19. April 2021, 21:25 Uhr

Freie Bahn für die Groppe

Die Wasserqualität in Bächen ist in den vergangenen Jahren besser geworden. Doch das reicht nicht, um Kleinkrebsen und Fischen wieder das Leben zu ermöglichen, wie es gesetzlich vorgegeben ist. Bei Wehren und betonierten Bachsohlen müssen Aufstiegshilfen gebaut werden. Nun wurde eine Fischtreppe in Kestrich für rund 30 000 Euro saniert.
19. April 2021, 21:25 Uhr
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Von Joachim Legatis
Die Fischtreppe Kestrich ist wieder geflutet und vermindert die Fließgeschwindigkeit des Wassers. Links Christiane Drabik und Ingo Deitermann, mit der blauen Jacke Arnold Hacke, daneben Bürgermeister Leopold Bach, in der Mitte Arbeiter der Baufirma Caspar. FOTOS: JOL

Auch eine Fischtreppe kommt in die Jahre und muss dann aufwändig wieder funktionsfähig gemacht werden. So geschehen mit der Fischaufstiegshilfe in Sengersbach/Felda in Kestrich, die für rund 30 000 Euro saniert wurde. Dieser Tage haben die Arbeiter der Baufirma Caspar die Rinne des Mühlbachs wieder frei gegeben.

Über den Umweg können kleine Fische an der Staustufe vorbeischwimmen. Für Arnold Hacke von der Unteren Wasserbehörde sind zudem kleine Krebse und Muscheln wichtig, von denen sich die Fische ernähren. Es ist nicht ganz so einfach, den kleinen Lebewesen den Weg entgegen der Strömung frei zu machen.

Bei der Wiedereröffnung der Fischtreppe erläuterte Hacke, dass dort Borsten fest eingebaut sind. Sie sehen in etwa aus wie künstliches Schilf und bieten kleinen Fischen und den Kleintieren Halt beim Bewältigen der Steigungsstrecke. Der Boden wurde wieder mit Steinen ausgelegt, die von neu eingebauten Edelstahlblechen am Ort gehalten werden.

Errichtet wurde die Fischtreppe bereits 2012 als eine Ausgleichsmaßnahme für den Bau des Windparks Helpershain durch die Firma Hessenwind. Inzwischen ist das Unternehmen eine Tochter des Energieversorgers OVAG, und sieht sich in der Pflicht, die zickzackförmige Betonanlage in Schuss zu halten.

Wie Ingo Deitermann weiter erläuterte, war die rund 70 000 Euro teure Ausgleichsmaßnahme Teil der Genehmigung. Die Bachanlage ist nur eine von mehreren Ausgleichsmaßnahmen zum Schutz der Natur, mit denen auch Biotope für Fledermäuse, Rotmilane und Schwarzstörche geschaffen wurden.

Hacke würde gerne mehr Renaturierungsmaßnahmen in Bächen umsetzen. Deshalb freut er sich über die Möglichkeit, Ausgleichsmaßnahmen dafür zu nutzen. Die Renaturierung ist gesetzlich vorgeschrieben, wird aber nur langsam umgesetzt. Die Grundlage dafür ist die Wasserrahmenrichtlinie der Europäischen Union. So sind in früheren Jahren viele Kläranlagen gebaut worden, was die Wasserqualität erheblich verbessert hat, erläutert Hacke.

Kleintiere im Blick

Inzwischen hat sich aber gezeigt, dass das Klären der Abwässer nicht reicht, um gesunde Gewässer zu erreichen. Um die Lebensgemeinschaften im Wasser zu erhalten, braucht man Uferrandstreifen und muss Wehre sowie Staustufen umbauen.

Wie Hacke erläuterte, sollen schwimmschwache Fischarten, Kleinkrebse und Muscheln wieder in die hiesigen Gewässer zurückkehren, die früher häufig waren. Doch ihnen stehen noch zu viele Wehre für Mühlen und glatte Bachsohlen im Weg. Dort haben kleine Lebwesen und kleinere Fische keine Chance, bachaufwärts zu gelangen. Dadurch können sich die Populationen nicht mehr mischen und sterben aus. »Die Groppe ist dabei ein Zeigerfisch, der belegt, ob die Tiere wieder weiter nach oben im Bach wandern können«, sagt Hacke.

Der Umbau der Fischtreppe in Kestrich soll bewirken, dass die Krebse und Fische bei unterschiedlichen Wasserständen Halt in der Strömung finden. Einige 100 Meter bachabwärts sorgen quer eingebaute Betonschwellen dafür, dass Groppe und Krebs die glatte Sohle unter einer Brücke in Groß-Felda überwinden.

Für Hacke war der Ortstermin in Kestrich ein besonderer Termin, denn er geht in wenigen Wochen in Ruhestand. Die Fischtreppe war die letzte Maßnahme, die er betreut hat. Hacke war 20 Jahre bei der Unteren Wasserbehörde des Vogelsbergkreises tätig. Als seine Nachfolgerin übernimmt die Umweltingenieurin Christiane Drabik die Umwetzung der Wasserahmenrichtlinie. Die nächste Fischtreppe ist dann ihre Maßnahme.



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