17. März 2010, 21:30 Uhr

Regina Kochs junges Leben durch Flucht geprägt

Feldatal-Kestrich (eik). Im »Erzähl-Café« in der ehemaligen Synagoge gab Regina Koch am Sonntag Nachmittag tiefe Einblicke in ihr Leben bei der Flucht aus ihrem Heimatort Königsberg (heute Kaliningrad).
17. März 2010, 21:30 Uhr
Regina Koch berichtete bei ihrer Lesung auch über dunkle Seiten ihrer Flucht aus Ostpreußen. (Foto: eik)

Feldatal-Kestrich (eik). Im »Erzähl-Café« in der ehemaligen Synagoge gab Regina Koch am Sonntag Nachmittag tiefe Einblicke in ihr Leben bei der Flucht aus ihrem Heimatort Königsberg (heute Kaliningrad). Es galt gegen Ende des Zweiten Weltkrieges, viele Hindernisse zu überwinden, bis sie in ihre heutige Heimat Groß-Felda gelangte. Einleitend zur Lesung erwähnte Bürgermeister Ernst Uwe Offhaus, in den fünf Jahren von 2005 bis 2010 sei das Gästebuch der Synagoge mit Geschichten und Musiktexten gefüllt worden, jetzt liege ein neues Gästebuch aus.

Regina Koch berichtete, sie habe nur eine sehr kurze Jugendzeit in ihrem Heimatort Königsberg gehabt. Denn bereits in ihrer frühen Jugendzeit sei ihre Heimat zerbombt worden, so dass sie mit ihrer Familie zur Flucht gezwungen war, die anderthalb Jahre dauern sollte. Dabei hätten sie und ihre Mutter viele Hindernisse überwinden müssen, teilweise ging es vorbei an Leichen, ferner gab es andere unangenehme Ereignisse, die sie ihr Leben lang nicht vergessen habe. Während ihrer Flucht ab 1945 kamen die feindlichen Kriegstruppen immer näher, es habe Luftangriffe gegeben, die die Flucht erschwerten.

Regina Koch blickte zurück und erinnerte sich daran, wie sie damals teilweise über Schiffe und Frachter oder in Zügen in andere Städte gebracht wurden. Dort habe man sie dann in Baracken und Lagern untergebracht, die meistens schon mit anderen Flüchtlingen oder verwundeten Soldaten besetzt waren. Man verbrachte durchaus auch die Nächte in der eisigen Kälte oder suchte einen Unterschlupf in Bauernhäusern. Man habe wenig zu essen gehabt und stets versucht, sich gegenseitig zu helfen. Als die russischen Truppen das ehemalige Preußen erreicht hätten, hätten sie sich vorsichtig verhalten müssen. Schmuck und Personalien seien versteckt worden, so dass die russischen Truppen nichts finden konnten. Jede Nacht seien die Soldaten mit Taschenlampen gekommen und hätten nach Mädchen gesucht, doch Regina Koch und ihre Freunde hätten sich verstecken können.

Ab August 1945 sei es ihr gelungen, so berichtete Regina Koch, in eine Schule zu gehen und später sogar ein wenig Geld zu verdienen. Eines Tages habe sie durch die Unterstützung des Deutschen Roten Kreuzes ihre Familie ausfindig machen können. Ihr Vater galt als vermisst und ihre Großmutter, die an Krebs erkrankt war, wartete in Groß-Felda auf Hilfe. So habe das Schicksal entschieden, den Weg nach Groß-Felda einzuschlagen. Am 26. Oktober 1945 seien sie in Groß-Felda angekommen. Doch auch dieser Weg sei nicht einfach gewesen. Von diesem Zeitpunkt an lebt Regina Koch in Groß-Felda, wo sie viele Freunde kennen gelernt hat und oft an die frühere Zeit zurückdenkt.

Nach der Lesung bedankte sich Regina Koch für die sehr zahlreich erschienen Besucher. Und auch Bürgermeister Offhaus dankte für die beeindruckenden Schilderungen, die an manchen Stellen bedrückend gewesen seien.

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