05. April 2009, 20:08 Uhr

»Ohne die ehrenamtliche Hilfe geht vieles nicht«

Gemünden-Nieder-Gemünden (eva). »Die heutige Feier steht im Zeichen des Dankes ihres Kirchspiels für 90 Jahre geleistete Arbeit im Frauenkreis und 30 Jahre im Seniorenkreis«, begann Pfarrer Thomas Schill die Ansprache zur großen Doppeljubiläumsfeier, des Frauenkreises Nieder-Gemünden, sowie des Seniorenkreises Nieder-Gemünden, Elpenrod, Hainbach und Otterbach.
05. April 2009, 20:08 Uhr
Helga Fiedler und Irmgard Fink bei ihrem Sketch: »Zwei Bäuerinnen«.

Gemünden-Nieder-Gemünden (eva). »Die heutige Feier steht im Zeichen des Dankes ihres Kirchspiels für 90 Jahre geleistete Arbeit im Frauenkreis und 30 Jahre im Seniorenkreis«, begann Pfarrer Thomas Schill die Ansprache zur großen Doppeljubiläumsfeier, des Frauenkreises Nieder-Gemünden, sowie des Seniorenkreises Nieder-Gemünden, Elpenrod, Hainbach und Otterbach, die am Sonntag vor einer Woche im Gemeinschaftsraum des Feuerwehr-Gerätehauses stattfand, und zu der er die Gäste aus dem Nieder-Gemündener Kirchspiel; Pfarrerin Ursula Kadelka und die Seniorenkreisgruppe aus Burg-Gemünden/Bleidenrod sowie Bürgermeister Lothar Bott und Pfarrer Manfred Günther (Mücke) begrüßte.

Über Jahrzehnte sei die Arbeit in der Kirchengemeinde von beiden Kreisen tatkräftig unterstützt worden, äußerte Schill. Ursprünglich seien im Frauenkreis Frauen aus allen Generationen zusammengekommen, und sie hätten zeitweise die wichtigste kirchliche Gruppe im Dorf gebildet. Mittlerweile habe sich die Altersstruktur dahingehend geändert, dass kaum noch jüngere Generationen vertreten seien. Dennoch war und sei der Frauenkreis immer zur Stelle, wenn es darum gehe, Kaffee und Kuchen zu bereiten, oder Handarbeiten für Basare anzufertigen.

Gleichzeitig dankte Schill auch dem Team des Seniorenkreises, der mit seiner Gründung 1979 wesentlich dazu beigetragen habe, das »Kirchturmdenken« in den Dörfern zu überwinden. Seit nunmehr 30 Jahren kämen Menschen aus Otterbach, Hainbach, Elpenrod und Nieder-Gemünden zusammen, und gerade dieses Team bezeuge mit seiner Kreativität und der inhaltlichen Gestaltung der Seniorennachmittage, dass sich die ursprünglich auf den Dörfern dominierende Betreuungsmentalität in eine Beteiligungsqualität gewandelt habe. Positiv nannte Schill auch das öftere Zusammentreffen mit dem Seniorenkreis Burg-Gemünden/Bleidenrod, das ebenfalls dazu beitrage, noch ein bisschen mehr über den Tellerrand zu blicken.

