10. August 2021, 21:51 Uhr

Bewährungsstrafe für braune Witze

10. August 2021, 21:51 Uhr

Kurzen Prozess machte Richter Dr. Bernd Süß am Dienstag mit einem Alsfelder, der in einer WhatsApp-Gruppe viel »braunen Humor« bewiesen hat. Elf Monate Haft, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurden, gab es für zehn Taten, die als Volksverhetzung und als Verwenden von Kennzeichen der Nationalsozialisten angesehen wurden. Der 35-Jährige räumte die Taten ein, bedauerte sie und akzeptierte schließlich das deutliche Urteil.

Die Anklage bezog sich auf zehn Mitteilungen in einer Chatgruppe, die sich »Schwarzer Humor« nannte. Im Dezember 2017 postete der Alsfelder Videos und Bilder mit Sieg Heil, Hitler-Gruß, Hakenkreuzen und dem Konterfei Hitlers. Zudem wurde die im Dritten Reich ermordete Anne Frank in Bezug gesetzt zu einem Krematoriumsofen und jüdische Menschen mit der Rauchfahne eines Krematoriums. Damit sei Völkermord insbesondere an jüdischen Menschen bagatellisiert worden, wie die Staatsanwältin ausführte. Völkermord sei gerechtfertigt worden.

Der 35-Jährige räumte ein, die Filme und Bilder in der Gruppe versandt zu haben. Die Empfänger kenne er nicht. »Es war ein Fehler, das zu verherrlichen«, es war »blöder, dreckiger Humor«.

Dr. Süß hielt ihm vor, dass er gleich mehrfach gepostet hat. Das Bild einer Gaskammer mit dem Spruch »Atemlos durch die Nacht« sei weit mehr als ein schlechter Scherz. Schließlich gehe es »um den Tiefstpunkt der menschlichen Zivilisation«. Witze über den Massenmord befänden sich jenseits der Grenze des guten Geschmacks und seien strafbar.

Rechtsradikaler Hintergrund?

Die Staatsanwältin wies darauf hin, dass die Kriminalpolizei in seiner Wohnung eine Südstaatenflagge und ein Bild mit Hakenkreuzmotiv gefunden hat. Das deute auf einen rechtsradikalen Hintergrund hin. Das wies der Alsfelder zurück und erklärte das Bild damit, dass »der Uropa in der Wehrmacht war« und das Bild daher an der Wand hänge. Er sieht sich nicht als rechtsextrem. Er diskriminiere niemanden. »Es war falsch, was ich getan habe«, sagte er. Danach habe er sich »Gedanken gemacht«, das komme nicht wieder vor.

Die Staatsanwältin forderte elf Monate Bewährungsstrafe für zehn Taten. In acht Mitteilungen wurden Kennzeichen einer verfassungswidrigen Organisation verwendet, davon viermal in Kombination mit Volksverhetzung. Zwei weitere Mitteilungen wertete sie als volksverhetzend. Als Bewährungsauflage solle er einen Geldbetrag zahlen.

Der Richter entschied auf elf Monate Bewährungsstrafe plus 2500 Euro an eine Gedenkstätte zum Nationalsozialismus. Die verschickten Inhalte seien »Volksverhetzung der Güteklasse 1A«, sagte er. Der Angeklagte habe sich damit »weit über die braune Grenze hinweg« begeben. Um eine gesunde Distanz zum Nationalsozialismus zu bekommen, solle er am besten eine KZ-Gedenkstätte besuchen. Der 35-Jährige äußerte sich einsichtig. »Das ist gerechtfertigt«, sagte er.

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