29. März 2021, 07:00 Uhr

Hoch hinaus

Forschen für Mars-Roboter

Marcel Kaufmann arbeitet an Robotern, die den Mars erkunden sollen. Der Schwälmer pendelt zwischen Kanada und Kalifornien. Am Dienstag ist er bei einer digitalen Diskussionsrunde zu Gast.
29. März 2021, 07:00 Uhr
Marcel Kaufmann mit Astronaut Matthias Maurer bei der »Drohnen-Praxis« auf Lanzarote. Am Dienstag berichtet er in einer Veranstaltung der VR Bank HessenLand über seine Arbeit. FOTO: PM

Astronaut wollte Marcel Kaufmann (31) schon mit sieben Jahren werden. In einem seiner ersten Grundschulaufsätze schrieb er auf die Frage »Was willst du einmal werden?« genau diese Antwort. Jetzt setzt der junge Mann aus Gilserberg-Sachsenhausen Schritt für Schritt diesen Wunsch in die Realität um. Am 30. März ist er bei einem Vortrag zu erleben - siehe Extra-Kasten.

Kaufmann hat seinen Berufswunsch kontinuierlich verfolgt. Bereits im Jahr 2007 hat er am Schwalm-Gymnasium in Treysa den NASA Wettbewerb gewonnen und die Space School in Houston besucht. Momentan ist er Doktorand in Kanada. Nach dem Abitur studierte er an der Hochschule in Darmstadt und belegte ein Programm zum Thema Raumfahrtstudien an der International Space University.

Einen Teil seines Masterstudiums hat er in den Niederlanden bei der Firma Science & Technology verbracht und dort Satellitenbildverarbeitung betrieben. Nun ist er an der Technischen Universität Polytechnique Montreal tätig, aktuell im vierten Jahr. Gleichzeitig ist er als Gastwissenschaftler im NASA Jet Propulsion Laboratory/Caltech in Kalifornien, USA, beschäftigt.

Seit September 2017 forscht Marcel Kaufmann im Bereich Computer Engineering mit Schwerpunkt Raumfahrt-Robotik in Montreal. Sein Schwerpunkt liegt auf dem Betrieb von Robotern auf Mond und Mars. Dabei gehtg es Mensch- und Multi-Roboter Systeme zur Erforschung von anderen Planeten wie Mond und Mars. Anwendbar ist das Wissen auch auf Anwendungen auf der Erde im Bereich Katastrophenschutz, Rettung und Bergung. »Das ist mehr als nur eine Herausforderung«, sagt der findige Wissenschaftler.

Das Jet Propulsion Laboratory der NASA wird von der Universität Caltech betrieben und ist unter anderem aus der TV-Serie »Big Bang Theory« bekannt. Die Einrichtung hat von seinen Forschungen erfahren und bat Kaufmann Ende 2019 darum, eine Bewerbung als Gastwissenschaftler einzureichen. Kurz vor der Pandemie hat er die Stelle angetreten. »Und so konnte ich«, sagt Kaufmann weiter, »das sogenannte ›Center of the Universe‹, das Zentrum des Universums, betreten«.

Dort ist er in der Robotik-Abteilung 347 zu finden. »347 ist die Abteilung, in der viele Personen an der Mars-Mission 2020 arbeiten, die nach siebenmonatiger Reise zum Mars in den letzten Wochen die ersten großen Erfolge verzeichnen konnte. Das Ziel und die Aufgabe der Untergruppe 347T, Team CoSTAR, besteht darin, autonome Multi-Roboter Systeme zu entwickeln, die bereits in künftigen Generationen zum Einsatz kommen könnten und in der DARPA Subterranean Challenge antreten«, klärt der begeisterte Weltraumforscher auf.

Ziel: Astronaut

Konkret arbeiten Marcel Kaufmann und das Team für diese Challenge, um Untergrundumgebungen, wie zum Beispiel aus Lava geformte Höhlen autonom zu erforschen, zu kartographieren und Stellen von besonderem Interesse zu identifizieren. Das alles geschieht, indem ein Mensch zwischen fünf und elf Robotern gleichzeitig managt, aber nicht fernsteuert. »In dem Team, das ich seit Anfang 2020 sozusagen mit meiner Forschungs-Idee verstärke, arbeiten wir mit ›Mars-Hunden‹, die das Erkunden von unwegsamem und unbekanntem Gelände vornehmen«, erläutert der Doktorand.

Ende März 2021 öffnet die Ausschreibung für Astronauten bei der ESA, Kaufmanns Bewerbung ist bereits in Vorbereitung. Die medizinische Voruntersuchung vom Fliegerarzt hat bereits in Kanada begonnen und alles wird im Laufe der Bewerbungsphase eingereicht. Kaufmann rechnet allerdings mit 10 000 bis 12 000 Bewerberinnen und Bewerber auf sechs Astronautenplätze und 20 Reserveplätze.

Sollte es bei dieser großen Konkurrenz nicht klappen, ist er mit dem Thema »Robotik und Mensch- und Maschine-Interaktion« breit gefächert aufgestellt. So kann er sich durchaus in diesem Kontext spannende Aufgaben vorstellen, die auch auf der Erde umgesetzt werden können.

»Mein persönliches Ziel ist es, die Raumfahrt von morgen aktiv mitzugestalten. Es wäre sehr schön zu sehen, wenn ein kleiner Teil dessen, an dem ich gearbeitet habe, es auch auf einen anderen Planeten schafft«, blickt der Gastwissenschaftler der NASA in die Zukunft. Trotzdem: Raumfahrt als Astronaut zu betreiben wäre das »i-Tüpfelchen seiner Karriere«.

Ein wenig Heimweh ist immer dabei, So sagt Kaufmann, »ich vermisse Familie und Freunde, das Leben in der grünen Schwalm und, wie könnte es anders sein, die Ahle Worscht aus der Heimat«. Er wünscht sich in Montreal, »bald wieder normal reisen zu können«, denn der letzte Besuch in der Schwalm war im September 2020. Schon damals gab es Einreisesperren in Kanada und so entstand kurzzeitig ein NASA-Außenposten in der Quarantäneunterkunft in Wasenberg und im Elternhaus in Sachsenhausen.

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