»Geburtstage sind Tage, an denen man das, was war, betrachtet, das, was ist, bewertet und das, was wird, voller guter Hoffnung erwartet«, begann Hannelore Schwenk ihren Rückblick auf 90 Jahre Frauenkreisarbeit. Begonnen hatte alles 1919 in einer Zeit großer Not, bedingt durch Teuerung, Mangel an Lebensmitteln und Brennmaterial sowie durch die Blockade über Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg. Die Gründung von Frauenhilfen gehe auf eine Initiative der deutschen Kaiserin Viktoria zurück, die 1899 Frauen ermuntert habe, sich den geistlichen und wirtschaftlichen Nöten ihrer Nächsten anzunehmen. Ihr Aufruf sei auf guten Boden gefallen, und so seien auch in Oberhessen zahlreiche Frauenverein entstanden. Dabei seien es vorwiegend Pfarrer gewesen, die sich der Sache angenommen hätten. So auch in Nieder-Gemünden, wo im Juli 1919 der damalige Pfarrer Ludwig Wörichhofer mit der Gemeindeschwesterstation einen Frauenverein ins Leben gerufen habe. Die Hauptaufgabe des Vereins habe darin bestanden, eine geordnete Gemeindekrankenpflege zu schaffen, Frauenverein und Schwesternstation seien eng miteinander verknüpft gewesen, und der Mitgliedsbeitrag habe für die Entlohnung der Schwester Verwendung gefunden. Die Geselligkeit habe auch schon in den frühen Gründungsjahren eine große Rolle gespielt, und es seien Familienabende mit Tombola abgehalten worden sowie auch Theaterstücke wie beispielsweise »Jedermann« oder »Maria und Martha« zur Aufführung gebracht worden. Nach dem Pausieren während des Zweiten Weltkrieges wurde die Frauenhilfsarbeit unter Pfarrer Ludwig Fischer im Winterhalbjahr 1947/48 wieder aufgenommen. Im Laufe der vielen Jahre hätten in den Winterhalbjahren Strickabende mit Lesungen stattgefunden, und die Frauenhilfe habe sich an Dekanatsfrauentreffen und an den in den 50er und 60er Jahren ausgerichteten Dorfwochen mit Theateraufführungen teilgenommen. Seit sich die letzte in Nieder-Gemünden tätige Gemeindeschwester Anneliese nach einer Reihe von Vorgängerinnen 1969 aus dem Dienst verabschiedet habe, sei die Station leider verwaist, da niemand mehr für diesen kärglichen Lohn zur Verfügung gestanden habe. Seit Anfang der 80er Jahre veranstalteten die Mitglieder des Frauenkreises im Zwei-Jahres-Rhythmus insgesamt 13 Adventsbasare, deren Erlöse ausschließlich gemeinnützlichen Zwecken zugute kamen, und die Frauenhilfe nimmt an den Aktionen Brot für die Welt und an den Weltgebetstagen teil.

Im Großen und Ganzen, so Hannelore Schwenk, seien die Abläufe gleich geblieben. Nur die Gesprächsthemen und die Altersstruktur hätten sich im Laufe der Zeit geändert. Dem Frauenkreis gehören derzeit 76 Mitglieder, aber nur noch 16 Aktive an. 24 Frauen hätten bereits das 80. Lebensjahr überschritten, das jüngste Mitglied werde in diesem Jahr noch 70 Jahre alt. Jüngere kämen wohl nicht mehr hinzu, und so werde es den 100. Geburtstag des Frauenkreises wohl nicht mehr geben.

Für den seit 30 Jahren bestehenden Seniorenkreis Nieder-Gemünden, Elpenrod, Hainbach und Otterbach, zog Erika Müller Bilanz. Die Gründung des Seniorenkreises sei in erster Linie dem damaligen Pfarrer Fischer, Bürgermeister Schäfer und Lehrer Karl Erb zu verdanken. Erfahrung habe es keine gegeben, und so habe improvisiert und gelernt werden müssen. Der erste Seniorennachmittag habe am 11. April 1979 stattgefunden, und aus den bescheidenen Anfängen habe sich rasch ein fester Bestandteil des Dorflebens entwickelt, der sich bis heute regen Zuspruchs erfreue. Die Treffen finden in der Zeit von Oktober bis April, jeweils am ersten Mittwoch im Monat statt, dabei wird gemeinsam gesungen, gelesen, werden Sketche aufgeführt, es gibt Dia- und Filmvorführungen, und zum Saisonabschluss findet eine Ausflugsfahrt statt. Die Seniorennachmittage wurden von den jeweiligen Pfarrern unterstützt, und Altbürgermeister Otto Fischer aus Hainbach habe eine zeitlang Verantwortung getragen. Derzeit werden die Seniorentreffen von Helga Fiedler, Irmgard Fink, Christel Fischer, Margot Karl, Erika Müller, Anni Schillhahn und Anni Renz organisiert, die Kasse führt Heinz Christ, und Pfarrer Thomas Schill steht mit Rat und Tat zur Seite.

