20. September 2021, 21:24 Uhr

Elf Jahre an Dorfgestaltung gearbeitet

20. September 2021, 21:24 Uhr
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Von Dieter Graulich

Ulrichstein-Unter-Seibertenrod (au). »An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen!« Mit diesen Worten begrüßte Ortsvorsteher Wolfgang Geiß am Samstagnachmittag zahlreiche Gäste in der »Kulturellen Mitte« zur Abschlussveranstaltung der Dorferneuerungsmaßnahmen.

Mit der Dorferneuerung sei ein großer Wunsch der Bevölkerung in Erfüllung gegangen, bereits vor 30 Jahren habe sich der Ortsbeirat für ein neues Dorfgemeinschaftshaus ausgesprochen. Denn es sei kein Jugendraum vorhanden, das alte Backhaus, der Bullenstall, sei sanierungsbedürftig gewesen, und auch auf dem Friedhof hätten Umgestaltungsmaßnahmen angestanden. Die Teilnahme am Dorferneuerungsprogramm sei 2008 möglich geworden, weil Kölzenhain auf die Dorferneuerung verzichtet hatte.

Bewilligungsbescheid kam Ende 2008

So habe man am 5. Dezember 2008 vom damaligen In-nenminister Volker Bouffier den Bewilligungsbescheid erhalten. Im Juni 2010 seien die förderfähigen Kosten auf 625 000 Euro festgesetzt worden. Sie erhöhten sich später auf 725 000 Euro.

Im November des gleichen Jahres begann als erste Maßnahme die Renovierung des Backhauses mit 760 Stunden Eigenleistung. Ein Jahr später erfolgte der Baubeginn der »Kulturellen Mitte«, die An-fang November 2013 nach 7690 Stunden Eigenleistung eingeweiht wurde. Im Folgejahr standen die Außenanlagen mit Verlegung des Spielplatzes auf dem Programm. Die Eigenleistungen erhöhten sich dadurch auf insgesamt 9800 Stunden.

Weil von den Stadtverordneten die Gesamtsumme für die »Kulturelle Mitte« auf 700 000 Euro gedeckelt war, mussten für die Inneneinrichtungen 73 000 Euro Eigenmittel aufgebracht werden. Dies wurde durch eine Vielzahl von Spenden ermöglicht, und Ortvorsteher Geiß dankte allen Spendern dafür. Das Umfeld der Kirche wurde 2016 neu gestaltet, und gleichzeitig ein behindertengerechter Eingang geschaffen.

In den Jahren 2017 und 2018 wurde die Sanierung des Bullenstalles umgesetzt und das Buswartehäuschen renoviert: Die Eigenleistung betrug dabei 455 Stunden. Als letzte Maßnahme wurde mit 1405 Stunden Eigenleistung der Friedhof umgestaltet. Rückbau und Neuanlage der Fußwege, die Schaffung von zwei neuen Zapfstellen und die Entfernung des alten Bewuchses sowie Veränderungen an der Abfallgrube waren die Hauptarbeiten. Noch in diesem Jahr soll eine neue Urnenbestattungsform erfolgen, dazu sollen ein weiterer Baum gepflanzt und Basaltsäulen oder Stehlen gesetzt werden.

Ortsvorsteher Geiß dankte abschließend allen, die zum Gelingen der Dorferneuerung beigetragen hätten und das Dorf mit seinen Einrichtungen zu dem gemacht hätten, was es heute sei, und wies auf die enorme Eigenleistung hin. Insgesamt 12 420 Stunden entsprächen dem Zeitaufwand einer Firma mit sieben Arbeitern von etwas mehr als einem Jahr.

»Der heutige Tag wird in die Geschichte von Unter-Seibertenrod eingehen: Denn das Dorferneuerungsverfahren findet seinen offiziellen Abschluss. Heute feiern wir, was alles in den vergangenen nunmehr elf Jahren im Ort getan wurde beziehungsweise wie viel sich in dieser Zeit für die Bewohner positiv verändert hat«, sagte Bürgermeister Edwin Schneider.

Sich in der wirtschaftlich gesehen nicht gerade rosigen Zeit auf ein Projekt einzulassen, das auch die Stadt viel Geld kostet, und sich in der schnelllebigen, von raschem Wandel geprägten Zeit auf ein über zehnjähriges Verfahren festzulegen, sei schon eine große Sache gewesen, resümierte das Stadtoberhaupt.

33 private Antragsteller

Schneider betonte: »Wir können stolz darauf sein, was hier in den vergangenen elf Jahren zustandegebracht wurde. Denn wir haben Unter-Seibertenrod viele Perspektiven für seine Zukunft gegeben, und das dürfen wir jetzt feiern.«

Kreisbeigeordneter Hans-Jürgen Herbst hob besonders das Projekt »Kulturelle Mitte« hervor. Insgesamt seien für kommunale Fördermaßnahmen 404 668 Euro an Zuschüssen ausgezahlt worden und 33 private Antragsteller hätten 293 280 Euro erhalten. Von den privaten Bauherren seien knapp 1,4 Millionen Euro in die dörfliche Bausubstanz investiert worden.

Segensworte und ein Gebet von Christoph Hauth von der Chrischona-Gemeinde schlossen sich an. Hauth überbrachte auch die Segenswünsche von Pfarrer Witzel. Für alle Vereine des Dorfes sprach Friedhelm Bast und wies auf zwei wichtige Erneuerungen in Unter-Seibertenrod bereits vor 200 und 100 Jahren hin. Damals seien die Schultheißen abgelöst und Bürgermeister vom Dorf gewählt und eine neue Wasserleitung geschaffen worden.

Zwischen den Redebeiträgen spielten der evangelische Posaunenchor und der Posaunenchor der Chrischona-Gemeinde. Mit einem gemeinsamen Kaffeetrinken wurde die Feier beendet.



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