17. Mai 2016, 18:33 Uhr

Einblick ins Archiv: Bürokratie ist nichts Neues

Gemünden-Burg-Gemünden (ek). Einen äußerst interessanten Einblick gab es am Samstag anlässlich des Tages des offenen Archivs im Dorfgemeinschaftshaus. Das Angebot fand im Rahmen der Kulturwochen statt und bot einen Einblick in die Arbeit eines Archivars und in den umfangreichen Bestand des gemeindlichen Archivs.
17. Mai 2016, 18:33 Uhr
Auch alte Flurkarten finden das Interesse der Besucher. (Foto: ek)

Die beiden ehrenamtlich tätigen Archivare Karl Pitzer und Roland Albert (Stellvertreter) hatten eine große Bandbreite von alten Dokumenten, von Bildern und Schriftstücken vorbereitet, sodass die zahlreich im Laufe des Tages gekommenen Besucher einen guten Überblick bekamen. Die beiden Archivare standen zudem für Erläuterungen und zusätzliche Informationen zur Verfügung, sodass sich interessante Gespräche entwickelten.

Zu Beginn waren auch Bürgermeister Lothar Bott, der Erste Beigeordnete Eckhard Kömpf und Ortsvorsteher Florian Albert erschienen, um sich zu informieren. Neben der ausgestellten Exponate, die teilweise sehr alt waren und bis in das 18. Jahrhundert zurückreichten, gab es auch einen sehr interessanten Einblick in den normalerweise nicht zugänglichen Bereich des Archives, wo Unmengen von alten Büchern und Dokumenten lagern, die zwar vorsortiert, aber bei Weitem noch nicht alle erfasst und katalogisiert sind. Dazu steht den Archivaren auch moderne Hardware zur Verfügung, wo mit einer speziellen Software die Dokumente erfasst und damit zugleich auch für jedermann recherchierbar werden. Gleichwohl erfolgt diese Erfassung nur komplett, das einzelne Dokument kann dabei nicht online eingesehen werden, es muss dann per Hand aus dem entsprechenden Regal gesucht werden. Eine ausgeklügelte Registratur macht es dann aber einfach, das gesuchte Dokument zu finden, wobei die Ablage vordergründig jahrgangsmäßig erfolgt.

Beispiel unsachgemäßer Lagerung

Während Bürgermeister Bott eingangs die Hintergründe zur Entstehung des Archivs und die dabei zu überwindenden Hürden erläuterte gab Archivar Karl Pitzer einen Einblick in die Vorgehensweise bei der Prüfung ob ein Dokument archivfähig ist, oder ob es dort nicht aufgenommen wird. Bott unterstrich in diesem Zusammenhang das große ehrenamtliche Engagement der beiden Archivare und machte zugleich deutlich, dass es ohne dieses Engagement nicht möglich wäre ein solches Archiv aufzubauen und später dann auch weiter zu pflegen. Von daher sei es von besonderer Bedeutung entsprechend Interessierte zu finden und zu motivieren, damit auch in Zukunft das Archiv kontinuierlich weitergeführt werden kann. Interessant war auch die Präsentation eines alten Buches, welches über die vielen Jahrzehnte nicht ordnungsgemäß gelagert und aufbewahrt wurde und dadurch erheblichen Schaden genommen hat. Sortiert sind die Dokumente natürlich auch nach den jeweiligen Gemündener Ortsteilen, die bekanntlich alle vor 1972 selbstständig waren. Ein wichtiges Augenmerk bei der Archivierung muss auf den Datenschutz gelegt werden, dies vor allem nicht nur bei Dokumenten mit personenbezogenen Daten, vor allem auch bei Bildern sei dies von besonderer Bedeutung und sehr genau vorgegeben, so erläuterte Archivar Pitzer. Keinen besonderen Datenschutz genießen dabei Dokumente die älter als
100 Jahre sind, diese können auch mit den jeweiligen Namen öffentlich zugänglich gemacht werden. So war im Rahmen dieser öffentlichen Ausstellung an einem Beispiel sehr anschaulich nachvollziehbar dargestellt, wie umfänglich Bürokratie schon im 19. Jahrhundert betrieben wurde. Die umfassende Regelung vieler Details also keine »Erfindung« der Moderne ist, sondern auch schon früher viele Generationen und damit Schreiber beschäftigte. Deutlich wurde im Rahmen der Ausstellung auch die umfangreiche Übersetzungsarbeit, mit der sich Archivare beschäftigen müssen. Die alten Dokumente sind natürlich alle handschriftlich verfasst und dazu in alter deutscher Schrift, teilweise unter Verwendung von Begriffen, die heutzutage nicht mehr gebräuchlich sind und deren Bedeutung zunächst umfangreicher Recherchen bedurfte.

Eine besondere Ausstellung von Bildern betraf Schulbilder, also Fotos von Schulklassen, aus den früher kommunalen Gemeindeschulen. Dazu erläuterte Karl Pitzer abschließend, dass man plane aus allen Gemündener Ortsteilen möglichst viele solcher Klassenbilder zusammenzustellen, um auf diese Weise eine möglichst vollständige Chronik zu erhalten.

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