06. Mai 2021, 21:49 Uhr

BGG setzt auf neue Solarpark-Diskussion

Strom kommt aus der Steckdose. Über diesen Kalauer hinaus ist in Gemünden eine Diskussion entbrannt, inwieweit der Strom auch in Gemünden erzeugt werden kann. Durch den Widerspruch des Bürgermeisters gegen den Beschluss, einen Solarpark bei Ehringshausen nicht weiter zu verfolgen, geht die Debatte in eine neue Runde. Die BGG sieht das positiv.
06. Mai 2021, 21:49 Uhr
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Aus der Redaktion
Eine der größeren Anlagen der Energiegenossenschaft Vogelsberg bei Ober-Moos. FOTO: PM

Das Wohl der Gemeinde könnte gefährdet sein. Das ist die Begründung von Bürgermeister Lothar Bott für seinen Widerspruch zur Abstimmung in der Gemeindevertretung, bei der sich für das Weiterverfolgen des Solarparkes keine Mehrheit mehr gefunden hatte. Sorgen um das Wohl der Gemeinde macht sich auch die BGG, die den Schritt des Bürgermeisters begrüßt. Die BGG sieht zum einen den Ruf der Kommune als »unsicherer Kantonist« gefährdet, und bedauert zum anderen den Verzicht auf Wertschöpfung in Gemünden.

In einer Reaktion der BGG heißt es, die Gemeinde beschäftige sich seit 2018 mit einem möglichen Solarpark bei Ehringshausen. Nachdem jahrelang die einzelnen Schritte positiv begleitet worden seien, »wurde in der letzten Sitzung der Gemeindevertretung beim finalen Schritt für das Projekt das Licht ausgeknipst«. Das erstaune, denn die aktuell vorgebrachten Bedenken seien von Anfang an möglich gewesen. Das »Durchwinken« in den vergangenen Sitzungen der Gemeindevertretung habe zu Aufwendungen sowohl bei der Energiegenossenschaft als auch in der Gemeinde geführt. Bei einem Scheitern des Projektes werde keiner der Betroffenen durch Erträge aus der Realisierung entschädigt.

Die BGG kann die Abkehr der Gemeindevertretung vom Projekt nicht nachvollziehen. Sie sieht hingegen viele Gründe, das Vorhaben umzusetzen. So zahlten die rund 2700 Einwohner Gemündens sowie zahlreiche Betriebe ihren Strom bei einem Energieversorger außerhalb des Vogelsbergkreises. Mit dem Solarpark bestehe die Möglichkeit, Wertschöpfung zurück in die Gemeinde zu holen. So würde über Gewerbesteuereinnahmen, Pachtzahlungen sowie Beteiligungsmöglichkeiten an einer regionalen Bürgergenossenschaft Geld zurück in die Gemeinde fließen.

Die Gemeinde sei zudem auf einen SPD-Antrag hin zur »Klimakommune« geworden. Mit dem Solarpark könne Gemünden einen - wenn auch kleinen - Teil zur Begrenzung des Klimawandels beitragen. Die dafür benötigte Fläche mache einen Anteil von kleiner als 0,5 Prozent der jetzt betroffenen Gemarkung Ehringshausen aus. Alternativ geforderte Anlagen auf Gebäudedächern seien aus vielerlei Gründen (hohe Kosten, geringe Fläche) kein Ersatz.

Mit der Errichtung eines Solarparks ergebe sich ein auf 30 Jahre befristeter Eingriff in das Landschaftsbild. Ein Vorgeschmack auf die - vergleichsweise dramatischen - landschaftlichen Veränderungen in der heimischen Region, welche ein ungebremster Klimawandel bewirken könne, könne bereits in diesen Tagen in den umliegenden Wäldern begutachtet werden. Gleichzeitig entstehe auf der Grünfläche um und unter dem Solarpark ein attraktives Siedlungsgebiet für Insekten und andere Tiere. Auch böten die teilverschatteten Flächen kleineren Weidetieren idealen Weidegrund und verringerten die Austrocknung des Bodens. Mittlerweile seien Energieerzeugungsanlagen in allen Gebieten Deutschlands vorhanden. Dadurch seien bisher keine Auswirkungen auf den Tourismus bekannt.

Mit einer wiederholten Ablehnung würde die Gemeindevertretung zudem ein fatales Signal im Kampf gegen den Klimawandel sowie an alle künftigen möglichen Investoren (auch außerhalb des Energiesektors) senden, meint die BGG. Investoren benötigten Planungssicherheit und nicht die Angst um die Umsetzung eines Projektes bis zur letzten Sekunde. Das Bundesverfassungsgericht habe in diesem Sinne in der Zwischenzeit die Klimaschutzgesetzgebung der Bundesregierung als unzulänglich beurteilt. »Wir sind der Meinung, dass es für eine moderne, zukunftsfähige Gemeinde wichtig ist, einen Teil zur Lösung des Problems beizutragen und dabei als verlässlicher Partner aufzutreten«, betont die BGG. Dabei sollte bei Vergleichen nicht auf die weniger Aktiven gezeigt werden, sondern auf die Vorreiter und sich an diesen auch orientiert werden.

Hoffen auf Umdenken

Dass der Vogelsbergkreis bereits 200 Prozent seiner Energie selbst produziere, sei ein Grund stolz darauf zu sein. »BMW aus München produziert auch mehr Autos als für Münchner Bürger notwendig sind«, formulieret die BGG griffig. Die Stromerzeugung vor Ort verringere den Ausbau von Stromtrassen, welche ebenfalls als eine Beeinträchtigung des Landschaftsbildes gesehen werden könnten. Gleichzeitig sei die genannte Selbstversorgungsquote zukünftig nicht selbstverständlich, wenn man auf den Regionalplan Mittelhessen schaue. Darin sei auf dem Gebiet der Gemeinde nur ein einziges Windvorrangebiet vermerkt, in dem Windkraftanlagen neu errichtet werden könnten. Dies bedeute, dass die bisher in Gemünden vorhandenen Windkraftanlagen nach ihrer Nutzung nicht ersetzt werden könnten.

Die BGG hofft auf ein Umdenken bei SPD und UBL in der Sitzung. der Gemeindevertretung 10. Juni um 19.30 Uhr in der Mehrzweckhalle.



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