23. Februar 2021, 21:53 Uhr

Chance für gebeutelte Wälder?

23. Februar 2021, 21:53 Uhr
Windkraftanlage in Waldgebiet bei Wartenberg. FOTO: PM

Auch um viele heimische Wälder ist es bekanntlich aufgrund des Klimawandels nicht gut bestellt. Das hat für Teile der Forstwirtschaft mitunter gravierende bis hin zu existenzbedrohende Auswirkungen. Für Joachim Arnold, Vorstandsvorsitzender der OVAG, liegt ein Weg aus dieser Krise in der Windkraft - einer nachhaltigen Energie- und Ertragsquelle.

»Windkraftanlagen sind im Wald insbesondere dort sinnvoll, wo großflächige Waldschäden entstanden sind beziehungsweise noch in nächster Zeit entstehen werden und wo Vorranggebiete für Windenergie bereits ausgewiesen sind«, betont er.

Arnold sagt, er schaue mit derselben Sorge wie viele Forstwirtschaftsleute auf die Schäden in den heimischen Wäldern. Die Dürre der vergangenen Jahre, der Borkenkäfer und Sturmschäden haben teils große kahle Flächen in Waldgebiete geschlagen. Besonders die Fichtenbestände hätten stark gelitten, sodass sie außerplanmäßig forstlich genutzt werden mussten. Das wirkt sich nicht nur auf die Natur und ihre Lebensräume aus, sondern auch auf die Waldbesitzer, die aus Holzverkauf die Pflege des Waldes bestreiten. Ein finanzielles Desaster für manche von ihnen. Eine mögliche Hilfe zur Bewältigung der Krise sieht Arnold für die Bewirtschafter in der Errichtung von Windkraftanlagen im Wald auf den besonders gebeutelten Flächen.

Statt Holz Energie ernten?

Er will dabei nach seinen Worten »gleich denkbare Kritik entkräften«. Denn keineswegs würde dies zur »Verspargelung« der Wälder führen, denn unter zwei Prozent der Landesfläche seien dafür überhaupt als Vorranggebiete ausgewiesen. Ausgeschlossen davon sind ohnehin Biosphärenreservate und vergleichbare Naturschutzgebiete.

Außerdem könnten nur dort Waldflächen als Standort in Betracht gezogen werden, wo für die angestrebte Nutzung außerhalb des Waldes keine geeigneten Flächen oder Alternativen vorhanden sind. Arnolds Zwischenfazit: »Für die Waldbesitzer eine echte Chance, dort, wo es rechtlich zulässig ist, in Zukunft nachhaltige Energie und Holz zu ernten.« Sie könnten so planbare Einnahmen über Jahrzehnte für den notwendigen klimafesten Waldumbau erzielen.

Mit seinem Vorschlag stützt sich der OVAG-Vorstand auf das Land, das für Windkraftanlagen im Wald ausdrücklich die Nutzung solcher Flächen vorsehe: »Um die Auswirkung auf Natur und Umwelt so gering wie möglich zu halten, sollen das bestehende Wegenetz und etwaige Windbruchflächen in die Planung einbezogen werden. So kann der Flächenbedarf deutlich verringert werden.«

Außerdem heiße es in einem Faktenpapier des Hessischen Wirtschaftsministeriums: »Zusätzlich dienen die vorgeschriebenen naturschutz- und forstrechtlichen Ausgleichsmaßnahmen dazu, unvermeidbare Beeinträchtigungen quantitativ und qualitativ auszugleichen sowie Waldbestände und Waldränder artenreich zu strukturieren.«

Eine Meinung, die auch OVAG-Vorstand Arnold vertritt: »Die vorgeschriebene zusätzliche Aufforstung an anderer Stelle erreicht man am besten durch widerstandsfähigen, klimaangepassten Mischwald. Dieser ist ökologisch gesehen auch viel wertvoller als strukturarmer Nadelholzwald.«

»Hinzu kommt, dass Zuwege zurückgebaut werden, der Arten- und Naturschutz gewahrt, Abstandsregeln zu Nistplätzen bedrohter Tierarten und Wohngebieten eingehalten werden und der Bau insgesamt ökologisch begleitet wird«, so Arnold.

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