26. Februar 2021, 22:23 Uhr

»Flächenverbrauch stoppen«

26. Februar 2021, 22:23 Uhr
Ein Streit zwischen Naturschutzverbänden und Stadt ist um das geplante neue Gewerbe- und Industriegebiet Am weißen Berg in Alsfeld entbrannt. FOTO: PM

Flächenfraß stoppen - dieser Aufruf ist so auf der Internetseite des Naturschutzbundes (NABU) zu lesen, doch leider sei die Realität eine ganz andere und bezieht sich auf die Pläne der Stadt Alsfeld, ein neues Gewerbe- und Industriegebiet Am weißen Berg bei Altenburg an der Autobahn auszuweisen. Der Flächenverlust durch Bebauung und Bodenversiegelung zerstöre nachhaltig jahrhundertealte Kulturräume, landwirtschaftliche Produktionsflächen sowie Lebensräume für Tier- und Pflanzenwelt, so der NABU.

Zerschneiden von Lebensräumen

Die gravierenden Auswirkungen auf die Artenvielfalt seien bereits heute dramatisch. So werde der Flächenverbrauch, gemeinsam mit der ausbleibenden Verkehrswende zu einem weiteren Motor des Klimawandels. Die Folgen des immensen Flächenverbrauchs stünden zudem im Widerspruch zu einer Fülle von politischen Absichtserklärungen.

Denn wo Fläche verbraucht wird, da werde der Boden mitsamt seinen Funktionen zerstört. Die Zerschneidung von Lebensräumen und die Versiegelung der Flächen führe zu Lebensraumverlust, erhöhtem Wasserabfluss, geringerer Grundwasserneubildungsrate und abnehmenden CO2-Speicherraten. Das beschleunige das Artensterben und die Klimakrise. Die Flächen heizten sich auf und es komme zu Hitzestaus in den Städten, Herzkreislauf- und Atemwegserkrankungen würden begünstigt. Im vorliegenden Fall könne so im Sommer der nächtliche Luftaustausch kühlerer und sauerstoffreicher Waldluft vom »Homberg« zur Alsfelder Innenstadt beeinträchtigt werden. Der NABU kritisiert vor allem die enorme Fläche von 40 Hektar und vor allem auch die Wahl und Lage des geplanten Gewerbegebietes. Wie die Voruntersuchungen gezeigt hätten, würden diese Flächen zahlreichen Feldvögeln derzeit einen guten Lebensraum bieten, wie sich an der auffällig hohen Dichte der Feldlerche zeige.

Gerade diese ehemals sehr häufige Art zeige in Deutschland in den letzten Jahrzehnten Rückgänge bis zu einer Halbierung der Bestände. Da könnten auch die von den Befürwortern aufgeführten Anpflanzungen und Begrünungen im Bebauungsgebiet selbst nichts ändern.

Für Arten der offenen Feldflur seien die Flächen verloren. Und wie bereits in einer Stellungnahme der Naturschutzverbände dargelegt wurde, basierten die vorgesehenen Ausgleichsmaßnahmen zwar auf guten Ansätzen, reichten aber nicht aus.

Stadt verteidigt Entwicklung

Der Alsfelder Bürgermeister Stephan Paule und der Erste Kreisbeigeordnete Jens Mischak haben auf die Vorwürfe der Naturschutzverbände reagiert und diese zurückgewiesen. Das neue Gewerbegebiet sei für die Entwicklung der Stadt unbedingt notwendig, so Paule Das Gebiet bietet sich auch wegen der direkten Lage am Autobahnanschluss Alsfeld-Ost an, so Mischak.

Es wurde davor gewarnt, die Entwicklung jetzt zu torpedieren, dies werde negative Folgen auf die Stadt und die Entwicklung der Arbeitsplatzsituation haben.

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