10. Mai 2010, 16:58 Uhr

Werben um Frankfurter Broker - für Bio-Energie

Feldatal (jol). »Erfrischend anders« überrascht Bürgermeisterkandidat Jörg Kurzkurt die Feldataler bei seinen Hausbesuchen: Mit einem Döschen Pfefferminz-Dragees, das sein Konterfei trägt.
10. Mai 2010, 16:58 Uhr
Jörg Kurzkurt im Gespräch über seine Ziele als Bürgermeister von Feldatal, ein Ort, der mit hoher Lebensqualität Städter anlocken kann. (jol)

Feldatal (jol). »Erfrischend anders« überrascht Bürgermeisterkandidat Jörg Kurzkurt die Feldataler bei seinen Hausbesuchen: Mit einem Döschen Pfefferminz-Dragees, das sein Konterfei trägt. Er geht auf dem Ticket der CDU ins Wahlrennen, betont aber, ein Bürgermeister müsse überparteilich agieren. Am liebsten wäre es ihm, wenn in der Kommunalpolitik produktiv zusammengearbeitet wird, um Finanzmisere und Probleme des ländlichen Raums anzugehen. Das Angebot zur Zusammenarbeit nimmt man dem 37-jährigen Polizeikommissar durchaus ab, umgänglich und dennoch konzentriert wirkt er im Gespräch mit der Allgemeinen. Auch in einem schwierigen finanziellen Umfeld will er daran mitwirken, Lebensstandard und Kultur zu erhalten. Dazu setzt er auf erneuerbare Energien und will Feldatal als Wohnort nahe dem Ballungsraum etablieren.

Zur Person: Der Polizeibeamte stammt aus Birstein, wo sein Vater fast 20 Jahre Bürgermeister war. Er hat sich als Jugendlicher der Jungen Union angeschlossen und war drei Jahre Gemeindevertreter. Er war vier Jahre bei der Bundeswehr, absolvierte eine Ausbildung als Mediengestalter und trat dann in den Polizeidienst ein. Aktuell arbeitet er bei der Frankfurter Polizei in einer Abteilung zur Fahndung nach gestohlenen Fahrzeugen. »An der Polizeiarbeit schätze ich das breite Einsatzspektrum und dass es eine flexible Tätigkeit ist - man weiß nicht, was auf einen zukommt.« In der Freizeit hebt er gerne ab, mit Segelflugzeug, Ultraleichtflugzeug oder als »Pilot« eines Modellhubschraubers.

Vor vier Jahren kam er mehr aus Zufall an ein Haus in Stumpertenrod. Nach längerer Suche im Internet haben sich seine Lebensgefährtin und er ein Haus in Stumpertenrod angeschaut. »Schon als wir von der Platte her zu dem Ort fuhren, dachten wir, Wow, das ist das Paradies«, so sehr hat ihn der Blick auf die Stumpertenröder Landschaft an jenem herrlichen Sommertag beeindruckt. Immer noch hält er große Stücke auf den Ort und freut sich auf die Freizeit in herrlicher Umgebung, während viele seiner Frankfurter Kollegen nicht aus dem Ballungsraum herauskommen. Und sie sind oft gerade mal eine Viertelstunde schneller im Polizeipräsidium als er. Seine Lebensgefährtin ist Tierärztin und promoviert an der Uni Gießen.

Eigentlich verkauft sich die Region unter Wert und da sieht Kurzkurt viel Potenzial für Feldatal. Mit mehr Werbung könnte man mehr Menschen in die hiesigen Orte ziehen, eine herrliche Umgebung, wenig Kriminalität, soziales Leben und günstige Häuser sind für Menschen nach der Orientierungsphase im Leben attraktiv.

Seine Kandidatur ist ein Stück Bekenntnis zu seiner neuen Heimat: Bereits vor einem guten Jahr habe er sich an die CDU gewandt und Interesse an der Mitarbeit bekundet. Als dann feststand, dass Ernst-Uwe Offhaus nicht noch einmal für eine Wahlperiode antritt, hat er die Bereitschaft zur Kandidatur signalisiert. »Da kann man gestalten und sich kreativ einbringen«, meint er über den Beruf des Bürgermeisters. Die Verwaltungskenntnisse könne er sich auf Grundlage seines Verwaltungs-Studiums aneignen.

Der Bürgermeister ist der »erste Diener seiner Gemeinde«, er arbeite eng mit dem Parlament, müsse aber auch eine gewisse Durchsetzungskraft aufweisen. Wichtig ist dabei die Kooperation mit anderen Bürgermeistern und übergeordneten Behörden. Die Schuldenlast ist hoch und die Bevölkerung schrumpft - »da müssen wir umdenken«. Es könne nicht so weitergebaut werden wie in der Vergangenheit, sonst steigen die Gebühren in Höhen, die den ländlichen Raum unattraktiv machen. Dabei sollten die Gemeinden erhalten bleiben, die Bürger identifizieren sich mit ihren Orten.

Um die Verschuldung zu senken, könne man nicht die Infrastruktur zerschlagen. »Wer soll denn die Gemeinschaftshäuser kaufen, die sind doch viel zu groß - und wenn wir Kindergärten schließen, machen wir uns für Familien unattraktiv.« Er hofft auf Bewegung von oben: Land und Bund sollen dem ländlichen Raum mehr Geld zugestehen. Immerhin liefert der Vogelsberg Wasser und steht als Erholungsgebiet zur Verfügung. Dabei müsse man eng zusammenarbeiten, »wir können uns Parteiquerelen auf kommunaler Ebene kaum leisten«. Chancen für den ländlichen Raum sieht er im Bereich der regenerativen Energien wie Windkraft, Biomasse und Sonnenkraft. Immerhin will das Land diesen Bereich ausbauen. Und günstige Energie könnte Anreiz für Familien sein, nach Feldatal zu ziehen.

Er will ungefähr ein Drittel der Feldataler Haushalte direkt aufsuchen, viele der Besuchten haben schon überaus positiv reagiert, als er sich an der Haustür vorstellte. Dabei kamen oft Probleme der Region zur Sprache wie fehlende Arbeitsplätze oder Mangel an Nachwuchs. Eine Hoffnung setzt er in moderne Kommunikation, mit schnellen Datenverbindungen können auch Broker statt aus dem Frankfurter Büro von zu Hause im Vogelsberg aus arbeiten. Ansonsten will er mit dem Pfund wuchern, das der Vogelsberg hat: Landschaft, Vereine und Kultur.

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