30. Juni 2021, 21:56 Uhr

Kinos öffnen

Endlich wieder Filme im Gießener Kinopolis

Wenn ab diesem Donnerstag das Kinopolis wieder Besucher in seinen Kinosälen empfangen kann, dann liegt eine monatelange Durststrecke hinter Kinoleiter Enrico Sinner und seinem Team. Und diese Zeit ist nicht spurlos am Kino vorüber gegangen.
30. Juni 2021, 21:56 Uhr
Kinopolis-Leiter Enrico Sinner hat es sich nur für ein Foto kurz in einem der neuen Premium-Sitze gemütlich gemacht. Denn eigentlich laufen für ihn und sein Team im Kinopolis derzeit die Vorbereitungen zur Wiedereröffnung am 1. Juli auf Hochtouren. FOTO: SCHEPP

Schachbrettartige Sitzverteilung der Gäste im Kinosaal, Testpflicht für Besucher, Einlasskontrollen mit Abgleich des Impfstatus - im Kinopolis schauen Enrico Sinner und seine Mitarbeiter herausfordernden Zeiten entgegen. Denn wenn am 1. Juli das Kinopolis wieder öffnet, dann können statt der sonst maximal 1400 Besucher in allen neun Kinosälen nur höchstens 300 bis 350 Menschen je nach Gruppenverteilung in den Sälen Platz finden, um den vorgeschriebenen Abstandsregeln zu genügen. Das bedeutet aber 100 Prozent Aufwand für den Kinobetrieb bei maximal erlaubten 25 Prozent Auslastung und das mit vorerst deutlich weniger Personal als üblich. Doch was Sinner am meisten ärgert, ist die Testpflicht: Anders als in anderen Bundsländern müssen hessische Kinobesucher ein aktuelles negatives Testergebnis vorlegen. Doch wo soll man das in Kinonähe machen, wenn man abends spontan einen Film schauen will und kein Testcenter mehr geöffnet hat? Und was ist mit Minderjährigen, die für einen Covid-Test eigens eine Erlaubnis oder gar die Begleitung ihrer Eltern brauchen? »Das größte Problem für uns ist die Testpflicht«, sagt Sinner daher. Und auch die Abstandsregeln im Kinosaal mit zwei freien Plätzen neben jedem belegten Platz - statt wie in anderen Bundesländern einem Freiplatz - machten es den hessichen Kinoleuten schwer. »Für jedes verkaufte Ticket verlieren wir so etwa acht Plätze.« Hier müsse das Land nachbessern, fordert die Branche.

Aber immerhin wurde das Tragen einer Maske nun nur noch auf den Weg zum Platz beschränkt und können im Kinosessel Getränke und Snacks konsumiert werden, was für die Kinos eine wichtige Einnahmequelle ist. Allerdings kann es da durchaus in den ersten Tagen zu Lieferschwierigkeiten kommen. Schließlich werden Produkte wie Nachos erstmal nur noch auf Bestellung produziert.

Bei allem Ärger überwiegt bei dem Kinopolisleiter aber die Freude darüber, dass nun endlich wieder Filme im Kino vor Publikum gezeigt werden können, nachdem seit 1. November 2020 schon zum zweiten Mal für einen Lockdown im Kino die Lichter ausgehen mussten. »In 16 Monaten konnten wir gerade einmal vier Monate öffnen«, macht Sinner deutlich. Dass die ansteckendere Delta-Variante oder die nächsten Beschlüsse des Corona-Kabinetts nochmal einen Lockdown bedeuten könnten, bereitet ihm Sorgen. »Wir waren die ersten die zumachen mussten und die letzten, die öffnen dürften. Die Angst vor einem nächsten Lockdown, diesem Jo-Jo-Effekt, ist groß. Wir brauchen Planungssicherheit«,sagt Sinner.

Kino als Event für alle Altersgruppen

Groß ist aber offenbar auch die Lust auf Kino, denn die ersten Vorstellungen etwa von »A quiet place« sind bereits so gut wie ausverkauft. Die Nachfrage nach Karten oder Gutscheinen ist durchaus gut. »Das macht uns Mut«, sagt der Kinoleiter. Es sei eben dieser »Eventeffekt Kino«, den die Besucher zu schätzen wüssten, meint er und gerät selbst ins Schwärmen. »Nach acht Monaten ohne Kino ist so eine Wiedereröffnung einfach etwas ganz Besonderes. Und Kino wird nicht durch Streaming ersetzt werden können«, auch wenn mancher Verleiher da durchaus zweigleisig fahre und auf zeitgleiche Starts im Kino und in Streaming-Diensten setze. »Für uns ist aber diese Exklusivität wichtig«, erläutert Sinner. Es würden daher nicht alle Filme im Kinopolis gezeigt werden können.

Damit der Kinobesuch »für alle von 0 bis 99« zum Erlebnis wird, haben Sinner und sein Team die Zeit genutzt, um attraktive Neuerungen installieren zu können. So wurde in drei der neun Kinosäle jeweils im hinteren Bereich eine Premiumbestuhlung eingebaut: mit Fußhocker, mehr Platz und Beinfreiheit, verstellbarer Rückenlehne und integriertem Tisch. Auch D-Box (der Stuhl, der sich bewegt) spielt im Kinopolis weiterhin eine große Rolle und wird, je nach Film, auch gut angenommen..

Auch die kontaktlose Bestellung von Snacks per »retail order« an einem Automaten oder schon bei der Ticketbuchung sorgt nicht nur dafür, dass an den Kassen keine langen Schlangen entstehen, sondern auch dass der Kinobesuch immer komfortabler wird. »Wir müssen die Leute jedesmal neu davon überzeugen, dass jeder Euro gut investiert ist«, weiß Sinner. Und fügt an: »Aber nur im Kino kann man gemeinsam über eine Szene lachen, weinen oder erschrecken.«

Aktion zum Neustart

Zur Wiedereröffnung am 1. Juli gibt es für Kinder im Kinopolis kleine Geschenke und für die ersten 100 Besucher am Abend einen Sekt zur Begrüßung. Im Übergang vom Kassenraum zu den Sälen sind zudem Bilder des Gießener Fotografen Christoforos »Rossi« Mechanezidis aus seinem Projekt »Alles auf Stopp« ausgestellt. Alle Infos, auch zum Kinoprogramm, auf kinopolis.de.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Aschaffenburger Mutig-Preis
  • Filme
  • Imbiß
  • Kinobesuch
  • Kinobesucher
  • Kinoprogramm
  • Kinosäle
  • Minderjährigkeit
  • Publikum
  • Vogelsberg
  • ins Schwärmen
  • Gießen
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos