16. Juli 2021, 21:47 Uhr

Der Bismarckturm verfällt

Ein Wahrzeichen des Vogelsbergs zerfällt. Der Bismarckturm auf der höchsten Erhebung des Massivs ist seit über einem Jahr geschlossen. Rostige Träger, lose Steine im Mauerwerk und herabfallende Mörtelstücke bilden eine Gefahr für Besucher. Noch wird geprüft, wer für die Sanierung aufkommt.
16. Juli 2021, 21:47 Uhr
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Von Joachim Legatis
Der 22 Meter hohe Bismarckturm auf dem Taufstein.

Teile sind herabgefallen, wenn die einen Besucher treffen, kann das übel ausgehen. Rolf Frischmuth bückt sich und hebt faustgroße Stücke Mörtel auf. Sie stammen von der Fassade des Bismarckturms, der normalerweise von der Spitze des Vogelsbergs eine wunderbare Fernsicht bietet. Seit Frühjahr vergangenen Jahres ist dieses Wahrzeichen des Oberwalds geschlossen und mit einem Gatterzaun gesichert. Die Bauschäden sind so groß, dass der Turm grundsaniert werden muss.

Ein kleiner Rundgang zeigt rostende Stahlträger der Zwischendecken. »Das Problem sind nicht die Schäden im sichtbaren Bereich, sondern der Rost an Stellen im Mauerwerk«, sagt Frischmuth. Als Geschäftsführer des Naturparks Vogelsberg ist er Hausherr des Bismarckturms. Die Schäden sind an vielen Stellen zu erkennen. Neben dem herausgeplatzen Mörtel der Fassade sind es lockere Steine in der Kuppel und Risse im Boden des Rundgangs, die zur Schließung des Turms geführt haben. Grundlage ist das Gutachten eines Sachverständigen von Anfang des vergangenen Jahres. Zudem haben Kletterer des Höhenrettungszugs der Bergwacht lockere Steine in der Fassade festgestellt.

Für Frischmuth ist klar, dass der mächtige Turm aus Basaltblöcken saniert werden muss. Er ist Ziel vieler Wanderer, wie sich auch beim Ortstermin zeigt. Obwohl die Wege zum Turmplatz gesperrt sind, tauchen drei Spaziergänger auf, um zum Turm zu gelangen.

Auch Wilfried Pfeffer aus Groß-Eichen vermisst die Besuche auf der Turmspitze. Er ist in den vergangenen Jahrzehnten regelmäßig zum Taufstein gewandert, um von dort die Fernsicht in Richtung Rhön zu genießen. In Blickrichtung Hoherodskopf ragen die Baumwipfel so hoch auf, dass von Weitblick keine Rede sein kann. Pfeffer plädiert für eine zügige Sanierung des Aussichtsturms. »Es wäre jammerschade, wenn das nicht passieren würde.«

Doch zuerst muss die Frage geklärt werden, wer für die Sanierung aufkommt. Denn der Turm wurde in Erinnerung an den ehemaligen Reichskanzler durch den Vogelsberger Höhenclub VHC in Eigenregie gebaut, ist aber inzwischen in Trägerschaft von VHC, Stadt Schotten und Vogelsbergkreis übergegangen. Welche Folgen dieser Vertrag hat, wird noch geprüft.

Errichtet wurde der Turm von 1906 bis 1910. Er ersetzte frühere Taufsteintürme, die als Landvermessungsmarken dienten. Der Bau missglückte im ersten Anlauf, wie Frischmuth anmerkt. Er stürzte ein, erst im zweiten Anlauf gelang es, aus den regionalen Basaltsteinen eine stabile Hülle zu errichten.

Ein Problem ist die massive Bauweise, ergänzt Frischmuth. Durch die dicken Mauern ergeben sich große Temperaturunterschiede und an den Innenwänden schlägt sich Kondenswasser nieder. Dadurch rosten die Stahlträger der Zwischenböden. Auch die Kanten der Treppenstufen halten die Feuchtigkeit nicht mehr aus, viele sind korrodiert und haben die Betonschicht abgesprengt.

Durch Hitze und Kälte im Verlauf des Jahres dehnt sich die Fassade aus und zieht sich wieder zusammen. Die Folge sind Risse in den Fugen der Basaltblöcke. Regenwasser dringt ein, gefriert im Winter zu Eis und sprengt den Mörtel heraus.

Um Unfälle zu vermeiden, müsste das 22 Meter hohe Bauwerk grundsaniert werden. Das letzte Mal haben sich vor rund 25 Jahren Handwerker grundlegend mit dem Bau befasst, wie Frischmuth sagt. Das war schon damals recht teuer, rund 650 000 DM waren fällig. Eine grobe Kostenschätzung geht aktuell von mindestens 200 000 Euro an Sanierungskosten aus.

Die Gespräche zwischen Stadt Schotten, Vogelsbergkreis, VHC und dem Naturpark als Vertreter des Landes als Grundeigentümer laufen noch. Wilfried Pfeffer hat aber bereits einen Vorschlag, wie man vorgehen könnte: Eine Spendenaktion soll das Geld zusammenbringen. »Ich wäre sofort mit einem Beitrag dabei,« sagt der Groß-Eichener.



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