14. April 2021, 21:50 Uhr

Gemeinsam Insekten schützen

14. April 2021, 21:50 Uhr
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Aus der Redaktion
Eine Schwebfliege hat sich auf einer Wiese auf einer Blüte niedergelassen. FOTO: DPA

Vogelsbergkreis (pm). Blühwiesen für Insekten sind in. Einige Kommunen des Vogelsbergkreises bemühen sich seit Jahren, den Insektenschutz auf diese Weise umzusetzen. Um dieses Engagement zu unterstützen, hat die Untere Naturschutzbehörde erstmalig ein kreisübergreifendes Insektenschutzprojekt ausgerufen, an dem 13 Städte und Gemeinden als Projektpartner teilnehmen. Alsfeld, Feldatal, Gemünden, Grebenhain, Herbstein, Homberg, Kirtorf, Mücke, Lautertal, Schlitz, Schwalmtal, Schotten und Wartenberg beteiligen sich an den Maßnahmen. Das Projekt wird gefördert durch das Regierungspräsidium Gießen aus Mitteln zur Umsetzung der Biodiversitätsstrategie in Hessen.

Privatpersonen können auch helfen

Deutschland kann rund 30 000 heimische Insektenarten verzeichnen. Sie sind ein unverzichtbarer Teil des Ökosystems: Nicht nur als Bestäuber der Obstbäume und vieler Blütenpflanzen leisten sie einen unbezahlbaren Beitrag für die Lebensmittelproduktion und für das Fortbestehen wertvoller Biotope. Sie sind Teil der Nahrungskette und sichern das Überleben zahlreicher Vogel-, Reptilien- oder Amphibienarten. »Insektenvielfalt und heimische Artenvielfalt sind damit untrennbar verbunden. Es ist eine wichtige Aufgabe, diese Vielfalt zu erhalten und Maßnahmen im Vogelsbergkreis zu unterstützen«, sagt Dr. Jens Mischak, zuständiger Dezernent und Erster Kreisbeigeordneter.

Im Fokus steht heimisches Saatgut - in zweifachem Sinne: Anstelle von Zier- und Kulturpflanzen lassen sich die typischen Blütenpflanzen der Mähwiesen und Magerweiden in Blühstreifen ansäen. Für das Projekt wurde ausschließlich Saatgut heimischer Arten ausgewählt. Doch Pflanzenart ist nicht gleich Pflanzenart. Beispielsweise hat sich ein Bestand Margeriten einer Vogelsberger Wiese, der dort seit vielen Generationen überdauert, genetisch an seinen Lebensraum angepasst. Verwendet man entsprechend Saatgut gebietsheimischer Arten - zum Beispiel Margeriten aus dem hessischen Bergland - spricht man von sogenanntem Regio-Saatgut.

Insgesamt wurde Regio-Saatgut mit heimischen Arten für 35 000 Quadratmeter Blühfläche angeschafft. Allein 10 000 Quadratmeter werden auf verschiedenen Wegen als Samentütchen an Privatpersonen verteilt, um Hausgärten und viele andere private Grünflächen zum blühenden Insektenbüfett zu machen. Das übrige Saatgut wird zur Ansaat auf kommunalen, innerörtlichen Grünflächen verwendet. Flächen, die ohnehin schon da sind, sogenannte Eh-Da-Flächen, können auf diesem Weg für Natur und Artenvielfalt aufgewertet werden.

Das wichtige Thema Insektenschutz wird im Vogelsbergkreis auch in eigenem Engagement der Städte und Kommunen vorangetrieben: In den Gemeinden Mücke und Grebenhain werden seit mehreren Jahren eigene Aktionen zur Blühstreifenansaat durchgeführt - mit sehr positiver Resonanz. Die Stadt Schlitz hat sich Ende 2020 dem Sternenpark Rhön angeschlossen und in Zukunft Maßnahmen zur insektenfreundlichen Gestaltung von Straßenbeleuchtung geplant.

Auf wissenschaftliche Weise befasst sich das Forschungszentrum Neu-Ulrichstein (FNU) mit den Eh-Da-Flächen, den ungenutzten, innerörtlichen Grünflächen des Vogelsberges. Gemeinsam mit den Städten und Gemeinden Kirtorf, Homberg, Mücke und Gemünden wurden bereits im Jahr 2019 Ideen und Maßnahmen konzipiert, das innerörtliche Grün für den Insektenschutz zu nutzen. Bedingt durch die Corona-Krise wurde die Umsetzung zunächst verzögert, ist nun aber in Planung.

Blühflächen sind nur eine von vielen möglichen Varianten, die heimische Insektenvielfalt zu fördern. Eine kurze Zusammenstellung, wie an jedem Haus, jeder Wohnung und jedem Garten mehr für die Insektenvielfalt getan werden kann, hat der Vogelsbergkreis in einer Broschüre zusammengestellt, die nicht nur auf der Webseite des Kreises, sondern auch in den Partnerkommunen als Print- oder Online-Variante erhältlich ist.



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