30. August 2021, 21:16 Uhr

Frau ist auf alles vorbereitet

30. August 2021, 21:16 Uhr
Avatar_neutral
Von Jutta Schuett-Frank
Auch ältere Handtaschenträgerinnen entdecken in der Ausstellung noch neue Farben und Formen. FOTO: SF

Schwalmtal (sf). Ausverkauft! Annähernd 60 Personen besuchten am Samstag die Schmuckschule in Rainrod bei Alsfeld. Es galt ein weitgehend unerforschtes Terrain zu erkunden: die Kulturgeschichte der Handtasche. Frei nach Loriot könnte man schlussfolgern: Ein Leben ohne Handtasche ist möglich, aber sinnlos. Die Veranstaltung vom Kulturverein Karuszel-Gebirgskulturen im Rahmen des Kultursommers Mittelhessen fand sehr großen Zuspruch.

Nur wenige Männer wurden bei der doch sehr speziellen Ausstellung gesichtet. Das kaum bearbeitete Thema ist nun mal primäre Frauenangelegenheit. Nahezu mühelos gelang es den Vogelsberger Initiatorinnen Traudi Schlitt, Helga Weigand, Anne Diesing und Viktoria Wittek Dutzende von Handtaschen für die Ausstellung in mehreren Räumen der Schmuckschule zu organisieren. So verfügt Autorin und Moderatorin Schlitt über 40 rund im Gebrauch befindliche Handtaschen, Helga Weigand kommt auf über 50, die allesamt »in ihrer Vielfalt von der Zeit sprechen, als sie ein besonderer Blickpunkt waren.«

Umrahmt von über hundert ausgestellten Objekten hielt die Alsfelder Literatin Traudi Schlittt ein sehr aufwendig recherchiertes Referat zum Thema. »Wir begeben uns auf eine Reise in die wunderbare Welt der Handtaschen, eine wahrlich irre Welt, vielschichtig, unerschöpflich grenzenlos.«

Inhalt von Windel bis Leckerlies

Als in England die ersten Vorgänger der heutigen Handtasche auftauchten, nannte man die winzigen Beutel die »Unentbehrlichen«. Taschen, betont Schlitt, »sind in der Regel stets das Spiegelbild der aktuellen Lebensumstände einer Frau«. Man könne den »lebenswichtigen Accessoires« ansehen, ob die Besitzerin eine junge Mutter oder eine Hundebesitzerin sei - Windeln versus Leckerlies.

Für Traudi Schlitt und Helga Weigand sind Handtaschen »Wundertüten, gar schwarze Löcher, die zahllose Geheimnisse verbergen.« Lippenstifte und Füller, Taschentücher und Pfefferminzbonbons, alte Kinokarten und womöglich einen verschwundenen Liebesbrief. Wer eine Handtasche nach langer Zeit mal wieder öffnet, wird in eine eigentlich längst vergessene Zeit geführt und an sie erinnert. »Das Leben«, sagt Weigand, »ist wie eine Handtasche - niemand weiß so ganz genau, was sich darin befindet, weiß, wo die Suche endet.« Frauen, sagt Traudi Schlitt, seinen mit dem Inhalt ihrer Handtaschen allzeit bereit »unvorhergesehene Katastrophen zu meistern« und zitiert die amerikanische Kolumnistin Enid Nemy: »Was eine Frau für lebenswichtig hält, bewegt sich in einem ganz anderen Rahmen, in einem viel größeren und kreativeren, als sich dies Männer vorstellen«.

Abgerundet wurde das Thema durch den Einsatz eines besonders ungewöhnlichen Objektes: Die Zaubertasche. aus der der Licher Sozialpädagoge und Zauberer »Tomani« Erstaunliches zu Tage förderte. Handtaschen können eben auch verzaubern.



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos