15. September 2021, 21:31 Uhr

GEMÜNDEN

Drei Kandidaten für Bürgermeisterwahl

Sportlich ist er auf jeden Fall, das Fahrrad ist im Alltag das beliebteste Fortbewegungsmittel für Gerhard Kaminski. Auch in der Politik setzt er auf Nachhaltigkeit, so will er als Bürgermeister von Gemünden aus dem Energiesparen Geld für die Weiterentwicklung der Gemeinde erwirtschaften.
15. September 2021, 21:31 Uhr
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Von Joachim Legatis

Am 26. September haben die Gemündener gleich die doppelte Wahl: Neben der Abstimmung zum Bundestag steht die Kür des neuen Bürgermeisters an. Dabei treten Daniel Müller, Olaf Pior und Gerhard Kaminski an. Die Allgemeine stellt jeden Kandidaten vor.

Er will aus der Beobachterrolle als Journalist in die aktive Position des Bürgermeisters wechseln, Gerhard Kaminski hat aber auch einige Jahre kommunalpolitische Erfahrung vorzuweisen. Schwerpunkte setzt Kaminski auf einen Masterplan Energie, bessere Radwege, Zusammenarbeit mit Homberg und gute Rahmenbedingungen für den Zuzug junger Familien.

Zum Gespräch kommt er mit dem Fahrrad, »für kurze Strecken mache ich das oft so«, sagt Gerhard Kaminski. Die Strecke von Alsfeld zur Gemeinde seines Herzens, Gemünden, gehört für den Bürgermeisterkandidaten zu diesen kürzeren Distanzen. Die umweltschonende Fortbewegung verweist auf einen Schwerpunkt seines Programms. Gerhard Kaminski will sich für mehr Nachhaltigkeit einsetzen, also ein Konzept, das bei allen Entscheidungen die Folgekosten für Gesellschaft und Umwelt berücksichtigt.

Dabei greift er auf berufliche Erfahrungen zurück. Kaminski arbeitet neben seiner journalistischen Tätigkeit als Projektmanager beim Unternehmensverband »Future«. »Ich bewerte Berichte zum nachhaltigen Wirtschaften in den Unternehmen, so kann man oft bis zu 40 Prozent der Energiekosten einsparen.« Das Wissen will er als Bürgermeister umsetzen. Ihm ist wichtig, »den Enkeln eine Welt zu übergeben, in der die Rohstoffe noch da sind und eine intakte Umwelt vorhanden ist«.

Auf Gemünden bezogen, müsste zuerst ein Energie-Gesamtplan erstellt werden, bevor man an den Bau großflächiger Fotovoltaikanlagen wie bei Hainbach geht. Die Gemeinde kann dabei auf Bundesförderung für eine Bestandsaufnahme im Energiebereich zurückgreifen. Der breitere Blick auf das Thema ist wichtig, weil das Energiesparen nach Ansicht Kaminskis zu wenig bedacht wird. »Da gibt es noch viel Potenzial bei den Gebäuden mit besserer Dämmung und effektiver Heizung.«

Sinnvoll sei es, einen Klimaschutzmanager zu beschäftigen. Die Personalkosten würden zu 75 Prozent gefördert und Energiesparmaßnahmen rechneten sich für die Gemeinde. Bei dem Thema erneuerbare Energien biete sich interkommunale Zusammenarbeit an, so könne ein solcher Fachmann für beide Kommunen tätig werden.

Einen Schwerpunkt will Kaminski als Bürgermeister auf das Schaffen von Wohnraum legen. Gerade in Corona-Zeiten zeigt sich ein Trend, wonach junge Familien die Lebensqualität im ländlichen Raum schätzen. Sie wollen eine grüne Umgebung und Homeoffice, dafür ist ein schneller Internetanschluss notwendig. Demnächst sollen die Bauarbeiten für Glasfaserleitungen beginnen. »Da ist es wichtig, dass sich ein Bürgermeister dahinterklemmt«, sagt der von der SPD unterstützte Bewerber.

Dabei geht es ihm nicht nur um Baugebiete, auch die Häuser in den Orten böten Möglichkeiten für ein gutes Leben. Ein Leerstandskataster soll die Grundlage liefern, die Ortskerne zu entwickeln.

Ein Argument für den Wohnort Gemünden sind die beiden Bahnhaltepunkte, für Kaminski »Perlen der Gemeinde«. Die sollten über Radwege erreichbar sein. Zudem brauche es eine bessere Anbindung an den Busverkehr.

Die Vogelsbergbahn ist auch wichtig für Touristen, die in der herrlichen Landschaft touren wollen. Da sei die »Heinzemanntour« ein Beispiel für ein attraktives Angebot. Daran könnten weitere Touren angedockt werden. Kaminski schlägt vor, einen Wohnmobilplatz in die Wanderinfrastruktur einzubinden. Aufwerten könnte man das Wandererlebnis durch ein gastronomisches Angebot am Wochenende.

Gemünden habe eine gute Infrastruktur und stehe vor einer spannenen Entwicklung, wie Kaminski betont. »Es ist vieles gestartet, es gibt aber auch noch viel zu tun.« Daran will er mitwirken und aus der Beobachterposition als Journalist wieder in die aktive Rolle zurückkehren.

Dabei greift Kaminski auf seine Erfahrungen als hauptamtlicher parlamentarischer Geschäftsführer der Grünen-Fraktion im Kreistag Marburg-Biedenkopf zurück. Damals hat er am Aufstellen von Haushaltsplänen mitgewirkt und »sehr nah an der Verwaltung gearbeitet«. Wichtig ist ihm der Hinweis, dass er als parteiloser Abgeordneter der Fraktion angehört hat.

Gemünden liege ihm besonders am Herzen, sagt Kaminski. Seine Lebensgefährtin lebt in der Kommune, er selbst hat zeitweise dort gewohnt. Unabhängig vom Wahlausgang, will er von Alsfeld wieder in die Gemeinde ziehen.

Im Wahlkampf wurde er immer wieder auf sein Alter angesprochen, immerhin denken viele Menschen mit 66 Jahren eher an den Ruhestand als an einen Berufswechsel. Doch Kaminski fühlt sich fit und will die sechs Jahre Amtszeit voll ausschöpfen. Als positiv sieht er die Lebenserfahrung an. Bei der Wahl eines jüngeren Mitbewerbers »gibt es keine Garantie, dass er länger als sechs Jahre bleibt«. Gewählt wird für eine Amtszeit, nicht für länger.



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