25. Januar 2021, 21:33 Uhr

Verschärfte Maskenpflicht

Experten raten: »Jeden Tag die Maske wechseln«

In Geschäften und im öffentlichen Nahverkehr reicht ein normaler Mund-Nasen-Schutz künftig nicht mehr aus. Experten der THM Gießen geben deshalb Tipps zu FFP2-Masken.
25. Januar 2021, 21:33 Uhr
Die Homberger Apothekerin Birte Behle hat wie viele Kollegen in der Region genug FFP2-Masken auf Vorrat besorgt. FOTO: JOL

Stoffmasken, selbstgenähte Masken-Modelle oder Tücher und Schals als Mund-Nasen-Schutz sind fortan laut Beschluss der Politik zumindest im Nahverkehr und in Geschäften nicht mehr erlaubt. Der Grund dafür ist: Die Wirksamkeit von einfachen Stoffmasken schwankt von Modell zu Modell und schützt - wie auch bei den weitverbreiteten OP-Masken - mehr das Gegenüber, weniger den Träger selbst. Der Selbstschutz aber wird auch unter dem Einfluss neuer Sars-CoV-2-Mutationen wie etwa B117 aus Großbritannien immer wichtiger. Diesen Selbstschutz leisten FFP2-Masken. Sie sind zwar als Einweg-Artikel konzipiert und auch nicht billig, »richtig angewandt« kann eine FFP2-Maske im Privatgebrauch aber durchaus mehrfach verwendet werden«, sagt der Gießener Mediziner Prof. Henning Schneider, Dekan des Fachbereichs Gesundheit der Technischen Hochschule Mittelhessen. Gemeinsam mit seinem Kollegen, dem Humanbiologen Prof. Keywan Sohrabi, beantwortet Schneider die wichtigsten Fragen zu FFP2-Masken.

? Was zeichnet eine FFP2-Maske aus, was unterscheidet sie zum Beispiel von einer OP-Maske?

Der Begriff FFP kommt aus dem Englischen - Filtering Face Piece - und bedeutet übersetzt sinngemäß Atemschutzmaske. Diese Masken sind mit besonderen mehrlagigen Vliesen ausgestattet, die je nach Klasse, auch kleinste Partikel, etwa Viren, zurückhalten. Masken nach der Klassifikation FFP sind anhand gesetzlicher Vorgaben und technischer Normen geprüft und damit ist deren Filterfunktion nachgewiesen. Wichtig ist, dass diese Masken eng anliegen und möglichst geringe Leckagen aufweisen. OP-Masken sind zwar auch industriell hergestellt und geprüft, haben aber nicht die Filtereigenschaften, um den Träger schon vor kleinsten Partikeln zu schützen und liegen nicht eng genug an.

? FFP2- oder FFP3-Masken gibt es in vielen verschiedenen Ausführungen - etwa mit oder ohne Ventil. Welche ist die richtige?

Grundsätzlich sind FFP2-Masken ohne Ausatemventil zu empfehlen, da diese den Träger und das Umfeld schützen. Vor allem in speziellen Anwendungsfällen mit hohem Infektionsrisiko, etwa im Gesundheitsbereich, sind die FFP3-Masken sinnvoll.

? An welchen Kennzeichnungen und Markierungen erkenne ich, dass meine Maske zertifiziert und sicher ist?

Bei FFP2-Masken für den Gesundheitsbereich handelt es sich um Medizinprodukte, bei denen eine »CE«-Kennzeichnung mit einer vierstelligen Nummer aufgedruckt sein muss. Diese Maske muss die Norm nach EN 149:2001+A1: 2009 erfüllen, was auch auf der Maske stehen muss. Wer auf Nummer sicher gehen will, schaut zum Beispiel auf den Herstellerseiten nach Prüfzertifikaten, die die normierte Herstellung bestätigen. International hergestellte Masken verwenden oft auch die Normierung KN95, die ähnliche Eigenschaften wie FFP hat. Es gibt leider gerade im weltweiten Online-Handel aber auch »schwarze Schafe«, die mit gefälschten Zertifikaten arbeiten. Daher sollte man nicht nur auf den Preis schauen und bei seriösen Händlern kaufen.

? Wie setze ich die FFP2-Maske korrekt auf und ab?

Wichtig ist, die Maske nur an den Schlaufen anzufassen und nicht an der Masken-Außenseite, die potenziell kontaminiert sein kann. Dabei vorsichtig die Schlaufen über den Kopf oder die Ohren ziehen. Wichtig ist, dass der eingearbeitete Drahtbügel korrekt an die Nasenkontur geformt wird, damit die Maske wirklich eng anliegt. Dabei darauf achten, dass die Maske richtig herum angezogen wird und die Nase auch immer vollständig bedeckt ist. Denn dabei passieren die meisten Fehler.

? Durch das Internet geistern viele »Anleitungen«, wie das Einwegprodukt wiederverwendet werden kann: Auskochen, in die Mikrowelle oder in den Backofen, stecken, mit Desinfektionsmittel besprühen oder einfach trocknen lassen. Welche Methoden machen die Maske garantiert unbrauchbar?

Die Masken dürfen nicht mit Flüssigkeiten, wie Waschmittel oder Desinfektionsmittel behandelt werden. Auch die Mikrowelle ist ungeeignet.

? Und welche Methode gilt als weitgehend sicher?

Im privaten Alltag ist es am besten, die Masken im Intervall zu tragen. Also am besten die Maske jeden Wochentag zu wechseln und nach sieben Tagen wieder die erste Maske zu nutzen. Da Covid-Viren nur einige Tage überleben, ist dies nach aktuellem Stand am besten im privaten Umfeld zu praktizieren. Bedeutet aber auch: Man benötigt mindestens sieben Masken.

? Wo sollte eine gerade nicht genutzte Maske gelagert werden - und wo keinesfalls?

Masken sollten zum Transport in sauberen Baumwolltaschen oder Beuteln getragen werden. Die Transportbeutel kann man dann regelmäßig waschen. Zuhause sollten die Masken in einem trockenen Bereich nach der Nutzung zum Trocknen aufgehängt werden. In der Hosen- oder Jackentasche haben benutze Masken ebenso wenig etwas zu suchen, wie am Autospiegel oder auf der Frontablage im Auto, da hier die Autogebläse die Viren im Raum verteilen können.

? Wie lange am Stück darf ich eine FFP2-Maske tragen?

Dies hängt natürlich vom jeweiligen Umfeld ab. Aus medizinischer Sicht können die Masken bei gesunden Personen über mehrere Stunden getragen werden und auch wiederverwendet werden. In Hochrisikobereichen wie etwa in Krankenhäusern gelten gegebenenfalls abweichende Regelungen, auch wenn Masken zum Beispiel zum Schutz vor Stäuben am Arbeitsplatz verwendet werden. Hier am besten den Arbeitgeber fragen.

? Wann muss die Maske auf jeden Fall in den Müll?

Bei sichtbaren Rissen oder Verschmutzungen oder wenn die Haltebänder defekt oder ausgeleiert sind. Dann sollte die Maske nicht weiterverwendet werden. Auch sind Masken immer nur persönlich zu tragen. Gebrauchte Masken von anderen Personen sollte man auf gar keinen Fall nutzen.

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