14. Mai 2021, 21:39 Uhr

Bald wieder Cappuccino im Sitzen

Einen Cappuccino vor dem Eiscafé trinken oder Fußballtraining mit der ganzen Jugendmannschaft - in kleinen Schritten werden wieder Dinge möglich, die bislang wegen Corona nicht gingen. Gastronomen und Fußballtrainer freuen sich über Lockerungen, sind aber auch skeptisch.
14. Mai 2021, 21:39 Uhr
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Von Joachim Legatis
Vorboten für die Öffnung der Außengastronomie: Tische und Stühle stehen vor dem Alsfelder Eiscafe »La Piazza« bereit, um auf dem Marktplatz wieder aufgestellt zu werden. FOTO: JOL

Am Montag wird Adolfo Macchione genau schauen, ob die Sieben-Tage-Inzidenz im Vogelsberg weiter unter der magischen Marke von 100 geblieben ist. Denn dann kann er wie geplant wieder Tische und Stühle vor dem Eiscafé »La Piazza« auf dem Alsfelder Marktplatz aufstellen. Er ist aber skeptisch, wie lange dieser erste Schritt hin zu mehr Lebensqualität gültig bleibt. Sobald die Inzidenz hochschießt, kann er das mit der Außengastronomie vergessen. »Was mache ich dann mit den Leuten, die ich anstellen muss, was mit der Sahne und den Rohstoffen für mein Eis?«, fragt er.

Auch bei Valerio Dogana ist die Skepsis groß, ob die angekündigten Öffnungen echte Verbesserung bringen. Der Chef des Landgasthofs Fleischhauer in Büßfeld und Sprecher der Vogelsberger DEHOGA-Betriebe sieht die Hürden für eine Öffnung im Außenbereich. So kann er nur einen Teil der Tische stellen, um die Abstände einzuhalten. Er muss kontrollieren, ob die Besucher geimpft oder genesen sind oder zumindest einen Schnelltest vorweisen können.

»Es ist besser als nichts, aber es ist sehr aufwendig«, sagt der Restaurantchef. In normalen Zeiten hat er an Wochenenden Festgesellschaften im Haus, die runde Geburtstage, goldene Hochzeiten oder eine Konfirmation feiern. »Das ist fast alles auf 2022 verschoben«, sagt Dogana. Er freut sich, dass nun wieder eine Anfrage für eine goldene Hochzeit im Herbst hereingekommen ist. Aber über allem schwebt die Unsicherheit, ob das Fest steigen darf.

Ein anderer Bereich, der von der gesunkenen Inzidenz profitiert, ist der Sport. Denn nun dürfen Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre wieder in Gruppen trainieren. In den letzten Wochen waren nur Kleingruppen erlaubt, oder die Trainer organisierten Individualtraining, wie Frank Schneider sagt. Der sportliche Leiter im Junioren-Förderverein Ohmtal Homberg freut sich, dass nun wieder Fußballmannschaften gemeinsam trainieren können. Ab 26. Mai sollen dann die Jugendlichen über 14 und die Senioren wieder gemeinsam gegen den Ball treten.

»Es ist ein großer Vorteil, dass wir im Vogelsberg sind«, sagt er mit einem Blick auf niedrige Inzidenzen. »Die Kids freuen sich darauf, mal herauszukommen und was zu unternehmen.« So trainierten jüngst in der G-Jugend 27 Kinder. Auch für die Trainer macht es mehr Spaß. Ob alle wieder zum Training kommen, werde sich zeigen. Die letzten Monate machen sich auch bei den Trainern bemerkbar, einige sind beruflich stärker belastet. »Das Vereinswesen in Deutschland steht unter Druck, es ist sehr schwierig«, meint Schneider.

Auch sein Kollege bei der Jugendspielgemeinschaft Mücke, Lothar Engel, ist gespannt, ob die Kinder, die nun lange zu Hause waren, wieder auf den Platz zurückkehren. In der JSG wurde in einigen Altersgruppen Fußballtraining angeboten, andere pausierten. Seit Kurzem ist man zum normalen Training im Jugendbereich übergegangen. »Was zulässig war, haben wir angeboten«, sagt Engel, etwa Individual- und Kleingruppentraining. Dabei gab es oft Verunsicherung, ob man als Trainer richtig macht, was an Auflagen vorgegeben wurde. »Ich fühle mich ein Stück weit alleingelassen mit den Verordnungen, die sich dauernd ändern.«

Engel fragt sich, wie viele Kinder wieder Fußball spielen, nachdem sie lange zu Hause waren. Die Lage ist für die Vereine schwierig, weil sie in den letzten Monaten keine Einnahmen hatten. Deshalb könne man Jugendleiter schlechter mit einem Fahrtkostenzuschuss motivieren. Das wird besonders für kleine Vereine schwierig. »Ich denke, der Fußball wird in den nächsten zwei Jahren kränkeln.«

Einen Motivationsschub soll das Fußballcamp vom 18. bis 20. Juni geben, sagt Engel. Gerade werde das Hygienekonzept abgestimmt.

Welche Regel gilt?

Es gibt mehrere Möglichkeiten, zu erfahren, welche Regelungen in Bezug auf Corona-Schutz gelten. So hat Alsfelds Bürgermeister Stephan Paule ein Youtube-Video aufgenommen, in dem er die wesentlichen Regeln erläutert, die in Hessen ab kommendem Montag gelten. Unter anderem darf die Außengastronomie öffnen. Gäste benötigen Negativnachweise, müssen 1,5 Meter Abstand halten und ihre Daten hinterlegen.

In Schulen gibt es Präsenzunterricht für die Klasse 1 bis 6 und Wechselunterricht für die Älteren. Sport ist einzeln und unter Bedingungen in Gruppen möglich. Gruppensport für Kinder bis 14 ist erlaubt. Weitere Infos stehen auf der Internetseite des hessischen Sozialministeriums.



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