»Wir sind stolz darauf, die Organisation ohne Sponsoren auszurichten; Kaffee, Kuchen und Honorare werden von dem kleinen Obolus getragen, den die Gäste bei den Nachmittagen entrichten«, so Erika Müller, und sie ergänzt, dass die Kirchengemeinde für die Seniorentreffen den Gemeindesaal zur Verfügung stelle.

Im unterhaltsamen Teil des Nachmittages erfreute unter anderem Pfarrer Manfred Günther mit Gedichten, Anekdoten und Geschichten aus seinen Werken. So erfuhren die Gäste beispielsweise in Versform aus der Pfarrer-Schein-Serie von dessen Bemühungen um die Landwirtschaft und die Hühnerzucht; aus »Ein Christ, der in den Spiegel schaut« die Episoden »Wahrheit verprellt«, »Doppelte Glatze« oder »Peinlich, peinlich« und aus seinen weiteren Werken Interessantes über das Verhalten und die Phantasie beim Erfinden von Ausreden »christlicher Zeitgenossen«; er beschrieb in »Das Manifest« und in »Frauenprotest« ein Programm zum Zusammenleben von Mann und Frau und gab »Ermunterungen für Rentner und Pensionäre«.

Die Besucher des Seniorenkreises Burg-Gemünden/Bleidenrod hatten die Geschichte des kleinen Fisches »Swimmy« im Gepäck, die vermittelte, dass Gemeinsamkeit stark macht, Toni Bausch informierte über ein besonderes »Hessisches Gesetz«, Lydia Gabriel verlas ein »Frühlingsgedicht«, und im »Discolook« berichteten Lydia Gabriel und Hannelore Köhl unter dem Motto »Jetzt wird was unternommen, das Leben ist sonst langweilig« von ihren abenteuerlichen Erlebnissen während einer Mofafahrt nach Homberg sowie einem Discobesuch mit reichlich Alkoholkonsum und seinen Folgen.

In gewohnt gekonnter Manier wussten Irmgard Fink und Helga Fiedler vom Nieder-Gemündener Seniorenkreis in dem Sketch »Zwei Bauersfrauen« zu berichten, wie man das Leben auf dem Bauernhof »aufpeppen« und sich gegen die Männerwelt erfolgreich durchsetzten kann, und Hannelore Schwenk erzählte heitere Geschichten vom »Vogelsberger Hannes«.

Pfarrerin Ursula Kadelka meinte, es sei schön über die kirchlichen Grenzen hinweg mit Nachbarn zu feiern und Kirche mit gemeinsamem Reden, Singen und Zeit füreinander zu haben, erlebbar zu machen und somit die Gemeinschaft zu fördern. Bürgermeister Lothar Bott dankte allen, die sich ehrenamtlich zum Wohle der Seniorenarbeit in der Gemeinde eingesetzt haben und einsetzten. Der Rückblick auf 90 Jahre Frauenkreis habe gezeigt, welcher Wandel sich in dieser Zeit vollzogen habe, vergleiche man allein die Aufgaben der damaligen Gemeindeschwester mit denen der heutigen Diakonie-Station, deren schwerpunktmäßige Arbeit in der Versorgung, Pflege und Betreuung älterer Menschen liege. Die bevorstehende Gründung eines Seniorenbeirates in Gemünden trage auch der demographischen Entwicklung Rechnung; seien doch derzeit schon 30 Prozent der Gemündener Bevölkerung über 60 Jahre alt. Zwar werde in den nächsten Jahren in der Seniorenarbeit ein größeres Netzwerk zwischen Gemeinde, kirchlichen Trägern, dem VdK und anderen Hilfsorganisationen innerhalb der Gemeinde angestrebt, doch ohne das ehrenamtliche Engagement, wie es die Frauen- und Seniorenkreise leisteten, werde es auch in Zukunft nicht gehen.

Irmgard Seipp wurde als ältestes aktives Mitglied des Frauenkreises mit einem Blumenstrauß und einer Urkunde besonders geehrt und als älteste Teilnehmer an der Jubiläumsfeier er- hielten Christel Södler, 89 Jahre, und Heinz Christ, 83 Jahre, ein Geschenk.



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