11. August 2021, 21:47 Uhr

Begehrtes Industriegebiet

Autobahnen sind Lebensadern der Wirtschaft, davon profitiert auch Alsfeld mit seinem neuen Gewerbegebiet. 140 000 Quadratmeter sind bereits an ein Großhandelsunternehmen verkauft. Um ein großes Teilstück konkurrieren DHL Express und Amazon. Im nächsten Jahr soll die Erschließung erfolgen.
11. August 2021, 21:47 Uhr
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Von Joachim Legatis
Für diese Flächen interessieren sich DHL Express und Amazon: Bürgermeister Stephan Paule vor dem Areal des 44 Hektar großen neuen Gewerbegebiets an der Autobahnausfahrt Alsfeld-Ost. Im Hintergrund ist Alsfeld zu erkennen. FOTO: JOL

Für diese Fläche interessieren sich auch Logistik-Riesen wie DHL Express und Amazon. Bereits im kommenden Jahr soll die Zufahrtstraße für das neue Alsfelder Industriegebiet »Am weißen Weg« an der Straße nach Eifa gebaut werden. Noch unklar ist, ob die Abfahrt als Kreisverkehr oder konventionelle Kreuzung angelegt wird. Protest gegen das Vorhaben kommt lediglich von der ALA-Fraktion, die das neue Logistikzentrum für unnötig hält.

Das 44 Hektar große Areal zwischen der Autobahnabfahrt Alsfeld-Ost und dem Schießplatz ist offenkundig sehr interessant für Firmen aus dem Logistikbereich. Der Verkauf eines Teilstücks von 140 000 Quadratmetern an die Firma Nordwest Handel ist bereits beschlossen, wie Stephan Paule sagt. Das ist ein Großhändler im Handwerksbereich. Um eine weitere Teilfläche bewerben sich DHL Express und Amazon. Vertreter der Unternehmen haben ihre Baukonzepte vor Kurzem bereits im Wirtschaftsaussschuss der Stadtverordnetenversammlung präsentiert. Nun muss das Stadtparlament entscheiden, wer den Zuschlag erhalten soll.

DHL Express ist ein Tochterunternehmen von DHL mit Schwerpunkt auf Schnelllieferungen. »Wenn eine Werkstatt einen neuen Anlasser braucht, liefert das Unternehmen das kurzfristig vom Hersteller«, erläutert Paule. Deshalb ist die zentrale Lage Alsfelds in Deutschland ein echter Vorteil für den Logistiker. Auf 120 000 Quadratmetern Grundstück soll der sogenannte »Deutschland-Hub« entstehen, der zentrale Umschlagsort für die Sendungen. Die meisten Lkw sollen den Hub nachts ansteuern.

350 bis 500 Jobs

Der Internet-Versender Amazon würde sogar gern 180 000 Quadratmeter für ein Sortierzentrum nutzen. Dort werden die Lieferungen umgeschlagen, die in den Zentrallagern verpackt wurden. Für Anlieferungen und Abtransport wäre mit Lkw-Verkehr rund um die Uhr zu rechnen. Das bringt allerdings auch Arbeitsplätze. Laut Paule geht DHL Express von 350 Mitarbeitern in der ersten Ausbaustufe aus.

Dabei will man auch Ausbildungsplätze in technischen und kaufmännischen Berufen schaffen. Amazon will sogar 500 Jobs nach Alsfeld bringen. Beide Unternehmen haben zugesagt, auch in Alsfeld Gewerbesteuer zu entrichten. Die Entscheidung im Stadtparlament fällt eventuell bereits im September.

Der Standort nahe der Autobahnauffahrt ist ideal für Logistikfirmen. Auf diese Branche hatte sich die Stadt bei der Suche nach Käufern konzentriert. Paule verweist auf einen gut zehnjährigen Vorlauf, bis man zur Vermarktung kam. Schon 2011 debattierte die Stadtverordnetenversammlung über ein neues Industriegebiet, um größeren Unternehmen ein Angebot machen zu können. Ein Vorschlag betraf eine Erweiterung des Industriegebiets Ost in Richtung »Hartmann-Kreuzung«. Das geht aber nicht, weil er eine Frischluftschneise für die Kernstadt darstellt und im Überflutungsbereich der Schwalm ist. Also beauftragte man ein Büro mit einer Untersuchung möglicher Gewerbeflächen. »Das Ergebnis war die Fläche an der Autobahnauffahrt Alsfeld-Ost«, fasst es Bürgermeister Paule zusammen. Dafür spricht, dass sie für den hiesigen Bereich relativ eben ist. Die nahe Autobahn, die viel genutzte Bundesstraße von Alsfeld nach Eifa und der Schießplatz bedeuten bereits eine Belastung für den Bereich. Die Verkehrsbelastung ist begrenzt auf die wenigen 100 Meter vom Industriegebiet bis zur Autobahn. Und es ist kein Naturschutzbereich betroffen.

Zehn Jahre Planung

So beantragte die Stadt eine Umwidmung der bisherigen Landwirtschaftsflächen in Gewerbebereiche. Im Gegenzug wurden mehrere kleinere Gewerbeflächen für andere Nutzungen freigegeben.

Der Bebauungsplan wurde im März vergangenen Jahres aufgestellt, ein Umlegungsverfahren für die privaten und städtischen Flächen auf den Weg gebracht. Bereits seit 2016 wird das Areal bei Immobilienmessen und in Fachzeitschriften angepriesen, so Wirtschaftsförderer Uwe Eifert.

Das Bauleitplanverfahren ist mehrfach im Stadtparlament diskutiert worden. Dass jetzt noch einmal grundsätzliche Kritik der ALA aufkommt, weist Paule als »zu spät« zurück. In einem langen Prozess habe man sich auf eine Fläche geeinigt, die den geringsten Eingriff in die Landschaft bedeutet. Das Baurecht erwartet er für Anfang kommenden Jahres, dann geht es an den Bau der Zufahrtsstraße und der Versorgungsleitungen.



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