppe gearbeitet, wünschenswert seien 1,75. Dem hielt Bott entgegen, die derzeit 1,5 Fachkraftstunden je Gruppe seien durch die Aufteilung der Kinder in vier kleine Gruppen bedingt. Man könne mit dem vorhandenen Personal auch drei Gruppen bilden und komme dann auf die gewünschten 1,75 Fachkraftstunden.

Kleinere Gruppen bedeuteten aber auch mehr Qualität, die derzeitige Einteilung sei in Abstimmung mit der Kindergartenleitung erfolgt. Nachdem das Land Hessen vor Monaten eine Übernahme der Kostendifferenz 1,5 zu 1,75 Fachkraftstunden angekündigt, dann aber eine Umsetzung ausgesetzt hatte, will der Bürgermeister warten, bis das Land seine Ankündigung umsetzt.

Ausschussmitglieder hielten des Sichtweise des Gemeindevorstandes einstimmig entgegen, unabhängig von der Gruppenzahl seien sobald wie möglich 1,75 Fachkraftstunden (zwei in der Krippengruppe) einzurichten, spätestes im neuen Jahr. Diese Änderung müsste über den neuen Haushalt abgedeckt werden.

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