04. Juli 2021, 19:55 Uhr

Bedarf an Mindestsicherung steigt

Die Corona-Pandemie trifft die Wirtschaft und wenn es den Unternehmen schlecht geht, steigt die Arbeitslosigkeit. Das schlägt auch auf diejenigen durch, die Mindestsicherung beziehen - darunter sind viele Langzeitarbeitlose, die »Hartz IV« bekommen. Zuletzt war ihre Zahl deutlich gesunken.
04. Juli 2021, 19:55 Uhr
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Aus der Redaktion
Ein fünfjähriger Junge sitzt an einem roten Tisch und zählt sein gespartes Taschengeld: Millionen Kinder und Jugendliche wachsen in Armut auf - mehr als jeder fünfte Heranwachsende. Das ist ein ungelöstes Problem in Familien, die Mindestsicherung beziehen. Eine Analyse warnt vor einer Verschärfung infolge der Corona-Krise. FOTO: DPA

Im Vogelsbergkreis erhalten weniger Menschen »soziale Mindestsicherung« als im Durchschnitt. Das geht aus der Statistik zu Jahresbeginn 2019 hervor. Die Hessen-Quote lag da bei 8,7 Prozent.

Rund 7,2 Millionen Menschen in Deutschland haben Anfang 2019 Leistungen der sozialen Mindestsicherung bezogen. Im Vogelsberg waren insgesamt 6382 Menschen als Hilfeempfangende registriert, wie die Daten der Regionalstatistik zeigen. Damit lag die Quote bei 6,0 Prozent. Darin enthalten sind Hartz-IV-Empfänger, Asylbewerber, Menschen, die krank sind und deshalb nicht arbeiten können oder deren Rente nicht ausreicht, und die Sozialhilfe beziehen. Damit ist die Gesamtzahl der Empfänger gegenüber dem Vorjahr sogar noch um 353 gesunken, das ist ein Minus von 5,2 Prozent.

Bundesweit lebt fast jeder Elfte von staatlicher Hilfe. Im Hessen nahmen Anfang 2019 rund 543 100 Menschen und damit 8,7 Prozent der Bevölkerung Mindestsicherungsleistungen in Anspruch. Zu Beginn 2018 waren es mit 9,1 Prozent erkennbar mehr.

Unter den 6382 Menschen, die im Kreisgebiet von der Mindestsicherung lebten, waren die meisten Hartz-IV-Empfangende, Die Statistiker zählten 4291 Menschen in dieser Bevölkerungsgruppe und damit 263 weniger als Ende 2017. Die Quote von 6,0 Prozent ist das 0,7-fache der Bundesquote. Gäbe es so etwas wie eine Bundesliga der Mindestsicherung, läge der Vogelsbergkreis auf Platz 145, Spitzenreiter ist der Kreis Unterallgäu in Bayern, in dem nur 2,2 Prozent der Bevölkerung staatliche Hilfe zum Lebensunterhalt brauchen. In Gelsenkirchen liegt die Quote bei 22,3 Prozent.

Die Zahlen bilden nicht nur die Langzeitarbeitslosigkeit ab. So landen zwar alle Langzeitarbeitslosen und deren Kinder im Hartz IV-Topf, doch korrekterweise teilt sich der Empfängerkreis in Menschen, die »Arbeitslosengeld II« erhalten und solche mit »Sozialgeld« auf. Zweitere sind Kinder und nichterwerbsfähige Angehörige. Wenn Väter oder Mütter arbeitslos sind, wirkt sich das über ihre Kinder also zusätzlich auf die Gesamtzahl aus: Der Statistik zufolge sank die Zahl der Alg-II-Empfänger von 3277 (Ende 2017) auf 3066 (Ende 2018). Sozialgeld bezogen 1225 Menschen, also 52 weniger als Ende 2018.

Zudem gibt es weitere Gruppen in der Gesamtzahl: Die Zahl der Grundsicherungsempfänger im Alter und bei Erwerbsminderung verringerte sich um 37 (minus 2,5 Prozent) auf 1466 zu Beginn 2019. Die Zahl der Empfänger von Asylbewerberleistungen sank um 32 auf 525, das bedeutet ein Minus von 5,7 Prozent.

Das wird sich ändern. Vor Corona zeigte der Trend bei den Langzeitarbeitslosen nach unten, weil Beschäftigungszahlen stiegen. Mit Corona wird die Nachfrage nach der Mindestsicherung wieder steigen, heißt die Prognose der Statistiker. Denn wer keinen Job hat, hat kein Einkommen und wer kein oder kaum Einkommen hat, ist auf Mindestsicherung angewiesen.



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