07. Juli 2021, 21:47 Uhr

Bauvorhaben der VR Bank stößt nicht nur auf Begeisterung

07. Juli 2021, 21:47 Uhr
Das geplante dreigeschossige Gebäude der VR Bank Hessenland soll in Ober-Ofleiden an den Rossmann-Drogeriemarkt (l.) angrenzen und rund 11,40 Meter hoch werden. Der Drogeriemarkt hat eine Höhe von 5,90 Metern. FOTO: C. STAMM/ARCHITEKTEN

An zwei Sitzungsabenden haben die Homberger Stadtverordneten in dieser Woche vor der Sommerpause noch ein strammes Programm zu absolvieren. Am Dienstag ging es in der Stadthalle los. Hier stand besonders das Bauvorhaben der VR Bank Hessenland im Mittelpunkt.

Architekt Christian Stamm (Schweinsberg) berichtete über die Pläne der VR Bank auf dem Grundstück in Ober-Ofleiden neben dem Rossmann-Drogeriemarkt. Dort soll ein neues Gebäude der Bank entstehen, die ihre Räumlichkeiten zusammenzieht und von der Innenstadt ins Ohmcenter geht.

Unten Bank und oben Mietbüros

Für das Bauvorhaben muss der Bebauungsplan Ohmcenter geändert werden. Im unteren Bereich des geplanten dreigeschossigen Gebäudes sollen zehn Mitarbeiter der Bank sitzen, in zwei darüberliegenden Geschossen sollen sogenannte Co-Working-Bereiche entstehen, sprich Büroraum, der von verschiedenen Interessenten gemietet werden kann.

Dazu ist ein zweigeschossiges Parkdeck vorgesehen, die Zufahrt soll vom Rossmann-Bereich über eine Rampe zum neuen Gebäude führen. Das Gebäude soll 11,40 Meter hoch werden und 1,50 Meter höher als der Parkplatz von Rossmann liegen. Wesentliche Änderungen sind laut Mathias Wolf vom Planungsbüro Fischer wünschenswert. Denn das bisherige Mischgebiet müsste weiter Gewerbe und Wohnen in einem bestimmten Verhältnis vorsehen, sinnvoller sei deshalb die Ausweisung eines sogenannten urbanen Gebietes, hier sei man flexibler.

Zudem kann die festgesetzte Grundflächenzahl erhöht werden. »Der Bauherr hat mehr Flexibilität, um das Grundstück so zu nutzen, dass es sich ins Stadtgebiet einfügt.« Die Ortsdurchfahrtsgrenze müsse noch einmal versetzt werden, hier stehe man in Austausch mit Hessen Mobil. Es solle offenkundig ein sehr hohes und massives Gebäude entstehen, sagte Jutta Stumpf vom Demokratischen Bürgerforum. Das könne auch den Kastanienweg beeinträchtigen. Bäume sollen die Fassade optisch unterbrechen, dann sei das städtebaulich durchaus vertretbar, so Mathias Wolf.

Mehr Lärm?

Christiane Helm von den Grünen sprach die mögliche Lärmbelastung durch die Ausweisung eines urbanen Gebietes an. Das Konzept urbanes Gebiet sei in Berlin im Prenzlauer Berg entstanden, sagte Wolf. Wer dort wohnt, habe mehr Lärm zu dulden als in einem Mischgebiet, und er habe keine Möglichkeit, sich etwa über Einzelhandel oder Verkehrslärm aufzuregen. Es gebe aber noch weitere Anlieger, etwa im Kastanienweg, so Jutta Stumpf. Das urbane Gebiet verursache selbst keinen zusätzlichen Lärm, so Wolf. Für die Situation vor Ort sei die Ausweisung eines urbanen Gebietes »ideal«.

Für Homberg sei es völlig unpassend, kritisierte dagegen Barbara Schlemmer von den Grünen, die einen Änderungsantrag ankündigte. Wolf sagte, man solle abwarten, ob die Genehmigungsbehörde ein Lärmschutzgutachten fordert. Schlemmer sagte, der Umzug der Bankfiliale sei der nächste »Sargnagel für die Innenstadt.« Denn bisher sei die Bankfiliale noch ein Besuchermagnet. Einzelhandelsbereiche sollten für den neuen urbanen Bereich ausgeschlossen werden, riet Wolf. Bürgermeisterin Claudia Blum sagte, die Lage für Geschäfte in der Innenstadt sei schwierig. Bankfilialen seien aber heute nicht mehr unbedingt ein Frequenzbringer für die Innenstadt, weil viele Kunden auf Onlinebanking umgestiegen sind. Für sie sei wichtig, dass die VR Bank Hessenland ein klares Standortbekenntnis abgebe. Mit dem angedachten modernen Konzept werde etwas Positives für die Stadt entstehen.

Nach einer Unterbrechung brachte Barbara Schlemmer einen Änderungsantrag ein. Danach soll die Aufstellung des Bebauungsplans mit einer Umweltprüfung und einer rechtzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit einhergehen. Das Mischgebiet solle bleiben, zudem solle Rechtsanwalt Möller, der bereits für die Stadt arbeitet, die Lärmschutzbelange prüfen.

Für Homberg unpassend?

Jutta Stumpf forderte, auch Anwohner und Ortsbeirat rechtzeitig zu beteiligen. Beide forderten eine Beratung im Bau- und Umweltausschuss. »Was ist exakt geplant? Das würden wir gern vorher wissen«, so Stumpf. Alexander Stock (SPD) sagte, man könne den Entwurfsbeschluss fassen, sich dann den Plan vorstellen lassen und den Ortsbeirat beteiligen. Das sei das »Pferd von hinten aufgezäumt«, monierte Stumpf. CDU-Fraktionsvorsitzender Kai Widauer äußerte, Bürger und Ortsbeiräte würden ohnehin im laufenden Verfahren beteiligt, man könne jetzt abstimmen.

»Warum bekommen wir das an einem Abend vorgestellt und sollen das gleich beschließen«, beschwerte sich Jutta Stumpf. Schlemmer beklagte, die Stadt habe durch »Hauruckverfahren« schon einige Normenkontrollverfahren am Bein und verliere Geld. Es könne nicht Aufgabe der Bürgermeisterin sein, »ein Investorenprojekt schnell durchzupeitschen«.

Der Änderungsantrag der Grünen wurde dann mehrheitlich abgelehnt und der Antrag auf Verweisung in den Ausschuss ebenfalls.

Bürgermeisterin Blum hatte zuvor als Kompromiss vorgeschlagen, den Aufstellungsbeschluss zu fassen und dann umfangreich zu informieren. Dies wurde mehrheitlich angenommen.

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